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  • 22. Jazztage: Künstler wärmten die Seelen

    Idar on Fire: Das galt für die Musik, vor allem am Freitag und am Samstag weniger fürs Wetter.

    Nass wurde es nicht, da hatten die Jazztagemacher am Freitagabend mächtig Glück. Aber recht kühl war es, was offenbar doch dafür sorgte, dass sich das übliche Gedränge in der Fußgängerzone im Rahmen hielt.

    Strahlender Sonnenschein dann zum Finale am Sonntag: Schöner hätte der Abschluss der Festivaltage nicht sein können.

    Am Ende war es aber auch am Freitagabend mit einer Ausnahme vor allen Bühnen richtig voll, und diese Ausnahme war leider ausgerechnet die Hauptbühne auf dem Schleiferplatz, wo die Künstler bei ihrem Auftritt fast durchgängig auf leere Bankreihen starren mussten.

    Das lag allerdings nicht an der musikalischen Qualität, die an diesem Abend durchgängig gut bis fantastisch war, sondern wohl vor allem wohl daran, dass die Musik auf dem Schleiferplatz nicht so ganz massentauglich war. Sehr speziell war schon die Mischung aus bajuwarischer Volksmusik und oftmals orientalisch inspirierter Weltmusik, die das Ehepaar Himpsl samt Söhnen und Gastmusikern präsentierte. Deftig bis mitreißend und vor allem in dieser Kombination noch nie gehört, war Chris Kramers Beat‘n’Blues, wobei vor allem Beatboxer Kevin O'Neal Weltklasse war, mit geschlossenen Augen wäre wohl jeder überzeugt gewesen, dass dort auf der Bühne ein richtiges Schlagzeug steht und gespielt wird.

    Draht zum Publikum

    Richtig klasse waren die beiden Gruppen am Maler-Wild-Platz, zunächst überzeugte Filigranschlagzeugerin Eve Kleese, die mit ihren drei Mitmusikern meist sanften, aber immer auch groovigen und treibenden Modern Jazz präsentierte. Wesentlich rhythmusbetonter und kraftvoller im Anschluss die Gruppe Three Falls, die mittels elektronischer Overdubtechniken mit Posaune, Bassklarinette und Saxofon den Sound eines ganzen Orchesters herbeizauberten, wobei es dann bei aller technischen Raffinesse vor allem die sympathische Sängerin Melane Nkounkolo war, die den Draht zum Publikum herstellte. An die musikalisch besten Zeiten von Joe Cocker, in denen dieser zwischen Genie und Totalabsturz pendelte, fühlte man sich bei dem Auftritt von Mario Götz erinnert, der dem großen Briten auch in seinen Bewegungsabläufen bisweilen erstaunlichen nahekam. Auf jeden Fall bot Peter Götzmann’s Jazz-Hop-Rhythm in der Hofbühne einen richtig gut abgehenden Mix.

    Bestens bedient wurden in diesem Jahr die Freunde des Oldtime Jazz an der oberen Hauptstraße, wo die Spieler der Palatina Washboard Jassband zwar fast so alt waren wie die Titel, die sie präsentierten, dafür aber mit sehr viel Schwung, Präzision und Klarheit überzeugten und ein begeistertes Publikum fanden. Musikalisch nicht unbedingt innovativ, aber instrumental und gesanglich überzeugend und vor allem überaus partytauglich zeigte sich die Dynamite Funk Society aus Trier vor dem Café Eckstein. Und hier ging tatsächlich so richtig die Party ab.

    Nach und nach füllte sich die Fußgängerzone auch am Samstagabend: The Tibbs – 2012 in Amsterdam gegründet – brachten Retro-Soul und Funk auf den Schleiferplatz. Allen voran Sängerin Elsa Bekman mit ihrer einzigartig rauen Stimme, die an Amy Winehouse, Duffy und Janis Joplin erinnerte, glänzte und bot eine hochprofesssionelle Show. Die Band steht für die goldene Ära des Soul und des Motwon-Sounds, der gut ankam. Energiegeladen, nicht aufdringlich, ein bisschen sinnlich: Das passte zur eher lockeren Atmosphäre auf dem Schleiferplatz, die davon geprägt ist, nicht nur das Bühnengeschehen im Blick zu haben, sondern zu plaudern und das kulinarische Angebot zu nutzen.

