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    KempfeldFinger weg von denkleinen Wilden

    Die kleine Anna hat die Klappe an der Auswilderungsstation geöffnet, jetzt brauchen nur noch die drei Wildkatzen durchzuschlüpfen. Doch keine lässt sich sehen, alle drei suchen die sichere Deckung der Nadelholzzweige, die im Auswilderkäfig zu einem halbrunden Dach geformt sind.

    Die siebenjährige Anna Theis (vorne) durfte eine Wildkatze im Freigehege in die Freiheit entlassen.
    Die siebenjährige Anna Theis (vorne) durfte eine Wildkatze im Freigehege in die Freiheit entlassen.
    Foto: Hosser

    Bei der kleinen Gruppe Menschen, die sich an diesem Nachmittag um den Drahtkäfig geschart haben, wird es wohl nichts mit der Hoffnung, eine Wildkatze zu sehen. Die siebenjährige Anna Theis ist Gewinnerin einer Aktion aus dem vorigen Jahr. Der Preis: Eigenhändig eine Wildkatze im Freigehege in die Freiheit entlassen zu dürfen. Begleitet wird das Mädchen von ihrer Mutter Angela, Oma Hiltrud Fink, der Natur- und Landschaftsführerin Anja Eckhardt, dem ehrenamtlichen Leiter des Wildfreigeheges, Gisbert Geisler, seiner Frau Doris und Klaus Görg, dem Geschäftsführer des Hunsrückvereins.

    So sieht die Wildkatze aus - mit fleischfarbener Nase. 
Foto: Hosser
    So sieht die Wildkatze aus - mit fleischfarbener Nase.
    Foto: Hosser

    Vor dem Nadelzweig-Dach liegen haufenweise tote Eintagsküken, Lieblingsfutter der Katzen. Aber nicht mal das lockt sie aus ihrem Unterschlupf. Irgendwann, wahrscheinlich in der Nacht, werden sie rausschleichen - und dabei von der Nachtsichtkamera gefilmt werden, die Geisler vor der Käfigtür angebracht hat. So will er herausfinden, ob die Katzen wieder zurück in den Käfig kommen, zum sicheren Futterplatz. Dann müsste die Ration gedrosselt werden, um die Tiere von ihrem "Zuhause" zu entwöhnen.

    Am Käfig hat es nicht geklappt, dafür wird Anna im Schaugehege 50 Meter entfernt entschädigt: Nachdem Doris Geisler den Katzen unterm Zweigdach Eintagsküken als Futter zuwirft, schaut erst eine Wildkatze aus ihrer Deckung hervor, dann setzt sich eine zweite vor einen anderen Bau. So nah wie Anna kommt selten jemand den extrem scheuen Tieren. Das Wildkatzenzentrum im Freigehege wurde im Jahr 2010 gegründet, seitdem sind mehr als 30 Katzen aufgenommen und wieder ausgewildert worden. Das Gehege mit seiner Auffang- und Auswilderstation ist eine Durchgangsstation für die wilden Tiere: Diejenigen, die im Frühjahr geboren wurden, werden nach einem Jahr ausgewildert, die "Herbstkatzen" kommen nach dem zweiten Winter zurück in die freie Natur.

    In den nächsten acht bis zwölf Wochen werden wieder "Frühjahrskatzen" geboren. Wer Katzenbabys findet, kann sie leicht mit Säuglingen von Hauskatzen verwechseln. Deshalb warnt Geisler: "Bitte in Ruhe lassen!", keinesfalls angreifen. Stattdessen sollten Experten, Jäger oder Förster etwa, um Rat gebeten werden. Die wilden Katzen sind recht einfach von Hauskatzen zu unterscheiden: Alle haben ein graues, verwaschenes Fell mit schwarzen Streifen; der Körper ist massiger, die Nase fleischfarbig, die Schwanzspitze stumpf, der dicke Schwanz hat drei bis fünf Ringe. Und wer noch immer in Zweifel ist, wird spätestens zu Hause merken, woran er ist: Die Wildkatzen sind aggressiv, kratzen und beißen. Auf keinen Fall sollte ihnen Trockenfutter gegeben werden, warnt Geisler, auch Nassfutter schafft Probleme: Sie bekommen Durchfall. Neun von zehn Katzen sind als "Fundsache" ins Gehege gekommen. Die Tiere kommen zunächst bei Tierärztin Dr. Maria Francesca Saxler in Quarantäne, werden geimpft und entwurmt, ihnen wird eine DNA-Probe entnommen, um herauszufinden, ob es sich um eine reine Wildkatze handelt.

    Von unserem Mitarbeiter Karl-Heinz Dahmer

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