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  • Birkenfelder Ehepaar betreibt Waisenhaus in Kenia

    Birkenfeld/Kimweas. Mabel Ngari kommt aus Birkenfeld und arbeitet auf dem Flughafen Hahn als Betriebsrätin. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Allerdings setzt sie sich nicht nur beruflich für andere Menschen ein. Zusammen mit ihrem Mann Peter-John Ngari betreibt sie ein Waisenhaus in Kenia.

    Wenn Mabel Ngari (rechts) das Waisenhaus in Kenia besucht, blickt sie in fröhliche Kinderaugen. der Lohn für ihre Hilfsbereitschaft.
    Wenn Mabel Ngari (rechts) das Waisenhaus in Kenia besucht, blickt sie in fröhliche Kinderaugen. der Lohn für ihre Hilfsbereitschaft.
    Foto: privat

    Birkenfeld/Kimweas - Mabel Ngari kommt aus Birkenfeld und arbeitet auf dem Flughafen Hahn als Betriebsrätin. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Allerdings setzt sie sich nicht nur beruflich für andere Menschen ein. Zusammen mit ihrem Mann Peter-John Ngari betreibt sie ein Waisenhaus in Kenia.

    Mabel Ngari lebt schon lange in Deutschland. In den 1970er-Jahren verließ sie ihr Heimatland Uganda, in dem damals der Diktator Idi Amin sein Unwesen trieb. Damals war sie 26 Jahre. „Ich lebe also schon länger in Deutschland als in Afrika“, sagt die 61-Jährige. Sie hat die Machenschaften Amins kennengelernt und weiß daher nur zu gut, was es heißt, in einem demokratischen Land in Freiheit leben zu können. Aber auch ihr früheres Leben in ihrer afrikanischen Heimat hat Mabel geprägt. Afrika und Deutschland, das sind die zwei Beine, auf denen ihr Leben fußt.

    Schon die Schwiegermutter nahm Waisenkinder auf

    Und als ihre Schwiegermutter Josephine Wambui im hohen Alter von 103 Jahren starb, war die Gelegenheit für Mabel gekommen, ihrem Heimatkontinent Afrika etwas zurückzugeben. Josephine Wambui, die Mutter des mittlerweile im Ruhestand befindlichen Arztes aus Birkenfeld, Peter-John Ngari, äußerte nämlich kurz vor ihrem Tod noch einen Herzenswunsch. Die rüstige Frau hatte über viele Jahre hinweg Waisenkinder bei sich aufgenommen, immer zwei oder drei, und diesen mit ihren bescheidenen Mitteln ein Zuhause geboten. Auf Müllhalden ging sie sammeln, um etwas Verwertbares zu finden. Sie gab den Kindern etwas zu essen, etwas zum Anziehen und ein warmes Herz, bei dem sich die Kinder aufgehoben fühlen konnten, die keine Eltern mehr hatten. Viele Mütter und Väter der Kinder sind an Aids gestorben oder waren verschwunden.

    Was wird aus den Kindern nach meinem Tod?, war Josephine Wambuis Sorge. Ihr Sohn möge sich um die Kinder kümmern, wünschte sich Josephine. Und der wagte 2005 mit seiner Frau den Schritt und baute das Haus seiner Mutter zum Waisenhaus um. Der in Birkenfeld gegründete Verein „Orphan's Hope & Life (Kenya)“ kümmert sich um die Belange des Heims und sorgt für die Finanzierung. Im „Josephine Wambui Orphanage and Rehabilitation Centre“ in Kimweas, am Fuße des Mount Kenia, leben heute 22 Waisen im Alter zwischen 4 und 14 Jahren. Zwei von ihnen sind HIV-positiv. Zwölf Mädchen und zehn Jungen, die alle ein Trauma hinter sich haben. Auch diese Kinder haben jetzt Weihnachten gefeiert. „Aber in Afrika wird Weihnachten nicht so gefeiert wie hier in Deutschland. Das ist schon eher mit Silvester vergleichbar“, sagt Mabel Ngari.

    Zu Weihnachten wurde eine Ziege fürs Festmahl geschlachtet

    Für die Kinder in Kenia haben sie und ihr Mann im vergangenen Monat ihren monatlichen Geldbetrag für das Waisenhaus erhöht, damit die Kinder Weihnachten als etwas Besonderes erleben durften. So konnten sie ganz wie hier in Deutschland auch ein festliches Essen genießen und sich etwas Schönes anziehen. Ein Festessen, bei dem auch Fleisch gereicht wird, denn Weihnachten wird eine Ziege geschlachtet. Und zum Frühstück gibt's sogar Brot. Eier, Kuchen und Kekse – unsere Supermärkten sind damit voll, im Kinderheim in Kenia werden damit Kinderaugen zum Leuchten gebracht.

    Auch wenn Mabel Ngari und ihr Mann zu Weihnachten mehr Geld schicken – es langt hinten und vorne nicht. 1100 Euro pro Monat für die 22 Kinder müssen reichen „für das Tägliche“, sagt Mabel. Davon müssen Essen und Trinken, Kleidung und auch die Bezahlung der Betreuer bestritten werden. „Das ist schon eine Verantwortung, denn unser Verein braucht einen konstanten Geldzufluss. Aber wenn ich die Kinder besuche und sie lachen, singen und spielen sehe, dann denke ich: Ja, es war richtig, das Waisenhaus zu gründen“, sagt Mabel.

    Auch wenn sie in Deutschland nach der Flucht vor Idi Amin die Sicherheit einer Demokratie und ein anderes Leben kennengelernt hat, auf das sie nicht mehr verzichten will: Das einfache Leben der Kinder in Afrika ist ihr ebenso wichtig: „Ich bin so geworden, wie ich bin, weil ich beide Seiten kenne. Hier gibt es alles im Überfluss. Ich habe zum Beispiel, seit wir das Waisenhaus betreiben, ein anderes Verhältnis zum Geldausgeben bekommen. Es gibt Sachen, die werden unwichtig. Die Kinder sollen eine Hoffnung im Leben haben.“

    Von Thomas Torkler

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