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    Kreis BirkenfeldBereitschaftsdienst: 90 Ärzte wehren sich gegen die Obrigkeit

    Ein wenig wie Asterix und Obelix - so kommen sich die Ärzte aus dem Kreis Birkenfeld derzeit vor: Die Kreisärzteschaft ist die einzige unter 48 im Land, die ihre Beritschaftdienstzentrale nicht unter die Regie der Kassenärtlichen Vereinigung gestellt hat. 90 Ärzte lehnen sich gegen das Imoerium auf.

    Foto: Fotolia

    Von unserem Redakteur Andreas Nitsch

    Während sich die Protagonisten aus dem gleichnamigen Comic im Jahr 50 v. Chr. gegen Julius Caesar zur Wehr setzen, haben Dr. Bernd Strube, Vorsitzender der Ärztlichen Bereitschaftszentrale (ABZ) im Klinikum Idar-Oberstein/Göttschied, und Dr. Rudolf Schwarz, Obmann der Kreisärzteschaft, im Jahr 2014 einen ganz anderen Widersacher: die Kassenärztliche Vereinigung (KV).

    "Rheinland-Pfalz ist zum 1. April flächendeckend mit Bereitschaftsdienstzentralen (BDZ) versorgt. 47 von 48 BDZ sind unter dem Dach der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) organisiert." So lautete Ende März eine Pressemitteilung der KV. Die einzige Bereitschaftsdienstzentrale, die nicht in Regie der KV betrieben wird, ist jene im Klinikum Idar-Oberstein - ähnlich wie Asterix und Obelix aus dem einzigen Dorf in ganz Gallien, dem heutigen Frankreich, stammen, das noch nicht von Julius Caesar erobert ist.

    Der Julius Caesar der KV ist - bildlich gesehen - Dr. Sigrid Ultes-Kaiser, die Vorsitzende der Vereinigung. Ihr sind, wie Strube und Schwarz sagen, die 90 Ärzte im Bereich Idar-Oberstein, Herrstein, Fischbach-Weierbach, Kirn und Kirner Land ein Dorn im Auge, weil sie ihren Bereitschaftsdienst in Eigenregie. Dabei sind die Argumente der Idar-Obersteiner durchaus nachvollziehbar. Sie wehren sich gegen die Übernahme - Strube spricht sogar von Enteignung -, "weil wir preiswerter und besser organisiert sind". Sie untermauern ihre Aussage mit entsprechenden Zahlen.

    Was kaum ein Patient weiß: Jeder an der ABZ Idar-Oberstein beteiligte Arzt zahlt monatlich 200 Euro, um die Zentrale am Laufen zu erhalten, etwa um Vertretungen zu organisieren - also 2400 Euro im Jahr. Für jeden 24-Stundendienst (jeder Arzt kommt auf etwa fünf Dienste) werden 900 Euro brutto erstattet. "Letztendlich kommen wir auf 6,50 Euro netto pro Stunde Bereitschaftsdienst. Da geht keine Putzfrau mehr für arbeiten, der Betrag liegt unter dem Mindestlohn von 8,50", sagt Dr. Schwarz. Bei den Bereitschaftsdienstzentralen, die der KV unterstehen, sei es noch gravierender. Dort müssen die Ärzte pro Monat noch ein Drittel mehr als in Idar-Oberstein bezahlen - etwa 280 Euro. "Das bedeutet, diese Ärzte arbeiten fast vollständig umsonst", erklärt Dr. Strube. Ganz umsonst arbeitet der Hintergrunddienst, der von der KV zusätzlich zwingend gefordert wird.

    Was alle Ärzte - ob der KV unterstellt oder in Eigenregie agierend - in puncto Bereitschaftsdienst miteinander verbindet: Wer seinen Bereitschaftsdienst nicht antritt, wird mit einer Strafe von 3000 Euro für 24 Stunden belegt - auch dann, wenn der Betroffene etwa akut erkrankt. "Warum das so ist, konnte uns bei der Kassenärztlichen Vereinigung bisher auch niemand erklären", sagen Strube und Schwarz. Kurios: In England beispielsweise erhalten die Ärzte umgerechnet 3000 Euro für 14 Stunden (dort ist es verboten, 24 Stunden am Stück zu arbeiten) Bereitschaftsdienst.

    Für die KV RLP steht die Umstrukturierung des Bereitschaftsdienstes kurz vor dem Abschluss. Der organisierte ärztliche Bereitschaftsdienst drohte in ihren Augen - besonders in ländlichen Regionen - ohne flächendeckende Patientenversorgung durch Bereitschaftsdienstzentralen kurzfristig zum Problem zu werden. "Oberstes Ziel war daher, flächendeckend Bereitschaftsdienstzentralen einzurichten und zu betreiben, um vor allem den Patienten in ländlichen Gebieten auch zukünftig eine adäquate ärztliche Versorgung außerhalb der Öffnungszeiten der Praxen bieten zu können", erläutert Vorsitzende Ultes-Kaiser. Eine adäquate ärztliche Versorgung außerhalb der Öffnungszeiten der Praxen bieten - das wollen und machen jetzt schon auch Strube, Schwarz und ihre ärztlichen Mitstreiter seit 1998 - aber ohne dass die KV ihre Finger im Spiel hat. Rund 10 000 Patienten pro Jahr werden in der Bereitschaftsdienstzentrale in Göttschied behandelt. Beschwerden gebe es so gut wie keine. Noch gibt es genügend Ärzte, die dort mit anpacken. Unter anderem verrichten Ärzte Dienste, die ihre Praxen aus Altersgründen schon geschlossen haben. "Aber insgesamt läuft der Laden, auch auf längere Sicht", sagt Dr. Schwarz.

    Wenn's nach der KV geht, aber nicht mehr lange unter der Leitung von Dr. Strube. Ab 1. Juli sei auch die ABZ Idar-Oberstein in Trägerschaft der KV, heißt es auf der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung, was den Vorstand der ABZ doch sehr verwundert, da er von dieser Absicht bisher keine Kenntnis hat. Doch das werden Dr. Schwarz, Dr. Strube und ihre Mitstreiter nicht so ohne Weiteres hinnehmen - so wie auch die unbeugsamen Gallier Asterix und Obelix in 35 Bänden erfolgreich Widerstand geleistet haben.

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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