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    Kreis BirkenfeldHilfestellung für verzweifelte Schwangere

    Ungewollt schwanger, verzweifelt, in einer Situation, die keine Alternativen lässt? Nicht selten entbinden Mütter unter Angabe eines falschen Namens in einer Klinik und verschwinden, andere legen das Kind irgendwo ab, gehen das Risiko ein, dass das Neugeborene stirbt. Babyklappen und anonyme Geburten können Leben retten - davon sind viele überzeugt. Ein neues Gesetz soll die Thematik nun aus der rechtlichen Grauzone herausholen: mit dem Ziel, Schwangere und Mütter in problembelasteten Lebenssituationen zu unterstützen, Kindstötung und Aussetzung zu verhindern.

    Foto: konradbak - Foto

    Das vom Bundeskabinett beschlossene Gesetz muss jedoch noch den Bundestag und den Bundesrat passieren; danach können Frauen ab dem 1. Januar 2014 in Krankenhäusern anonym ein Kind zur Welt bringen, das sie zur Adoption freigeben.

    Rita Mertes von der "Pro familia"-Beratungsstelle Idar-Oberstein kommentiert die Pläne: "Es ist als Fortschritt zu bewerten, wenn schwangere Frauen zukünftig in Konfliktlagen und problembelasteten Lebenssituationen unter medizinischer Begleitung anonym entbinden können. Positiv ist auch die geplante bundesweite Hotline und dass Beratung zur vertraulichen Geburt in die Angebote der Schwangerenberatungsstellen integriert werden soll."

    In 16 Jahren kein einziger Fall

    Aber: Nicht geregelt sei im Gesetzentwurf die medizinische Versorgung der Frauen während der Schwangerschaft, und völlig unberücksichtigt blieben schwangere Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Identität nicht preisgeben wollen, aber ihre Kinder behalten und selbst aufziehen möchten. Dazu zählen Frauen ohne Krankenversicherung oder Frauen, die sich illegal in Deutschland aufhalten: "Auch sie benötigen medizinische Behandlung während der Schwangerschaft und sichere Entbindungsmöglichkeiten. Der Gesetzentwurf sieht lediglich Regelungen für Schwangere vor, die ihre Neugeborenen zur Adoption frei geben möchten." Hier seien Nachbesserungen erforderlich.

    Als problematisch sieht es "Pro familia" auch an, dass das Gesetz keine Regelungen für die Betreibung von Babyklappen vorsieht. Babyklappen agierten bekanntermaßen in einer rechtlichen Grauzone, und es bestünden massive fachliche Zweifel an ihrem Nutzen. Somit blieben die Bemühungen, Schwangeren in Konfliktlagen eine befristete Anonymität zu gewähren, auf halbem Wege stehen.

    Rita Mertes erläutert weiter: "Aus 16 Jahren Beratungserfahrung in der Pro familia in Idar-Oberstein kennen wir keinen einzigen Fall, in dem wir gefordert waren, einer schwangeren Frau Auskünfte und Informationen hinsichtlich einer vertraulichen Geburt zu geben. Ob das Ziel, das mit dem Gesetz angestrebt wird, in der Zukunft erreicht werden kann, bleibt abzuwarten." Es gebe unzählige Hilfeeinrichtungen: "Wer in einer Konfliktlage oder problematischen Lebenssituation Hilfe benötigt, kann sich Informationen und Auskünfte einholen. Die Frage ist, warum dies in manchen Fällen nicht funktioniert, warum die betroffenen Frauen nicht zu den entsprechenden Institutionen finden."

    In Präventionsveranstaltungen der "Pro familia", die schon in den Grundschulen beginnen, werden sowohl die Eltern als auch die Schülerinnen und Schüler bei Elternabenden auf Angebote hingewiesen. Diese Praxis der Bewerbung der Angebote und der Einrichtung ziehe sich im Rahmen der Präventionsveranstaltungen durch alle Schulstufen, Schularten und Einrichtungen der außerschulischen Jugendhilfe: "Ältere Jugendliche kennen unsere Einrichtung durch die Teilnahme an sexualpädagogischen Veranstaltungen, die in unseren Räumlichkeiten stattfinden, wodurch die Hemmschwelle, in einer problematischen Situation mit uns Kontakt aufzunehmen, erheblich reduziert wird."

    Dennoch gebe es einzelne Fälle, die es offenbar unmöglich machten, sich früh genug und adäquate Hilfe zu holen. Nach einer psychisch verleugneten Schwangerschaft werde die Frau von der Geburt überrascht; im Sinne einer Stress- und Paniksituation komme es dann möglicherweise zur Aussetzung oder gar zur Tötung des Neugeborenen. Es bleibe die Frage offen, ob Frauen mit einer solchen Persönlichkeitsproblematik in der Lage sein werden, die Möglichkeiten einer anonymen Geburt an- und wahrzunehmen oder eine Babyklappe aufzusuchen.

    Dr. Stein: "Nicht ausgereift"

    Dr. Stefan Stein, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Idar-Oberstein, befürwortet den neuen Gesetzentwurf: "Ich bin ganz offen für die neuen Pläne und halte sie für eine gute Sache. Für das Leben der Mutter und des Kindes ist es natürlich deutlich besser, wenn sie im Krankenhaus versorgt werden." Allerdings seien die Ansätze noch nicht ganz ausgereift: "Wer übernimmt die Kosten?" Und natürlich müsse der Name der Mutter gespeichert werden, das Kind habe später ein Anrecht darauf zu erfahren, wer es zur Welt gebracht hat.

    Stein glaubt indes nicht, dass er in Idar-Oberstein viele anonyme Geburten erleben werde: "Die Frauen von hier würden sicher in ein Krankenhaus in einer anderen Stadt gehen."

    Von unserer Redakteurin Vera Müller

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