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  • Zwölfjährigen virtuell missbraucht: Sexualstraftäter muss erneut ins Gefängnis

    Kreis Birkenfeld. Weil er einem Zwölfjährigen pornografische Videos von sich schickte und den Jungen dazu nötigte, ihm ähnliche Aufnahmen von sexuellen Handlungen an sich selbst aufs Handy zu senden, muss ein 48-Jähriger für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

    Von unserem Redakteur Michael Fenstermacher

    Einzelrichter Johannes Pfeifer verurteilte den einschlägig vorbestraften Beschuldigten aus dem südlichen Kreisgebiet am dritten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht Idar-Oberstein zu einer Freiheitsstrafe wegen sexuellen Missbrauchs in Tateinheit mit Besitz von Kinderpornografie. Für die Gesamtstrafe herangezogen wurden außerdem drei Verstöße des Angeklagten gegen ein gerichtlich verhängtes Kontaktverbot zu Kindern und Jugendlichen (die Nahe-Zeitung berichtete).

    Trotz Ansprache Kontakt gesucht

    "Wenn man wie Sie mit einer pädophilen Neigung versehen ist, ist das sicherlich eine Qual, aber von Ihnen als erwachsenem Mann wird erwartet, dass sie diese Neigung nicht ausleben", betonte Richter Pfeifer in seiner Urteilsbegründung. Stattdessen habe der Angeklagte trotz einer Gefährderansprache durch die Polizei und entgegen der Weisung aus einem Urteil des Landgerichts Zweibrücken weiterhin den Kontakt zu Kindern gesucht. Dies gipfelte in dem Austausch der Videos mit dem Jungen, den Pfeifer als virtuellen Missbrauch bezeichnete - einem Vergehen, dem Kinder in den vergangenen Jahren vermehrt ausgesetzt seien. Zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe setzte er als Eingangsstrafe für den Missbrauch an, jeweils sechs Monate für jeden der Verstöße gegen die Weisung.

    Mit der Höhe der Gesamtstrafe folgte Pfeifer dem Antrag der Staatsanwaltschaft. "Was hier ans Licht gekommen ist, war schlimm und hat die Tatvorwürfe nicht nur bestätigt, sondern sogar verstärkt", erklärte deren Vertreter in seinem Plädoyer und spielte damit unter anderem auf den intensiven Kontakt an, den der 48-Jährige zu dem Sohn einer Familie gepflegt hatte, bei der er 2013 für einige Monate eingezogen war.

    Dem Angeklagten hielt er vor, stets bewusst gehandelt, sich gegenüber Kindern als "großer Kumpel" gegeben und die kindliche Neugier ausgenutzt zu haben. Dem hatte der Verteidiger nicht viel entgegenzusetzen und forderte lediglich eine milde Strafe für seinen Mandanten.

    Zuvor hatte der vom Gericht bestellte Sachverständige Dr. Martin Michael, Oberarzt der Psychiatrie am Klinikum Idar-Oberstein, sein psychologisches Gutachten präsentiert und dabei festgestellt, dass eine erhebliche Einschränkung der Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit bei dem Angeklagten nicht vorliegt. Er stellte bei dem Angeklagten eine situative Pädophilie fest, die immer dann in Erscheinung trete, wenn Beziehungen zu erwachsenen Partnern wegbrechen sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung. Diese äußere sich in Zügen von Abhängigkeit, Unreife und dissozialem Verhalten. Diese schweren seelischen Abartigkeiten würden aber nicht zu einer gravierenden Realitätsverzerrung führen. "Sein Verhalten zeigt, dass er es versteht, wenn er unrecht handelt."

    Keine verminderte Schuldfähigkeit

    Das gerichtlich ausgesprochene Kontaktverbot sei außerdem eine unkomplizierte, für den Beschuldigten verständliche Weisung gewesen. Hinweise auf eine Minderung der Schuldfähigkeit hätten sich somit aus der Begutachtung nicht ergeben. Vom Tisch war damit auch die Unterbringung des 48-Jährigen in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt.

    Vom Richter gefragt, ob vom Angeklagten, der sich zuvor bereits zweimal an Kindern vergangen hat, und dafür verurteilt wurde, auch in Zukunft ähnliche Taten zu erwarten seien, erklärte der Gutachter, dies sei in bestimmten Konstellationen nicht unwahrscheinlich. "Ein größeres Risiko besteht vermutlich hinsichtlich des erneuten Ansprechens von Kindern. Dies ist bei dem Angeklagten aber ein Spiel mit dem Feuer, da sich Kontakte zu Kindern bei ihm schnell erotisieren."

    Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ unterdessen das letzte Wort des Angeklagten, indem er zwar seine Taten bedauerte, aber auch die Tatsache, dass er Nachrichten des Zwölfjährigen von seinem Handy löschte. "Sonst wäre klar geworden, von wem das alles ausging", betonte er. "Das bestätigt ihre Unreife. Immer sind bei ihnen andere verantwortlich", hielt ihm Richter Pfeifer vor.

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