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    Cochem-ZellRegion bald unterversorgt? Apotheker bangen um ihre Existenz

    Die Apotheker im Landkreis sind in Sorge. Der Grund: Gemäß der jüngsten Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes soll die in Deutschland geltende Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel gekippt werden.

    Ingmar Bartz betreibt Apotheken in Blankenrath, Traben-Trarbach und Sohren. Er sagt, wenn die Politik nichts an der Situation ändert, sieht er schwarz für die Versorgung im ländlichen Bereich.
    Ingmar Bartz betreibt Apotheken in Blankenrath, Traben-Trarbach und Sohren. Er sagt, wenn die Politik nichts an der Situation ändert, sieht er schwarz für die Versorgung im ländlichen Bereich.
    Foto: Christoph Bröder

    Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Platten-Wirtz

    Und zwar für Versandapotheken aus dem europäischen Ausland. Während deutsche Apotheken sich weiterhin an die geltenden Gesetzmäßigkeiten halten müssen. "Das kann verheerende Folgen nach sich ziehen", beklagt Ingmar Bartz, der Apotheken in Blankenrath, Sohren und Traben-Trarbach betreibt. "Zumal die Preisbindung ja eher dem Schutz der Patienten dient", so Bartz weiter.

    Im Klartext bedeutet das, dass Kunden in Zukunft verschreibungspflichtige Medikamente möglicherweise billiger aus dem Ausland beziehen können, die Apotheke vor Ort aber keine Rabatte gewähren darf. Das ist ein unfairer Wettbewerb, die Apotheker im Landkreis sind sich einig: Das muss unterbunden werden. Da ein Preiskampf um rezeptpflichtige Medikamente nur zulasten der Patienten gehen kann. "Gerade Landapotheken befinden sich in einer extrem schwierigen Situation", sagt Bartz. Rund 80 Prozent des Umsatzes werden mit rezeptpflichtigen Arzneien erwirtschaftet. Falls dieser Einkommenszweig wegfällt, bedeutet das für kleine Apotheken wohl zwangsläufig das Aus.

    "Das Bundesgesundheitsministerium hat zwar reagiert und denkt darüber nach, den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten komplett zu verbieten. Aber bis es soweit ist, kann es für viele schon zu spät sein", mutmaßt Bartz. Glaubt man den Prognosen, könnten rund 20 bis 30 Prozent der Apotheken von einer drohenden Schließung betroffen sein. Das wären auf den Landkreis Cochem-Zell gesehen drei bis vier Arzneimittelversorger weniger. Damit wäre die flächendeckende Versorgung gefährdet. Derzeit leistet jede der 17 Apotheken im Landkreis rund 120 Notdienste im Jahr.

    Sabine Lorenz, Chefin der Rochus-Apotheke in Lutzerath, hat die Konsequenzen des Gerichtsentscheides bisher noch nicht zu spüren bekommen. "Wenn aber viele davon Gebrauch machen, dann wird es für uns eng", sagt sie. Alle Apotheken betreiben eine Mischkalkulation, erklärt Lorenz. Die Festpreise dienen als Grundlage dazu. Nur so können Serviceleistungen wie die Herstellung individueller Rezepturen, die mit einem hohen Personalaufwand verbunden sind, sowie der gern in Anspruch genommene Botendienst, der einen Großteil der Grundversorgung ausmacht, erbracht werden. "Außerdem", so Lorenz weiter, "sind Preisnachlässe, auch wenn sie für den Kunden erst einmal verlockend klingen, am Ende eher kritisch zu betrachten." Denn Preisbindung bedeute nicht unbedingt, dass die Medikamente teurer sind. Im Gegenteil. Der Festpreis schütze den Patienten sogar davor, über den Tisch gezogen zu werden. Beispielsweise im Fall einer Grippewelle, wenn der Impfstoff knapp zu werden droht.

    Für die heimischen Apotheker liegen die Vorteile der Präsenzapotheken vor Ort auf der Hand. Denn diese zeichnen sich ihrer Meinung durch Schnelligkeit und gute Beratung aus. "Im Notfall will der Patient, der sonst im Internet bestellt, ja nicht tagelang auf seine Medizin warten. Dann soll die Apotheke vor Ort schnell liefern", erklären alle einstimmig. Apotheken seien zudem nicht bloß Arzneimittelausgabestellen, sondern auch zur eingehenden Beratung verpflichtet. Eine Leistung, die Versandapotheken in der Form gar nicht leisten können, meinen die Fachleute. "Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes hat von daher eine gravierende Tragweite", findet Martin Salzmann. Der Apotheker aus Zell ärgert sich über den unfairen Wettbewerb. "Hier wird versucht ein funktionierendes System kaputtzumachen, sagt er. Während ausländische Versandapotheken sich mit chronisch Kranken, die regelmäßig Medikamente brauchen, sozusagen die Rosinen aus dem Kuchen picken, zahlen deutsche Apotheken in puncto Rezepturen, Not- und Botendienste und der Ausbildung von pharmazeutischem Personal drauf.

    Um die Patienten eingehend über den Sachverhalt zu informieren, verteilt der Zeller Apotheker an seine Kunden Informationsblätter. Salzmann: "Die Leute sollen nicht denken, wir jammern auf hohem Niveau, sondern selbst erkennen, dass die Folgen den Patienten selbst am meisten schaden."

    Cochem Zell
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