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  • Betrugsprozess: Angeklagter vergrub Gold in seiner Tiefgarage

    Idar-Oberstein. 3000-Quadratmeter-Anwesen, teurer Schmuck, ein Rennboot und ein amerikanischer Supersportwagen, eine Dodge Viper: Auf großem Fuß lebten lange Jahre der Angeklagte, der sich seit Donnerstag in einem Betrugsprozess um 30 Kilogramm Goldgranulat verantworten muss, seine Frau und seine Kinder. 

    Foto: picture alliance / dpa

    "Mein Mann hat hart gearbeitet und auch immer über viel Geld verfügt. Aber seine Geschäfte waren nie ein Thema", berichtet die Ehefrau als Zeugin, während der 47-Jährige auch am zweiten Verhandlungstag keinerlei Angaben macht.

    Im Sommer 2013 trifft die Familie dann ein Schlag, der letztlich auch die Ereignisse auslöst, über die nun verhandelt wird: Im Zuge eines anderen Ermittlungsverfahrens - offenbar ging es auch hier um Betrug - veranlasst die Staatsanwaltschaft Saarbrücken eine Durchsuchung in dem Haus in der Nähe von Bad Kreuznach und konfisziert sämtliche auffindbaren Besitztümer. "Die haben alles auf links gedreht", berichtet die zweifache Mutter. Autos, Boot, Schmuck, Wertpapiere, Bargeld: Alles ist weg, darüber hinaus sind alle Konten gesperrt. Die Familie muss nun von Zuwendungen aus der Verwandtschaft leben.

    Doch der Angeklagte hatte Vorkehrungen getroffen, von denen selbst seine Frau nichts wusste: Die sechs Tüten mit jeweils fünf Kilogramm Goldgrains, um die sich das gesamte laufende Verfahren dreht, hat er in der Tiefgarage vergraben. Das Versteck erscheint ihm aber offenbar nach der Razzia nicht mehr sicher. Also beschließt er, das Gold in einer Bank zu deponieren, mietet die beiden Schließfächer in Idar-Oberstein an und zieht zur Einlagerung am 10. April 2014 einen Anwalt hinzu (NZ-Bericht von gestern). Seine Frau erfährt allerdings erst Monate später von der üppigen Vorsorge. Er habe bei einem Telefonat mit ihrer Schwester mitbekommen, wie verzweifelt sie war und ihr daraufhin gesagt, sie brauche sich keine Sorgen zu machen, erklärt die Ehefrau.

    Ein Teil des Goldes soll nun verkauft werden, um die Familie durch die schwere Zeit zu bringen. Deshalb fährt der 47-Jährige, der bis zu einer langwierigen Erkrankung selbstständig in der Werbebranche tätig war, am 12. September erneut in die Schmuckstadt, bittet den Anwalt mit in die Bank zu kommen und findet den Safe leer vor.

    Die Ehefrau, die zu Hause auf ihn wartet, weil man noch für den gleichen Tag einen Termin in einer Scheideanstalt ausgemacht hat, ist völlig schockiert, als sie davon erfährt. Sie überzeugt ihren Mann, der bereits auf dem Heimweg ist, sofort gemeinsam Strafanzeige zu stellen. Dies geschieht am Nachmittag des 12. September, einem Freitag, auf der Wache im OIE-Gebäude. Drei Tage später kommt es in der Bankfiliale zu einem Treffen mit dem Leiter der Rechtsabteilung, dem Innenrevisor und einer Kundenberaterin der Bank, das jedoch zu keinem Ergebnis führt. Das Ehepaar nimmt sich einen Rechtsanwalt, und das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft beginnt.

    Während ein Freund des Angeklagten als Zeuge berichtet, er sei 2002 beim Ankauf des Goldes bei einem gemeinsamen Bekannten, einem mittlerweile verstorbenen Zahntechniker, dabei gewesen, kann die Anklage auch am zweiten Verhandlungstag keine Beweise für ihre These von der fingierten Einlagerung im Schließfach vorbringen. Ein Kripobeamter berichtet vom Ergebnis einer labortechnischen Untersuchung des Schließfachs und der Schlüssel beim LKA in Mainz. Demnach gibt es keine Hinweise darauf, dass ein Schlüssel nachgemacht wurde. Im Schließfach finden sich zwar keine reinen Goldpartikel. "Wenn das Gold luftdicht verpackt war, ist das aber auch nicht zu erwarten", erklärt der Beamte. Offensichtlich auf reiner Intuition beruhen die Verdachtsmomente einer Beamtin der PI Idar-Oberstein, die die Anzeige aufnahm: Dass die Anzeige erst Stunden nach der Tat aufgenommen wurde und der Geschädigte sehr gefasst wirkte, habe einen seltsamen Eindruck auf sie gemacht. Als Küchenpsychologie tut dies der Verteidiger des Angeklagten ab.

    • Mit der Vernehmung weiterer Zeugen wird die Verhandlung am Freitag, 29. Januar, 9 Uhr, fortgesetzt.

    Von unserem Redakteur Michael Fenstermacher

     

     

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