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    VG HerrsteinHausärzte: VG Herrstein setzt auf Kooperation

    VG Herrstein. Maren Hoffmann, bislang eher bekannt als Kulturreferentin der VG Herrstein, hat eine neue, spannende Zusatzaufgabe: Sie unterstützt die Verwaltungsführung offiziell bei Fragen und Projekten, die den demografischen Wandel betreffen – ein Thema, das die VG Herrstein bekanntlich massiv betrifft.

    Sie stellten das Projekt Zukunftswerkstatt zur ärztlichen Versorgung im Juni 2016 vor: Maren Hoffmann (von links), VG-Bürgermeister Uwe Weber (beide VG Herrstein) und Staatssekretär David Langner. Karoline Hautmann-Strack, die Obfrau der Kreisärzteschaft, brachte sich ebenfalls ein. Eine wirkliche Initialzündung lieferte aber auch diese Veranstaltung nicht.  Foto: Hosser (Archiv)
    Sie stellten das Projekt Zukunftswerkstatt zur ärztlichen Versorgung im Juni 2016 vor: Maren Hoffmann (von links), VG-Bürgermeister Uwe Weber (beide VG Herrstein) und Staatssekretär David Langner. Karoline Hautmann-Strack, die Obfrau der Kreisärzteschaft, brachte sich ebenfalls ein. Eine wirkliche Initialzündung lieferte aber auch diese Veranstaltung nicht.
    Foto: Hosser (Archiv)

     

    Nahversorgung, Wohnpunkt-Projekte wie in Bruchweiler, Sozialraummanagement, aber auch die medizinische Versorgung im ländlichen Raum angesichts einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung sind Bereiche, mit denen sich Hoffmann intensiv auseinandersetzt. Bei ihr laufen die Fäden zusammen: Und gerade die Frage, ob der VG Herrstein womöglich der medizinische Kollaps droht, weil die vier Hausärzte in Herrstein, Niederwörresbach, Kirschweiler und Kempfeld so langsam älter werden, steht im Fokus. Zwei Ärzte sind über 60 Jahre alt, zwei über 50. Zum Thema wurde bereits im Juni 2016 eine Zukunftswerkstatt in der Verwaltung organisiert, die aber keine Initialzündung lieferte. Hoffmann war jüngst auch Gast bei der Veranstaltung, zu der die Kreisverwaltung Kommunalpolitiker, Ärzte und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz in die Stadtverwaltung Idar-Oberstein eingeladen hatte (die NZ berichtete). Nach der Veranstaltung gab es viele kritische Stimmen und auch eine gewisse Ratlosigkeit.

    Die NZ fragte bei Maren Hoffmann nach, wie sie das Treffen empfunden hat und welche Schlüsse sie zieht. „Ich denke, es hat sich im Laufe der Veranstaltung eine gewisse Ernüchterung breitgemacht. Das zeigte sich auch in der einsetzenden Aufbruchstimmung im Saal. Die Thematik ist vielschichtig, schwierig und nicht mal gerade so an einem Nachmittag zu klären, was ja auch nicht beabsichtigt war.“ Man müsse dieses komplexe Thema differenziert betrachten. Es gebe verschiedene Beteiligte: niedergelassene Ärzte, zu findende potenzielle Ärzte mit dem Willen, hierher zu kommen und sich entweder selbstständig zu machen oder anstellen zu lassen, die KV und die Krankenkassen, die über die Zulassung entscheiden, und die Kommunalpolitik, die die Ärzteversorgung ihrer Bürger sichergestellt haben will.

    Gelungenes Beispiel in Büchenbeuren: Ärzteteam-Projekt in einer Gemeinschaftspraxis 

    Die niedergelassenen Ärzte arbeiteten als Freiberufler selbstständig und seien grundsätzlich niemandem Rechenschaft schuldig. Sie müssten weder Auskunft darüber erteilen, wie lange noch und in welcher Form sie ihrer Tätigkeit nachkommen wollen. Sie müssten nicht kooperieren oder sich verändern, wenn sie nicht wollen: „Es gibt Ärzte, die eigenständig zu anderen Ärzten den Kontakt aufnehmen, bei der Kommune oder der Kassenärztlichen Vereinigung Hilfestellung suchen, da sie sich selbst in der Verantwortung sehen, auch über ihre Arbeitszeit als Selbstständige hinaus die Weiterbehandlung ihrer Patienten sicherzustellen und kooperieren zu wollen.“ Dies sei der günstigste Fall für alle Beteiligten. Das Engagement gehe dann von der Ärzteschaft aus – so wie beim gelungenen Beispiel in Büchenbeuren: „Dort ging die Initiative für das Ärzteteam-Projekt in einer Gemeinschaftspraxis komplett und ohne kommunale Unterstützung von der Ärzteschaft aus, die für sich die Zeichen der Zeit erkannt, gemeinschaftlich nach Lösungsansätzen gesucht und diese auch gefunden hat.“

