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    CochemPhysiker in Cochem: Ohne Einstein gäbe es kein Navi

    Längst liegt die Geschichte des Universums für Astronomen, Physiker und andere Forscher nicht mehr völlig im Dunkeln. Prof. Thomas Hebbeker von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen brachte jetzt einige Botschaften aus dem Universum mit ins Cochemer Kulturzentrum Kapuzinerkloster. Sein anschaulicher, verständlicher Vortrag war Teil einer Fachtagung, die 70 renommierte Physiker aus aller Welt bestritten.

    Zwei Physiker, ein Stadtchef: Wolfgang Lambertz (Mitte) begrüßt die Professoren Thomas Bretz (links) und Thomas Hebbeker in Cochem.
    Zwei Physiker, ein Stadtchef: Wolfgang Lambertz (Mitte) begrüßt die Professoren Thomas Bretz (links) und Thomas Hebbeker in Cochem.
    Foto: David Ditzer

    Von unserem Redakteur David Ditzer

    Sein Fachgebiet ist "für viele Leute extrem weit weg", dessen ist sich Thomas Bretz, der Cochemer Wurzeln hat (siehe Kasten), durchaus bewusst. Doch der Professor für experimentelle Astroteilchenphysik, weiß auch: "Wenn Albert Einstein die Relativitätstheorie nicht entwickelt hätte, würde heute kein Navigationsgerät funktionieren." Deshalb kann man unter Umständen erst in 100 Jahren sagen, was die Grundlagenforschung, die seine Kollegen und er betreiben, der Menschheit bringt.

    Bretz hat Fachleute aus Japan, Indien, den USA und vielen anderen Ländern für eine mehrtägige Fachtagung an die Mosel gelotst. Thema: das nicht thermische Universum, Tagungssprache: Englisch. Vom Expertenwissen zu dem letztlich spannenden, nach Abenteuer und unendlichen Weiten klingenden Sujet, sollten auch Laien profitieren. Dieser Meinung war Cochems Stadtchef Wolfgang Lambertz. In Absprache mit Bretz kam so Thomas Hebbeker für einen populärwissenschaftlichen Vortrag nach Cochem. Der Experimentalphysiker gab nachvollziehbar und mit Humor gewürzt Einblicke in das, was Forscher wie ihn umtreibt. Beispiele in Auszügen:

    Exoplaneten: In Form von Licht und anderer Strahlung bekommen Astronomen täglich "viele Informationen aus dem Weltall", deshalb wissen sie viel über den Kosmos. Oft resultiert dieses Wissen daraus, dass man aus Beobachtungen Rückschlüsse zieht. Beispiele dafür sind der Merkurtransit vom 9. Mai dieses Jahres oder der Venustransit vom 6. Juni 2012. Ziehen diese Planten an der Sonne vorüber, kommt zeitweise messbar weniger Licht auf der Erde an. So verhält sich das auch in anderen Sonnensystem. "Indem man Sterne lange Zeit beobachtet", kann man also "indirekt Planeten sehen", die um andere Sterne kreisen, sogenannte Exoplaneten, so Hebbeker. Wiederholt sich nämlich die gleiche Verdunklung periodisch, weiß man, das kann nur ein Planet sein, der zu "klein und leuchtschwach" ist, um ihn direkt beobachten zu können. Mehr als 3000 Exoplaneten hat man auf diese Art schon im Universum entdeckt, dessen sichtbarer Teil aus schätzungsweise 100 Milliarden Galaxien besteht.

    Schwarze Löcher: Man kann sie nicht sehen, "weil das Licht nicht mehr wegkommt", dennoch "haben wir sehr gute Hinweise, dass es schwarze Löcher gibt". Es sind starke Schwerefelder, um die ganze Galaxien kreisen. Mit einer Geschwindigkeit von 11,2 Kilometern pro Sekunde müsste man Münchhausen auf einer Kanonenkugel von der Erde wegschießen, damit er nicht zurückkäme, so Hebbeker. Presste man den Erdradius bei gleicher Masse auf 9 Millimeter zusammen, brauchte man eine Geschwindigkeit von 300 000 Kilometern pro Sekunde (Lichtgeschwindigkeit), verdeutlicht Hebbeker mithilfe eines Gedanken- und Rechenspiels.

    Nicht sicht-, wohl aber messbar sind Gravitationswellen. Albert Einstein sagte deren Existenz schon 1916 vorher. Nachgewiesen wurden sie erst Anfang dieses Jahres mittels gigantischer Interferometer (Ligo), die in den USA stehen. "Jede beschleunigte Masse erzeugt Gravitationswellen", sagte Hebbeker und sprang von seinem Rednerpult auf den Boden. Nur: "Jede irdische Quelle ist zu schwach, um Gravitationswellen nachweisen zu können." Quelle der gemessenen Welle war wohl das Verschmelzen zweier schwarzer Löcher.

    Exitus der Sonne: Unsere Sonne, ungefähr 5 Milliarden Jahre alt, wird zugrunde gehen, konstatierte Hebbeker auf Nachfrage aus dem Publikum. Das dauere allerdings noch einmal circa 5 Milliarden Jahre. "Wir arbeiten zeitgleich ja auch daran, uns zugrunde zu richten, mal sehen, wer schneller ist", merkte der Wissenschaftler an.

    Cochem Zell
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