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    AchtelsbachAchtelsbach: Betreiber dementiert Eiswurf an Windrad

    Ein mutmaßlicher Vorfall am Windpark Achtelsbach wirft Fragen auf: Spaziergänger Andreas Wiesen wurde dort nach eigener Aussage am Mittwoch von einem Eisbrocken getroffen, der von einem laufenden Rad herunterfiel. Er zog sich dabei eine Fußprellung zu. Anders als die Kreisverwaltung hält der Chef der Firma Geres, die die Anlagen in Achtelsbach betreibt, diese Darstellung für unglaubwürdig. Die Gewerbeaufsicht prüft nun, was geschehen ist.

     

    So wie hier auf der Höhe zwischen Meckenbach und Sötern wird auch im Umfeld des nahe gelegenen Windparks Achtelsbach mit Hinweisschildern vor der potenziellen Gefahr von Eiswurf gewarnt.  Foto: Reiner Drumm
    So wie hier auf der Höhe zwischen Meckenbach und Sötern wird auch im Umfeld des nahe gelegenen Windparks Achtelsbach mit Hinweisschildern vor der potenziellen Gefahr von Eiswurf gewarnt.
    Foto: Reiner Drumm

    Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

    „Ich bin furchtbar erschrocken“, sagt Wiesen über das Erlebnis am Mittwoch, das der Mann aus Abentheuer so schildert: Er sei um die Mittagszeit auf dem Erzweg in unmittelbarer Nähe der Grenze zum Nationalpark unterwegs gewesen. In dem Bereich drehen sich seit 2014 vier, jeweils 185 Meter hohe Windräder des Typs Enercon E 101. Als er die nördlichste Anlage passierte, sei plötzlich ein kleineres Eisstück auf ihn zugeflogen. „Ich habe es reflexartig weggetreten, als es auf mich zukam. Zwei, drei weitere Stücke schlugen neben mir ein, wobei sogar größere Äste abgebrochen wurden“, erzählt Wiesen.

    Betroffener: Prellung am Fuß

    Er wisse zwar, dass dort Schilder mit dem Hinweis „Achtung Eiswurf“ stehen, aber: „Damit habe ich nicht gerechnet. Das ist ja lebensgefährlich, wenn man am Kopf getroffen würde.“ Er hat auch Fotos gemacht und betont, „dass die Stücke mit einer gewaltigen Wucht von den Flügeln kamen“. Eins stellt Wiesen klar: Er sei kein Windkraftgegner, es gehe ihm auch gar nicht um die kleine Verletzung am Fuß. Er wundere sich aber, warum dort nicht deutlichere Warnhinweise wie „Betreten auf eigene Gefahr“ stehen und fragt: „Bin ich denn jetzt selbst schuld, wenn ich spazieren gehe?“

    Norbert Wiemann, Geschäftsführer von Geres, stellen Wiesens Darstellung in Abrede. Als technische Schutzmaßnahme gegen Eiswurf sind die vier Anlagen in Achtelsbach mit einem Eiserkennungssystem ausgestattet. Sie schalten sich ab, wenn Eisansatz in gefahrdrohender Menge am Rotorblatt entsteht. Wiemann teilte der NZ am späten Donnerstagnachmittag in einer schriftlichen Stellungnahme mit: „Zwischen 11 und 14 Uhr wurde an der WEA 2 in Achtelsbach kein Eisansatz gemeldet. Dementsprechend wurde auch keine Blattheizung aktiviert.“ Die Sensorik dafür sei äußert genau. Die von Wiesen beigefügten Bilder seien zudem atypisch für Eisabfall von einem Windrad. „Würde Eis aus 100 Metern oder mehr auf einen hart gefrorenen und für Zwölftonnen-Achslast befestigten Waldweg fallen, würde der Eisbrocken stark zerbersten. Dafür gibt es keine Anzeichen“, sagt Wiemann.