    Letztendlich könne in Planungsbereichen, wo man von Überversorgung (also mehr als 110 Prozent) wie im Kreis Birkenfeld spreche, nur dann ein Nachfolger zugelassen werden, wenn ein vorhandener niedergelassener Arzt seinen Sitz ganz oder zumindest zum Teil einbringt: „Es bedarf also schon mal dreier Faktoren – einen Arzt, der klar seine Absicht äußert, zu einem bestimmten Datum seinen Arztsitz freizugeben, einen potenziellen Arzt, der sich in unserer Region ansiedeln möchte und dass unsere Region attraktiv genug aufgestellt ist, gegen Großräume bestehen zu können.“ Vor einiger Zeit habe es die Idee gegeben, einen Imagefilm für die VG Herrstein zu drehen, der womöglich auch Ärzte anlockt. Von dem Projekt hat man Abstand genommen: Vor dem Hintergrund der geplanten Fusion mit der VG Rhaunen im Jahr 2019 würde ein solcher Film keinen Sinn machen.

    Realistische Versorgungszahlen?

    Die KV und die Krankenkassen unterstützten zwar grundsätzlich die Niederlassung von Ärzten durch verschiedene Förderprogramme, jedoch seien die Zugangsvoraussetzungen engmaschig. Eine Förderung ist erst möglich, wenn bereits eine Unterversorgung der Region eingetreten ist. „Kann man tatsächlich den Bedarf eines Hausarztsitzes an der Versorgungszahl 1671 Menschen festmachen und in allen Regionen im Land gleichsetzen? Je ländlicher die Region ist, umso schwieriger wird es für die Menschen, den nächsten Hausarzt zu erreichen. Bei uns wird dies in den nächsten 15 Jahren aufgrund des demografischen Wandels zu stärkeren Problemen führen als zum Beispiel in einem Ballungsraum wie Mainz. Und was bringt die beste Förderung der KV, wenn es gar nicht mehr genügend ausgebildete Hausärzte gibt? Die wenigen, die noch die Hausarztausbildung anstreben, suchen sich sicherlich den Standort, der nach ihren Erwägungen der für sie attraktivste ist.“

    Die Kommunen betrieben Daseinsvorsorge für ihre Bürger im Rahmen ihrer kommunalen Selbstverwaltung. Sie seien daran interessiert, dass auch weiterhin alle Einwohner des Gebietes ärztlich versorgt sind und sich die angespannte demografische Lage in einem Randgebiet nicht noch weiter verschärft. Es sei für Kommunen existenziell, dass neben anderen infrastrukturellen Einrichtungen auch die Ärzteversorgung weiterhin gegeben ist. Es bestehe der Anspruch, allen hier lebenden Menschen eine zukunftsfähige Perspektive aufzubauen und in allen Bereichen der sozialen Daseinsvorsorge leistungsfähig zu bleiben.

    Konzepte im Blick

    Die Kommunen müssten selbst Anreize schaffen oder Rahmenbedingungen kreieren, damit im Rahmen der Daseinsvorsorge die ärztliche Versorgung erhalten bleibt und nicht noch weitere Arztsitze verloren gehen. Wichtig hierbei sei sicherlich auch eine Kooperation mit dem Krankenhaus. Eine Kommune könne sich quasi positionieren und klar darlegen, wie wichtig ihr der Erhalt der Arztsitze in ihrer Region sei und dass sie bereit sei, sich aktiv miteinzubringen und Unterstützung zu leisten. Die VG Herrstein sehe sich in der Verantwortung und würde gern gemeinsam mit den vorhandenen Ärzten mögliche Konzepte entwickeln, die zukunftsfähig seien.

    Allerdings: Ohne den Kooperationswillen der Ärzte könne die Kommune dies nicht leisten. Kümmere sie sich nicht, werde irgendwann – spätestens, wenn der nächste Arztsitz nicht nachbesetzt werden kann – von Bürgern gefragt werden, warum sich denn niemand gekümmert habe. Patentlösungen gebe es nicht. Weniger sinnvoll seien dabei Großveranstaltungen, in denen keiner konkret Stellung beziehen möchte und „nur“ das generelle Leistungspaket der KV vorgestellt wird.

    Von unserer Redakteurin Vera Müller

     

    Hausärzte sind schon bald Mangelware - Region besser verkaufenVera Müller kommentiert: Lockangebote für junge MedizinerÄrztliche Versorgung: Dem Kreis Birkenfeld geht es noch nicht schlecht genugKommentar: Ärzte und Politiker sind verschnupft
    Idar-Oberstein Birkenfeld
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