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    Cochem/KoblenzVom Außenseiter zum Straftäter: 21-Jähriger gesteht Überfall auf Cochemer Tankstelle

    Landgerichts-Prozess um den Überfall auf Cochemer Shell-Tankstelle: Seine Mutter war außer Haus, er saß in seinem Zimmer am Computer, trank Bier und Wein - wie er es seit Monaten fast täglich tat, wie immer allein. Doch anders als die Tage zuvor endete jener Februarabend für den 21-Jährigen in Handschellen.

    Foto: dpa​

    Foto: dpa​

     Denn um 21.40 Uhr stürmte er die Shell-Tankstelle in der Moselstraße und bedrohte die Angestellte mit einem Brotmesser. Der junge Mann forderte die Frau auf, die Kasse zu leeren. Sie entgegnete ihm, dass dies nicht möglich sei. So ließ er von ihr ab, schnappte sich am Ausgang noch zwei Wodkaflaschen und drohte der Frau abschließend: "Wehe, wenn du was sagst!" Fünf Minuten später nahm ihn die Polizei fest.

    So hat es der 21-Jährige jetzt zum Prozessauftakt geschildert und damit die Vorwürfe der Anklage gestanden.In seinem türkisblauen Kapuzenpullover, mit der rechteckigen Brille und dem akkurat zur Seite gekämmten Scheitel erinnert der junge Mann an einen IT-Fachmann. Seit Juni 2016 ist er in der Jugendstrafanstalt (JSA) Schifferstadt inhaftiert. Denn im Frühsommer ergaben Ermittlungen der Polizei: Der 21-Jährige überfiel nicht nur die Shell-Tankstelle, sondern brach zuvor in mehrere Gebäude ein, beschädigte Autos - und verursachte dadurch einen Gesamtschaden von mehr als 1000 Euro.

    Jetzt beschrieb der Cochemer vor Gericht sein Abgleiten vom Gymnasiasten zum Straftäter: In der 11. Klasse verliert er in der Schule den Anschluss, hat niemanden zum Reden, verbringt die Pausen allein. In seiner Freizeit zieht er sich in sein Zimmer zurück, zockt Computerspiele - und greift immer öfter zur Flasche.

    Zuletzt kippt er seinen eigenen Angaben nach täglich sieben bis acht Dosen Bier und ein bis zwei Flaschen Wein in sich rein. Mit 18 schmeißt er die Schule. Seine Mutter schickt ihn zur Entgiftung. Psychologen diagnostizieren eine Depression. Von da an verschreibt ihm seine Hausärztin Psychopharmaka. Im Sommer 2015 geht er wieder zur Schule. Doch mischt er auch weiterhin Alkohol mit Tabletten und fristet ein isoliertes Dasein vor seinem Computer.

    In einer Septembernacht 2015 bricht er in ein Eiscafé ein, stiehlt dort zwei Messer, eine Gartenschere und eine Flasche Öl. Wieso er das gemacht habe, wollte der Vorsitzende Richter Andreas Groß jetzt wissen. Die Antwort: "Ich weiß es nicht." In derselben Nacht tritt er die Glastür seines ehemaligen Gymnasiums ein, streunt durch die Schulgänge. Warum? "Ich weiß es nicht." Anschließend kloppt er auf einem Parkplatz bei insgesamt elf Autos die Außenspiegel ab. Warum? "Ich weiß es nicht."

    Vor Gericht entschuldigte sich der Cochemer bei der Tankstellenmitarbeiterin: "Ich wollte sie mit dem Messer wirklich nie verletzen!" Die Frau nahm die Entschuldigung an. Der Richter fragte den Mann, wie er in der JSA klarkomme. Seine Antwort: sehr gut. Er gehe einer regelmäßigen Arbeit nach, habe die Antidepressiva abgesetzt und fühle sich viel besser, als zuvor. Auf Anregung seines Anwalts Philipp Grassl ist zum nächsten Dienstag ein Psychologe der JSA als Zeuge geladen. Dann wird der Prozess fortgesetzt.

    Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

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