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    ZellZeller Rat hält neuen Notdienst für "unzumutbar"

    Alarmierend schlecht findet der Rat der Verbandsgemeinde Zell die Neuregelung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes im Kreis. Sie sei für viele Einwohner schlicht "unzumutbar", heißt es in einer Resulution an die Kassenärztliche Vereinigung.

    Von unserem David Ditzer

    Zur Attacke auf das seit Mitte Oktober geltende System des ärztlichen Bereitschaftsdienstes bläst der Rat der Verbandsgemeinde (VG) Zell: Einstimmig haben dessen Mitglieder am Mittwoch im Sitzungssaal der Verwaltung eine Resolution an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz verabschiedet. Darin fordern sie, dass eine zweite Bereitschaftsdienstzentrale (BDZ) am Zeller St.-Josef-Krankenhaus entsteht. Alternativ solle die KV zur vorherigen Praxis eines dezentral organisierten Dienstes zurückehren. Für viele Einwohner der VG Zell sei es ob großer Entfernungen "unzumutbar", an Wochenenden im Falle einer Krankheit immer auf die Hilfe der BDZ am Krankenhaus in Cochem angewiesen zu sein.

    Weit ist wochenends für viele der Weg zum Arzt

    Rund 40 Kilometer trennen die Moselgemeinde Pünderich vom Cochemer Marienkrankenhaus, 35 sind es im Falle des Hunsrückdorfes Peterswald-Löffelscheid. Doch wer aus diesen Dörfern an Wochenenden oder zwischen mittwochs um 14 Uhr und donnerstags um 7 Uhr ärztliche Hilfe braucht, muss diese Entfernungen zurücklegen. Oder er muss warten, bis der Fahrdienst der BDZ in Cochem sie zurückgelegt hat. Es sei denn, es handelt sich um einen Notfall. Seit dem 16. Oktober sind Ärzte der Cochemer BDZ für die meisten Einwohner des Kreises zuständig (die RZ berichtete). So will es die KV - nach eigenem Bekunden vornehmlich aus zwei Gründen:

    1. Sie will dem drohenden Ärztemangel auf dem Land entgegenwirken. Die neue BDZ soll die Ärzteschaft im Kreis entlasten, weil sie's ermöglicht, dass der einzelne Arzt seltener am Wochenende arbeiten muss.

    2. Patienten sollen eine zentrale Anlaufstelle haben, damit sie nicht erst in Amtsblättern nachschauen müssen, welcher Arzt mittwochs nachmittags und an Wochenenden Dienst hat. Außerhalb der Sprechzeiten sollen die Menschen flächendeckend medizinisch versorgt sein. Deshalb befinden sich alle Bereitschaftsdienstzentralen in Trägerschaft der KV.

    Widerstand regt sich auch andernorts

    Gegen das BDZ-System und einzelne Gebietszuschnitte regt sich schon länger Widerstand im Land. Karl Heinz Simon (SPD), Bürgermeister der VG Zell, unterstrich vor den Ratsmitgliedern: "Es wird in Adenau in der Eifel genauso heftig diskutiert wie in Hermeskeil im Hunsrück." In Arztpraxen der VG Zell trügen sich Patienten in Unterschriftenlisten gegen das neue BDZ-System ein. Es verschlechtere die ärztliche Versorgung in nicht hinnehmbarer Weise, so Simon.

    Der Blankenrather Arzt Dr. Hans-Georg Schuh, für die FDP im Rat, pflichtete ihm bei. Viele Patienten litten unter der neuen Notdienstregelung. Sie müssten im Krankheitszustand lange Anfahrtswege in Kauf nehmen. Er selbst habe kürzlich in der BDZ Dienst gehabt, erzählte Schuh. Es gebe dort einen Arzt im Sitz- und einen im Fahrdienst. "Ich hatte Fahrdienst und musste für sechs Hausbesuche 400 Kilometer fahren." Auf Schuhs Anregung hin ergänzte VG-Chef Simon die zur Debatte stehende Resolution. Denn der Mediziner argumentierte wie die KV: "Eine zweite Notdienstzentrale im Krankenhaus Zell wäre von der Kostenseite her nicht zu realisieren." Man solle stattdessen einfach zur alten Notdienstregelung zurückkehren.

    KV bügelt Bitten um öffentliche Diskussion ab

    Schon zwei Mal - vor der Ratssitzung vom 18. September und Anfang November - hatte Simon ein Vertreter der KV zu einer Aussprache im Rat eingeladen. In beiden Fällen erfolgte die Absage wegen Terminproblemen zügig. Nur ein Erörterungsgespräch in der Zeller Verwaltung mit Vertretern der KV kam zustande, doch bitte ohne Öffentlichkeit, insistierte die KV.

    Dass es die KV noch nicht einmal für nötig halte, "Ausreden für ihr Nichterscheinen erfinden zu müssen", zeige, "mit was für Leuten wir es hier zu tun haben", griff Matthias Müller (FWG) die Funktionäre scharf an. Walter Justen (SPD) nannte das Handeln der KV gar "falsch, gefährlich und leichtsinnig". Dem und der Resolution sei nichts hinzuzufügen, befand CDU-Sprecher Karl-Otto Gippert.

    RZ-Kommentar: Das Verhalten der KV ist empörend
    Cochem Zell
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