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    Kreis BirkenfeldDie goldenen Tennis-Zeiten sind im Kreis Birkenfeld längst vorbei

    Auch wenn Sabine Lisicki in das heute stattfindende Finale in Wimbledon eingezogen wäre oder es sogar gewonnen hätte, einen neuerlichen Tennisboom wird die 21-jährige Berlinerin kaum auslösen.

    Sieht er nicht aus wie Boris Becker? Florian Zimmer (Jahrgang 1999) ist die neue Hoffnung des TC Idar-Oberstein.
    Sieht er nicht aus wie Boris Becker? Florian Zimmer (Jahrgang 1999) ist die neue Hoffnung des TC Idar-Oberstein.
    Foto: Klaus Castor

    Kreis Birkenfeld. Auch wenn Sabine Lisicki in das heute stattfindende Finale in Wimbledon eingezogen wäre oder es sogar gewonnen hätte, einen neuerlichen Tennisboom wird die 21-jährige Berlinerin kaum auslösen.

    Nachdem mit Cilly Aussem am 3. Juli 1931 erstmals eine Deutsche den begehrten Titel eroberte, werden die Tennisvereine im Kreis Birkenfeld 80 Jahre später wohl weiterhin Mitglieder verlieren, händeringend um Nachwuchs werben – und fast schon melancholisch an das Ende der 1980er-Jahre denken.

    Rückblick: Der Funke sprang am 7. Juli 1985 über. Da ging ein unbekümmerter, rothaariger Teenager namens Boris Becker (17) als jüngster Sieger in die Geschichte der „All England Championship“ ein. Erstmals triumphierte auf dem „Heiligen Rasen“ ein Deutscher. Steffi Graf mit munter hüpfendem Pferdeschwanz und auch Michael Stich komplettierten wenig später die deutsche Vorzeigeriege.

    Zuvor war der „weiße Sport“ eher ein elitärer. „Damals war es schick, Tennis zu spielen“, sagt Jörg Axmann, Pressesprecher des VfR Baumholder. „Viele Ärzte, Rechtsanwälte oder Steuerberater waren im Verein.“ Doch Ende der 1980er-Jahre wollte plötzlich jeder so sein wie Boris und Steffi. Der Leimener Bub und die „Gräfin“ aus Brühl trieben den Klubs die Spieler scharenweise zu.

    Paradebeispiel für Aufstieg und Fall – was die Mitgliederzahlen anbelangt – ist der TC Idar-Oberstein. „Die Zahl stieg von 750 im Jahr 1982 bis 1988/89 auf knapp 1000“, berichtet Vorsitzender Joachim Dörflinger. „Der TC Idar-Oberstein war zeitweise der größten Verein im Tennisverband Rheinland“, bestätigt rückblickend Lothar Markus, Geschäftsführer des Verbandes. Doch bereits Anfang der 1990er-Jahre ging's bergab. Heute sind noch 238 Mitglieder registriert. Das ist ein Verlust von rund 75 Prozent.

    Dörflinger verzeichnet in den vergangenen Jahren zwar ein wiedererstarktes Interesse bei der Jugend. Dennoch werde es schwer, wenn die jungen Leute mit der Schule fertig sind und studieren gehen, sie zu halten. Ein Blick in die Altersstruktur gibt ihm recht. 25 unter 18-Jährige sind im TC aktiv, das „Mittelalter“ (19 bis 40 Jahre) ist mit 35 Personen kaum vorhanden, während 179 (!) Mitglieder älter als 40 Jahre sind, allein 115 über 61 Jahre.

    Ähnlich sieht es bei der Spvgg. Nahbollenbach aus. „Zu Hochzeiten hatten wir gut 200 Tennisanhänger“, sagt Sportwart Michael Greber. Derzeit sind es 134. Um den Trend umzukehren, soll im August ein Turnier für Hobbyspieler veranstaltet werden. Eine geplante Tennis-AG in der Grundschule Auf der Bein scheiterte, weil sich keiner fand, der die Zeit hat, das Projekt zu betreuen. Aber insgesamt werde es immer schwerer, Mädchen und Jungen für Tennis zu begeistern. Computer und Gameboy seien mit schuld daran.

    Der 1984 gegründete TC Hambachtal ist quasi ein Kind von Becker, Stich und Graf. „Wir sind aus dem Boom heraus entstanden“, berichtet Vorsitzender Jean-Pierre Marques. Etwa 180 Tenniscracks hatte der Klub in Glanzzeiten, 113 sind's momentan. Auch hier sind die über 40-Jährigen klar in der Überzahl. Wie aber neue Mitglieder rekrutieren? „Du musst heute um jeden Einzelnen kämpfen“, sagt Marques, „sei es mit Schleifchenturnieren, Schnuppertagen für die ganze Familie, aber auch mit Qualität und – wie wir – mit einer eigenen Tennishalle.“

    Beim VfR Baumholder ist die Mitgliederzahl von einst mehr als 150 Mitglieder auf 109 abgefallen. Dennoch sieht Vorsitzender Klaus Schöpfer seinen Klub auf einem guten Weg – dank weiterer Sportarten. „Beim VfR haben wir eigentlich wenig Probleme. Unsere jungen Leute treiben nicht nur Tennissport, es sind auch gute Fußballer und Badmintonspieler. Das gibt Hoffnung, dass sich die Jugendlichen auch in Zukunft für den VfR entscheiden.

    Für ihn ist ein großes Manko, dass Tennis im TV kaum stattfindet. Sein Pressesprecher, Jörg Axmann, pflichtet ihm bei. „Selbst das Turnier in Wimbledon wird nicht übertragen. Lisicki steht im Finale, und keiner sieht es.“ Zudem sei der Deutsche Tennisbund amateurhaft geführt, die Tennisbundesliga werde katastrophal vermarktet.

    Der TC Hoppstädten-Weiersbach begann 1977 mit 28 Mitgliedern. Dank der goldenen Tenniszeiten stieg diese Zahl auf gut 140. Noch immer greifen hier 111 Menschen zum Schläger. Und es sollen wieder mehr werden. „Seit zwei Jahren bieten wir an der Grundschule in Hoppstädten eine Tennissport-AG an, aus der schon einige neue Mitglieder hervorgegangen sind“, erzählt Schriftführerin Diana Heyda. Doch sei ein solches Unterfangen schwer. „Die Jugend hat heute ein viel breiteres Angebot an Freizeitaktivitäten und ist durch die Ganztagsschule eingeschränkter.“

    Der TV Vollmersbach (90), die TF Jahnhalle Idar-Oberstein (79) und der TC Rhaunen (78) erreichen die 100-Mitglieder-Marke nicht.

    Ein ganz besonderer Fall ist der TC Rot-Weiß Birkenfeld, bei der Gründung 1963 mit einer der ersten in der Region. „Doch seit Ende der 1990er-Jahre ist die Mitgliederzahl stark gesunken“, sagt Vorsitzender Hanns Heicher. Kurios: Anfang 1998 gibt's noch 143 Mitglieder. Doch innerhalb eines Jahres treten 63 aus. Ob dies etwas mit der kurz zuvor beschlossenen Beitragserhöhung um zehn D-Mark zu tun hatte? Das werden wohl selbst Boris Becker und Steffi Graf nicht wissen ... 

                                                  Andreas Nitsch

    Lesen Sie zu diesem Thema am Samstag in der Nahe-Zeitung auch das Interview mit Joachim Dörflinger, dem Vorsitzenden des TC Idar-Oberstein.

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