    Dieses Bild des vermeintlichen Wurfgeschosses hat NZ-Leser Andreas Wiesen als Beleg für seine Geschichte mitgeschickt.​
    Dieses Bild des vermeintlichen Wurfgeschosses hat NZ-Leser Andreas Wiesen als Beleg für seine Geschichte mitgeschickt.​

    Der Geres-Chef äußert eine ganz andere Version, was sich womöglich zugetragen hat: „Wir vermuten, dass vor längerer Zeit Eisansatz von Bäumen, aber auch im Zuge des Einsatzes von Blattheizsystemen von den Rotorblättern abgefallen ist und auf den weichen Waldboden mit Schneedecke gefallen ist. Sehr wahrscheinlich sind derartige Stücke dann auf den Weg gelegt worden, und der Wanderer hatte Spaß daran, diese Brocken als Fußballersatz anzusehen und zielgerecht mit dem rechten Vorderfuß ohne Bedacht dagegenzutreten.“ Dennoch nehme Geres den Vorfall zum Anlass, künftig die Rotoren erst parallel zu Wegen auszurichten, bevor die Blattheizungen in Betrieb gehen. So soll Eisabfall in der Nähe von Wegen noch wirksamer vermieden werden. Im Übrigen denke die Firma über zusätzliche Kennzeichnungen nach, um Wanderer besser vor möglichem Eiswurf zu warnen.

     

    Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang auch ein E-Mail-Schriftverkehr zwischen der VG-Verwaltung Birkenfeld und der Firma Geres, der der NZ vorliegt. Wiesen hatte die VG noch am Mittwoch über den Vorfall informiert. Daraufhin hatte sich der für Energiefragen zuständige Sachbearbeiter Herbert Leyser direkt bei der Firma Geres gemeldet. Er bat um Aufklärung und wies darauf hin, dass die Firma dringend eine sichere Regelung für den Betrieb der Anlage finden müsse, ehe es zu größeren Personenschäden komme. Denn der Erzweg sei ein beliebter Wanderweg. Im NZ-Gespräch sagt Leyser, dass es vor dem Geschehen am Mittwoch schon einmal eine Meldung über Eisabfall an der nördlichen Achtelsbacher Anlage gegeben habe. Am Donnerstagmorgen hatte ihm ein Ingenieur der Firma Geres geantwortet, „dass es letzte Woche Störungen an dieser Anlage in Bezug auf das Eiserkennungssystem gab, so offenbar auch gestern“.

    Betreiber: Störung nicht bestätigt

    Wiemann erklärte auf Rückfrage der NZ am Donnerstagmittag zunächst telefonisch, dass erst noch geprüft werden müsse, ob ein Defekt an der Anlage Achtelsbach 2 vorgelegen habe. Die erwähnte Störung in der Vorwoche sei bei einem Rad im benachbarten Windpark Meckenbach aufgetreten – und zwar an einem Rad, dass dort auf einem der Gemeinde gehörenden Grundstück steht. Am Freitag präzisierte der Geres-Chef schriftlich dahin gehend, dass es im Dezember 2016 Spuren von Eisabfall am besagten Rad in Meckenbach gegeben habe. „Dieser Vorfall führte dann zu genauen Überprüfungen und Rekonstruktionen. Die anfangs vermutete Störung wurde jedoch nicht bestätigt. Der Mailaustausch hierzu ist wohl der von Herrn Leyser“, sagt Wiemann. Im Windpark Achtelsbach habe es hingegen keinen Eisansatz gegeben, betonte er nochmals.


     

    Kreisverwaltung empfiehlt: Bei gefahrdrohenden Wetterlagen Windräder meiden

    Die Kreisverwaltung Birkenfeld sieht „keinen Anlass, die Ausführungen des Bürgers, dass es zu Eisabwurf durch eine Windkraftanlage zu bezweifeln“. Die Anlagen in Achtelsbach würden über ein Eiserkennungssystem verfügen. Der Betreiber werde nun durch die Regionalstelle der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord kontaktiert und die Einstellungen des installierten Systems hinterfragt und überprüft, heißt es aus Birkenfeld.

    Für die Warnbeschilderung gibt es laut Aufsichtsbehörden keine verbindlichen Vorgaben. Sie werde individuell vom Betreiber veranlasst und habe zivilrechtliche Gründe. Es sei aber zu erwähnen, dass ein Herabfallen von Eisstücken an still stehenden Windrädern nicht zu vermeiden sei. Deshalb seien die Schilder aufgestellt. „Es wird jedoch zum Teil nicht der Begriff ,Eisabfall‘, sondern ,Eiswurf‘ verwendet. Dies ist in diesem Zusammenhang missverständlich“, betont die Kreisverwaltung. Sie stellt zudem klar: „Bei gefahrdrohenden Wetterlagen sollten sich Spaziergänger nicht im Bereich unter oder in der Nähe von Windenergieanlagen aufhalten.“ ax

     

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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