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    BergenBergen: Evangelische Kirche wegen maroden Schieferdaches gesperrt

    Die evangelische Kirche in Bergen ist schon seit mehreren Monaten gesperrt. Gottesdienste müssen in einem kleinen Nebenraum gehalten werden - ohne Orgel, ohne standesgemäßen Altar. Das Dach ist stark reparaturbedürftig, mehr als das. Es regnet hinein, und kürzlich erst wartete der zuständige Architekt mit der Hiobsbotschaft auf, er könne keine Gewähr mehr für die Standfestigkeit übernehmen. Das heißt: Jederzeit können Teile des Daches herunterbrechen. Nun steht die Kirche leer.

    Die evangelische Kirche in Bergen wurde vor mehr als 150 Jahren errichtet. Das Schieferdach wurde in den vergangenen Jahren immer wieder repariert. Jetzt ist eine Generalsanierung für 275 000 Euro notwendig. Doch das Geld dafür fehlt.  Fotos: Andreas Nitsch
    Die evangelische Kirche in Bergen wurde vor mehr als 150 Jahren errichtet. Das Schieferdach wurde in den vergangenen Jahren immer wieder repariert. Jetzt ist eine Generalsanierung für 275 000 Euro notwendig. Doch das Geld dafür fehlt. Fotos: Andreas Nitsch
    Foto: Andreas Nitsch

    Von unserem Redakteur Andreas Nitsch

    Diese Warnhinweise hat das Presbyterium an der evangelischen Kirche in Bergen angebracht.
    Diese Warnhinweise hat das Presbyterium an der evangelischen Kirche in Bergen angebracht.

    Das Dach ist allerdings nicht erst seit kurzer Zeit defekt, erläutert Pfarrer Günter Kochheim. "Wir haben es all die Jahre regelmäßig reparieren lassen", sagt er. Doch vor zweieinhalb Jahren habe die ausführende Firma verlauten lassen, dass bei jeder weiteren Reparatur mehr zerstört als ausgebessert werde. Das hänge mit der Beschaffenheit des Daches zusammen. Schiefer verwittert mit der Zeit, wird brüchig. Immerhin hat das Gotteshaus in Kürze mehr als 154 Jahre auf dem Buckel. Offizielle Einweihung war am 23. Mai 1862.

    Ein Architekt wurde beauftragt, ein Sanierungskonzept vorzulegen. 275 000 Euro würde es kosten, seine Vorschläge umzusetzen. "Für uns allein wäre die Realisierung des Unterfangens absolut illusorisch gewesen", betont Kochheim. Also wurden Gespräche mit dem Kirchenkreis, der Denkmalpflege und weiteren Institutionen über eine Kostenbeteiligung geführt. Bislang mageres Ergebnis: Lediglich der Kirchenkreis wolle 10 Prozent übernehmen. "Ich habe den Eindruck, dass bei der Denkmalpflege kein Wert darauf gelegt wird, die Kirche in Bergen zu sanieren", sagt ein verärgerter Pfarrer Kochheim. "Bergen ist wohl zu unattraktiv, um dort Geld zu investieren", vermutet er. Zu allem Überfluss musste das Gotteshaus dann auch noch für Gottesdienste und sonstige Veranstaltungen gesperrt werden.

    Das Presbyterium hat natürlich schnell erkannt, dass damit auch die Verkehrssicherheit gefährdet ist, und Warnschilder angebracht. "Betreten auf eigene Gefahr" ist dort zu lesen. Zudem wird auf "mögliche herabfallende Dachschiefer bei Sturm" hingewiesen. Einige Schieferplatten liegen schon neben der Treppe am Hauptportal.

    Gottesdienste finden im hinteren Teil der Kirche in einem kleinen Saal statt. "Dieser Saal hat eine Stahlbetondecke", erklärt Pfarrer Kochheim. Doch finden dort maximal 60 Personen Platz. Größere Gottesdienste müssen deshalb woanders gehalten werden. Für den Gottesdienst an Weihnachten ist die Kirchengemeinde in das Dorfgemeinschaftshaus ausgewichen. 100 Sitzgelegenheiten gibt es dort. Alle Plätze waren belegt. "Aber die Atmosphäre war unterirdisch", berichtet Pfarrer Kochheim.

    Eigentlich ist die Bergener Kirche ja zu groß - für die mittlerweile insgesamt nur noch 600 Gemeindeglieder. Dies sei historisch begründet. Ziel war es einst, für die Orte Bergen, Berschweiler und Griebelschied eine einzige große Kirche zu errichten. Auch die Gotteshäuser in den Nachbarorten sollten zurückgebaut werden, so wie im Frühjahr 1854 die alte Bergener Kirche dem Abrisshammer zum Opfer gefallen ist. Doch die Gebäude stehen noch immer. Mit dem Ergebnis: Heute besitzt die evangelische Kirchengemeinde Bergen drei Gotteshäuser - und alle drei sind denkmalgeschützt.

    Wäre es da nicht besser, die Kirche in Bergen sich selbst zu überlassen, bis sie langsam zerfällt, und dann einzuebnen? Das Problem ist, dass die Kirche auch das Wahrzeichen des Ortes ist. "Und es wird wohl niemand die Verantwortung für einen Abriss der Kirche übernehmen wollen", denkt Kochheim.

    Der Pfarrer hofft, dass derzeit wieder aufgenommene und noch laufende Gespräche über das Projekt doch noch zu einem guten Ende führen. "Wir haben jahrelang darauf hingewiesen, dass irgendwann einmal Erhaltungsmaßnahmen notwendig sein werden", berichtet der Pfarrer. Aber man habe seitens der Behörde bislang nur mit den Achseln gezuckt. Vielleicht erfolge ja noch ein Umdenken. Kochheim gibt zu bedenken: "Wenn wir 275 000 Euro für ein neues Dach ausgeben, streicht der Staat allein 40 000 Euro Mehrwertsteuer ein. Da kann der Staat auch mal etwas für uns machen."

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