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    BirkenfeldNeues Zuhause für junge Flüchtlinge

    Sie sind ohne Eltern aus ihren Heimatländern aufgebrochen, waren oft wochenlang auf einer strapaziösen Flucht und haben nun in Birkenfeld eine Bleibe gefunden, wo sie qualifiziert betreut werden und Hilfe zum schnellen Lernen der deutschen Sprache und zur Integration in ihr neues Lebensumfeld bekommen.

    Foto: Axel Munsteiner

    Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

    Die Elisabeth-Stiftung hat in freien Räumen im Internatsgebäude der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - sogenannte UMAs - eingerichtet. Derzeit sind 22 Jugendliche aus Syrien (12), Afghanistan (9) und dem Iran (1) dort untergebracht. Die meisten der vom Jugendamt zugewiesenen jungen Männer sind 16 oder 17 Jahre alt.

    Neben dem von der Kreuznacher Diakonie betriebenen Jugendheim in Niederwörresbach ist die Birkenfelder Elisabeth-Stiftung somit die zweite Einrichtung im Kreis, in der eine größere Gruppe von minderjährigen Flüchtlingen betreut wird. Mit der Zustimmung des Verwaltungsrats für die Unterbringung und soziale Arbeit mit den jungen Migranten "gehen wir auch ein Stück weit zurück zu den Wurzeln", sagt Wolfgang Schneider. Der geschäftsführende Vorstand der Elisabeth-Stiftung erinnert mit dieser Aussage an den Leitgedanken, der 1951 hinter der Gründung des Berufsförderungswerks stand. In der damals noch "Versehrtenfachschule" genannten Einrichtung wurden junge Kriegsheimkehrer mit Verletzungen umgeschult und fit für einen neuen Beruf gemacht.

    In der Gegenwart sieht das Konzept zur Betreuung der jungen Migranten nach Auskunft von Hans-Dieter Scholl, Leiter der Maßnahmen für Jugendliche bei der Stiftung, zunächst eine "Clearing-Phase" vor. Bei dieser Standortbestimmung sollen zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt die Fragen geklärt werden, woher die Jugendlichen überhaupt kommen, ob die Eltern noch leben, ob sie Verwandte haben, die ebenfalls nach Deutschland geflohen sind und wie es mit ihrem Asylverfahren weitergeht. Auch medizinische Untersuchungen stehen an. "Denn viele sind nach der Flucht körperlich am Limit", weiß Scholl. Er berichtet auch von den traumatischen Erlebnissen der Jugendlichen, von denen viele auf der bekannten Route über die Türkei, per Boot nach Griechenland und dann über die Balkanroute geflohen sind.

    Ein Junge habe den Betreuern zum Beispiel offenbart, dass er aus Afghanistan - das in Zukunft möglicherweise als sogenanntes sicheres Herkunftsland eingestuft werden soll - geflohen ist, weil in seinem Heimatort immer wieder die Taliban eingefallen sind, um dort junge Kämpfer zu rekrutieren. Bei einem anderen Jugendlichen aus Syrien ist die seelische Belastung hingegen noch ganz akut. Denn während er schon vor einigen Monaten in Deutschland angekommen ist, stecken seine Eltern, die ihm folgen wollten, derzeit in Griechenland an der geschlossenen Grenze zu Mazedonien fest.

    Nach der Clearing-Phase geht es im zweiten Schritt um die möglichst schnelle Integration. "Die Jungs kommen ja aus einem anderen Kulturkreis. Eine Facette unserer Arbeit ist es, ihnen zu erklären, welche Regeln in unserer Gesellschaft gelten. Sie sind dafür aber auch sehr empfänglich", betont Scholl. Elementarer Bestandteil ist vor allem der Deutschunterricht. 20 Stunden pro Woche sind dafür angesetzt. Die Elisabeth-Stiftung kooperiert dabei mit der Berufsbildenden Schule Idar-Oberstein. Mit ihr wurde laut Scholl vereinbart, dass die Schule für diesen Unterricht in zwei Klassen Lehrer nach Birkenfeld schickt.

    Von Anfang an besuchen die jungen Migranten zudem zwölf Stunden pro Woche die Werkstätten und Hauswirtschaftsräume der Berufsvorbereitung, damit sich herausfinden lässt, wo ihre Neigungen und Fertigkeiten für ein späteres Berufsleben liegen könnten. Bei einigen von ihnen ist das schon schnell klar geworden. Adnan Feral würde zum Beispiel gern als Friseur arbeiten, erzählt der junge Syrer beim NZ-Besuch. Nebral Masri will in Deutschland beruflich die Familientradition fortführen. Denn seine Eltern betreiben in der von Bomben zerstörten Heimatstadt Aleppo in Syrien noch immer eine Bäckerei. Bei einem anderen jungen Migranten ist das Berufsziel - nicht ungewöhnlich in diesem Alter - hingegen noch nicht sehr konkret, er äußert als großen Wunsch, dass er eine Karriere als Schauspieler machen möchte.

    Über den Alltag in der Wohngruppe sagen alle unisono, dass sie sich wohlfühlen und "alles okay" ist. In der Freizeit sind die Jungs vor allem sportlich viel aktiv. Einige von ihnen haben sich auch schon beim SC Birkenfeld angemeldet und besuchen dort das Fußballtraining. Auch Abstecher in die Eisdiele oder in die Sisha-Bar haben sie schon gemacht.

    Das Programm für die Jugendlichen ist so ausgelegt, dass sich die Elisabeth-Stiftung so lange um sie kümmert, "bis sie stabilisiert sind, in eine eigene Wohnung ziehen können und dort dann nur noch eine stundenweise Betreuung erhalten", sagt die Pädagogin Tina Weisgerber. Nur in Einzelfällen werden die jungen Migranten bis zu drei Jahre in der Wohngruppe bleiben. Scholl betont in diesem Zusammenhang, dass ihr 18. Geburtstag für die Jungs dabei kein Damoklesschwert sein wird. "Es wäre ja Unsinn, wenn sich bei ihnen erste Erfolge zeigen und sie nur wegen Erreichens der Altersgrenze aus dem System herausgenommen würden. Deshalb können sie auch über den 18. Geburtstag hinaus bei uns bleiben."

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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