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    BörfinkNationalpark: Pferde helfen bei der Arbeit im Moor

    Waldarbeit mit Pferd und Seilbahn mag für viele Menschen im Zeitalter von Traktoren, Baggern und Vollerntern mühsam und antiquiert klingen. Und doch ist der Einsatz von kräftigen Kaltblütern im Nationalpark Hunsrück-Hochwald sinnvoll. Das zeigt sich aktuell bei der Renaturierung des Tierchbruchs bei Börfink.

    Um der moortypischen Vegetation, insbesondere den Torfmoosen, bessere Bedingungen für ihr Wachstum zu schaffen, werden im Tierchbruch nicht nur die Schatten werfenden Baumbestände gelichtet, bei denen es sich zumeist um künstliche, seit der Preußenzeit angelegte Fichtenforste handelte. Vor allem geht es darum, die ebenfalls einst von Menschenhand angelegten Entwässerungsgräben wieder zu verschließen, damit auf den Moorflächen der Wasserspiegel wieder steigen kann.

    Schonendes Vorgehen

    Doch wie können das für das Verfüllen der Gräben notwendige Material - ein Gemisch aus Hackschnitzeln und Sägemehl - sowie andere für die Arbeiten wichtige Geräte wie Werkzeuge, Bohlen und Bretter für Schubkarren - in die besonders schützenswerte Wildniszone gebracht werden? Das war die Frage, vor denen alle am Projekt der Wiedervernässung von Mooren beteiligten Akteure gestanden haben.

    Neben den Rangern des Nationalparkamts sind das die Stiftung Natur und Umwelt (SNU) Rheinland-Pfalz und der Verein Bergwaldprojekt. Dessen freiwillige Helfer hatten erst kürzlich ihre Arbeiten im nahe gelegenen Ochsenbruch abgeschlossen (die NZ berichtete).

    Nun sind 60 andere Ehrenamtler drei Wochen lang am Werk, um den Tierchbruch zu renaturieren. Diese Arbeiten stellen nach Auskunft von Nicole Fournier von der SNU den Auftakt des neuen, von Brüssel geförderten EU-Life-Projekts "Hochwald" dar. Damit werden bis 2020 speziell im Nationalparkgebiet 2 Millionen Euro für die Wiederherstellung der dortigen Moore bereitgestellt. Diese sogenannten Brücher machen immerhin 13 Prozent der Gesamtfläche des Parks dar und haben demzufolge für ihn eine große Bedeutung.

    Da sich der von Buchenwäldern umgebende Tierchbruch jedoch in der Wildniszone befindet und der sensible Waldboden geschützt werden soll, "wollen wir das Material dort nicht mit schwerem Gerät und Maschinen direkt zum Moor bringen. Andererseits können wir den Helfern aber auch nicht zumuten, alles per Hand dorthin zu tragen", sagt Fournier. Also entschlossen sich alle verantwortlichen Akteure bei diesem Projekt dazu, für den Materialtransport eine Seilbahn zu bauen und Rücke-pferde einzusetzen.

    "Diese Methode ist überhaupt nicht altmodisch, sondern hat sich als sehr bodenschonend und gleichzeitig für die Beteiligten auch kräftesparend und effizient herausgestellt", betont Guido Lotz, beim Nationalparkamt zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Deshalb schweben derzeit im Tierchbruch Balken und Bretter entlang von Seilen durch die Bäume, ohne Spuren auf dem Boden zu hinterlassen.

    Die kräftigen Kaltblüter haben derweil über mehrere Tage ton-nenhaft Füllmaterial in Säcken zu den Gräben gezogen, ohne dass der Waldboden oder das Moor verdichtet oder zerstört wurden. "So werden die Überbrückung der Wildniszone und damit ein Materialtransport bis an den Rand der Moore möglich ohne den Gebrauch schwerer Maschinen", stellt Lotz klar. Von Hand bauen die freiwilligen Helfer des Bergwaldprojekts anschließend Holzwehre. Sie versenken Balken und Bretter im Boden und schaufeln die Gräben zu.

    Statt Maschinenmotoren hört man nur ab und an ein leises Surren der Seile oder ein entspanntes Schnauben der Pferde. Und statt Reifenspuren und tiefen Fahrrinnen sieht man rund ums Tierchbruch nur Hufabdrücke und sanfte Schleifspuren. Spuren, die der Wald schon bald selbst wieder verwischen wird.

    Auswirkungen sichtbar

    Dass diese Mission im Moor auch einen tieferen Sinn hat, macht Lotz insbesondere mit Blick auf die Unwetter mit Starkregen und Überflutungen deutlich, die in den zurückliegenden Wochen Deutschland in Atem gehalten haben. Denn: "Auch im Nationalpark sieht man die Auswirkungen des sehr regnerischen Frühsommers.

    Die Waldböden sind durchnässt, und in den vollen Wassergräben und -abläufen schießt das Wasser regelrecht zu Tal und lässt die Pegel in Bächen und Flüssen ansteigen. Die Bodenversieglung und die Trockenlegung der Moore durch das systematische Anlegen von Entwässerungsgräben tragen ihren Teil dazu bei", sagt der Mann vom Nationalparkamt.

    Ein gestörtes Moor kann also mit Verzögerung dazu führen, dass Hochwasser in Orte getragen wird. Intakte Moore sind hingegen nicht nur einzigartige Biotope und Lebensgrundlade für seltene Tier- und Pflanzenarten, sie sind auch große Wasserspeicher. Sie nehmen Wasser auf wie ein Schwamm und bei Trockenheit geben sie es nur langsam wieder an die Umgebung ab. "Somit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Hochwasser- und Trinkwasserschutz", unterstreicht Guido Lotz.

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