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    ZellZoff in Zell: Zwei Werbetafeln entzweien den Stadtrat

    Eigentlich geht es "nur" um zwei Werbetafeln, die der Gewerbeverein Zell seit 15 Jahren betreibt. Für den Zeller Stadtrat und für Stadtbürgermeister Hans Schwarz geht es um mehr, um die Gretchenfrage: Darf der Gewerbeverein auf städtischem Grund Werbung betreiben, ohne Pacht dafür zu bezahlen? Seit Monaten schwärt die Debatte, ist ein stadtweites Politikum, vergiftet die Atmosphäre zwischen Gewerbeverein und Stadt. Jetzt hat der Stadtrat nach einer teils emotional geführten Sitzung einen Schlussstrich gezogen. Er folgte dem Antrag der Verwaltung, demzufolge die Tafeln bis zum 31. Dezember mitsamt den Fundamenten auf Kosten des Gewerbevereins abgerissen werden müssen.

    Die Werbeanlagen müssen weg: Das hat der Zeller Stadtrat so entschieden. Fotos: Peter Scherer
    Die Werbeanlagen müssen weg: Das hat der Zeller Stadtrat so entschieden. Fotos: Peter Scherer
    Foto: Peter Scherer

    Von Thomas Brost

    Acht CDU-Ratsmitglieder plus Stadtvorstand stimmten dafür, Joachim Lay (CDU) dagegen. Zwei FWG-Ratsmitglieder und Hermann Deisen (SPD) enthielten sich. Zu diesem Zeitpunkt hatte Jutta Koch (FWG) die Sitzung bereits schimpfend verlassen.

    Die Tafeln haben eine lange Vorgeschichte. Im Jahr 1998 waren sie errichtet worden, um am Barl für den schwächelnden Einzelhandel in der Altstadt zu werben. Bezahlt vom Globus, kümmerte sich von 2001 an der Gewerbeverein um den Betrieb der Anlagen, zuletzt die Firma von Arne Houben. Als im Sommer dieses Jahres der Landesrechnungshof monierte, dass die Stadt Zell zu wenig Einnahmen erwirtschafte, gerieten die Werbetafeln in den Fokus. Der von der Stadt beauftragte Rechtsanwalt kam gar zu dem Schluss, dass die Stadt Zell nicht nur Eigentümerin der Grundstücke, sondern auch der "fest mit ihnen verbundenen Anlagen" sei. Zudem fehle eine Baugenehmigung bis heute. Die Stadt wolle jetzt aber Pachtgeld haben.

    Seither haben Schreiben zwischen Stadt, Gewerbeverein und Rechtsanwalt "ganze Aktenordner gefüllt", wie es CDU-Fraktionschef Lothar Bremm formulierte. Es sei aber der direkte Gesprächsfaden gerissen. Bis zur Ratssitzung habe der Gewerbeverein trotz Aufforderung kein Schriftstück beibringen können, in dem von einem Kompromiss die Rede hätte sein können. Hans Schwarz formulierte es schärfer: "Im Grunde genommen wollte der Gewerbeverein keine Einigung. Es ging nur um persönliche Eitelkeiten und ums Gewinnstreben eines Einzelnen." Vorschläge der Stadtverwaltung seien abgelehnt worden.

    Joachim Lay (CDU) sagte, dass es im Interesse beider Seiten liege, eine Einigung zu finden. Es seien bislang nie ernsthafte Verhandlungen geführt worden. "Die eine Seite lieferte das Pulver, die andere feuerte", so Lay. Man könne die fehlende Baugenehmigung nachträglich einholen und sich dann über die Nutzung unterhalten. Lay: "In dieser Geschichte liegt mein Herzblut." Er scheiterte deutlich mit dem Antrag, das Thema vertagen zu lassen. Ebenso wenig ging ein Antrag von Johannes Hallebach (FWG) durch, die Baugenehmigung abzuwarten und dann über die Pacht zu sprechen. Kein Gehör fand auch Bürgermeister Karl Heinz Simon. Er regte an, Landrat Manfred Schnur als Mediator einzuschalten.

    In einer zehnminutigen Sitzungsunterbrechung rang die CDU-Fraktion heftig über den Kurs - Stadt- und Fraktionschef setzten sich durch. Daraufhin packte die frühere Gewerbevereinsvorsitzende Jutta Koch ("ich bin entsetzt, was hier abgeht") ihre Sachen und verließ den Rat. Gleichfalls stand Karlheinz Kirch, der Gewerbevereinschef, aus dem Zuschauerraum auf und verließ ("pfui!") den Saal.

    Stadtchef Schwarz sagte, man müsse zu einem Ende kommen. Er wähne die Thematik ohnehin nur als Instrument. "Das geht gegen meine Person, und das ist unfair."

    Cochem Zell
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