    Altmeister am Werk

    Mit 87 Jahren gibt es keine Zwänge mehr, auch beweisen muss man nichts: Mit Lässigkeit und Leichtigkeit setzte die europäische Jazz-Legende Rolf Kühn auf dem Maler-Wild-Platz Akzente. Der Bläservirtuose gilt als Meister des Bebop, Cool und Free Jazz, was aber im Grunde nichts heißt: Er spielt mit Formen, Klangfarben, Stilrichtungen, wie es ihm gefällt. Mit seiner Band Unit überwindet der Grandseigneur des feinsinnigen Jazz alle Grenzen und zeigte sich auch in Idar-Oberstein hochmotiviert und abenteuerlustig. „Das Gegenteil von routiniert-hausbackenem Jazz“, schrieb ein Jazzmagazin vor einiger Zeit. Da kann man nur zustimmen. Dass hier ein ganz Großer seiner Kunst am Werk war, merkten auch Laien im Publikum. Einigen waren die Töne allerdings ein bisschen zu schräg. Andere erwarten genau das von den Jazztagen, die ihrem Namen wieder einmal alle Ehre machten.

    Auf der Hofbühne waren Kick Back zugange und unterhielten ihr Publikum mit Jazz- und Bluesstandards, die je nach Laune variiert werden. Boogie-Woogie, Blues und Jazz hatte das Luca-Sestak-Duo im Gepäck. Luca Sestak, klassisch ausgebildeter Pianist, ist ein Meister im Vermischen der Stilrichtungen: Elemente des Blues, Jazz, und Boogie-Woogie wurden mit Musikrichtungen wie Pop, Funk und Klassik kombiniert. Mal gefühlvoll, mal wild: Gemeinsam mit Johannes Niklas am Schlagzeug wurde das Programm abgerundet.

    Erneut Partyzeit am „Eckstein“: Die Soulfamily ließ das jüngere Publikum zu Soulklassikern und Disco-Funk feiern und zum Teil auch mitsingen. Aber auch neuere Hits fehlten nicht. Eine prima Alternative für all jene, die mal eine Pause vom Jazz wollten.

    Zu späterer Stunde lieferten Chacán, eine der erfolgreichsten Salsa-Bands der Rhein-Main-Szene, auf dem Schleiferplatz heißen Salsa, der die Füße noch einmal in Bewegung brachte. Wer da nicht mitwippt, tanzt und tänzelt …

    Zeitgleich gab es dazu noch eine echte Alternative auf dem Maler-Wild-Platz. Holler my Dear aus Berlin lieferten Akustik-Pop, Swing und Funk als seelenerwärmendes Betthupferl. Das war poppig, modern, ungewöhnlich, mal melancholisch, mal herrlich-verrückt, woran die charismatische Sängerin Laura Winkler einen Riesenanteil hatte. Für manche waren Holler my Dear einer der Höhepunkte der Jazztage.

    Das Programm am Sonntag: 14.30 Uhr Les Brünettes (A-cappella-Jazz, Pop, Chanson), Schleiferplatz; 15 Uhr Whiskydenker (Swing), obere Fußgängerzone; 15.30 Uhr Luca Sestak Duo (Boogie-Woogie, Blues, Jazz), Hofbühne; 16 Uhr Stephan-Max Wirth Experience (Modern Jazz, Rock, Pop), Maler-Wild-Platz; 17.15 Uhr Golden Swing Big Band feat. Ully Mathias (Swing, Latin, Jazzrock), Schleiferplatz. 

    Zudem haben die Geschäfte in Idar am Sonntag geöffnet.

    Von Vera Müller und Jörg Staiber

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