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    CochemUnfall provoziert: Musste ein Moselaner vor Bikern flüchten?

    Gegen eine Zahlung von 2500 Euro hat das Cochemer Amtsgericht ein Verfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs gegen einen 70-jährigen Moselaner eingestellt. Dem Mann wurde seitens der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, mehrfach versucht zu haben, Motorradfahrer beim Überholen zu behindern und mit einer Vollbremsung einen Unfall provoziert zu haben. Doch nach der Verhandlung in Cochem lässt sich kaum noch entscheiden, wer in diesem Fall Opfer und wer Täter ist.

    Symbolfoto.
    Symbolfoto.
    Foto: picture alliance / dpa

    Im September vergangenen Jahres fährt ein Handwerker auf der Landesstraße 199 aus dem Hunsrück in Richtung Zell-Merl. Eine Gruppe Motorradfahrer will überholen. Laut Anklage zieht der Mercedesfahrer während der Überholversuche der Biker mehrfach nach links, um dies zu verhindern. „Das hätte uns das Leben kosten können“, sagt einer der Betroffenen später als Zeuge vor Gericht. Der Angeklagte widerspricht: „Ich habe nie bewusst jemanden in Gefahr gebracht.“ Der 70-Jährige habe sich erschreckt, als einer der Motorradfahrer zu einem gefährlichen Manöver ansetzt. Er sei empört gewesen und habe auch mit auffälligen Gesten auf die Geschwindigkeitsbegrenzung hingewiesen.

    Am Ende der kurvigen Strecke halten Auto- und Motorradfahrer an, es kommt zu einem Streitgespräch. Laut dem Angeklagten fallen heftige Schimpfworte. Die Beteiligten fahren weiter, der nächste Stopp ist das Wohnhaus des 70-Jährigen. Dieser beteuert, dass er von den Motorradfahrern vor seiner Garage eingekeilt wird und einer der Biker gegen seine Motorhaube und das Seitenfenster schlägt. Er fühlt sich bedroht, „die wollten mich lynchen“. In Panik drückt er aufs Gas und flüchtet vor der Gruppe Dortmunder Busfahrer. Dabei streift er offenbar mit seinem Außenspiegel den Lenker eines der Motorräder. Der Fahrer nimmt die Verfolgung mit seiner 130-PS-Maschine auf. Wenig später bremst der Handwerker ab und fährt in eine schmale Gasse. Für seinen vermeintlichen Verfolger ist die Sache klar, die „Vollbremsung“ gilt ihm. Es hebt den Motorradfahrer aus seinem Sitz, er prallt mit dem Oberkörper auf die Frontscheibe seiner Maschine und zieht sich Prellungen zu. Der Moselaner fährt weiter, sein Ziel ist die Polizei – ein sicherer Hafen.

    Angeklagter und Zeuge streiten die jeweiligen Vorwürfe ab. Wer ist das Opfer? Das bleibt ungeklärt. Schon nach der Aussage des 70-jährigen Angeklagten deutet Staatsanwältin Gamze Tülü an, dass für sie auch eine vorläufige Einstellung des Verfahrens in Betracht kommt. „Er scheint ja kein Verkehrsrowdy zu sein“, sagt die Juristin. Offenbar gibt es Zweifel an beiden Geschichten.

    Nach einer Unterbrechung macht Richter Gerald Michel das Angebot, das Verfahren gegen eine Geldzahlung von 2500 Euro vorläufig einzustellen. Der Angeklagte geht darauf ein, sein Verteidiger Karlheinz Kirch bemerkt allerdings, dass die Version seines Mandanten durchaus belegt werden könne. „Das müssen wir nicht unbedingt aufklären, weil es in dieser Sache nicht weiterhilft“, sagt Richter Michel. Denn: „Wenn Sie unvermittelt stark bremsen, auch wenn dies in Panik geschieht, ist das nicht in Ordnung. Das ist fahrlässig“, begründet der Richter die Entscheidung. Nach der Verkündung muss der Amtsrichter noch den Motorradfahrer zurechtweisen, der abfällig reagiert. „Ihre Überheblichkeit kann ich hier nicht dulden“, sagt Michel.

    Von unserem Redakteur Kevin Rühle

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