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  • Mobbing: Fahrschüler sind oft Zielscheibe

    Cochem-Zell. Schleicht ein Autofahrer auf einer Straße, auf der Überholen nicht möglich oder erlaubt ist, vor einem so dahin, ist das ärgerlich. Das kann ein Traktor sein, aber auch ein Fahrschulauto. Was öfter in jüngster Zeit zu beobachten ist: Von hinten drängeln Autofahrer die Fahrschulautos, regelrechtes Mobbing hat sich im Straßenverkehr mitunter breitgemacht.

    Gelassen mit seinen Schülern unterwegs: Fahrlehrer Alex Lung rät dennoch zu mehr gegenseitiger Rücksichtnahme im Straßenverkehr.  Foto: Kevin Rühle
    Gelassen mit seinen Schülern unterwegs: Fahrlehrer Alex Lung rät dennoch zu mehr gegenseitiger Rücksichtnahme im Straßenverkehr.
    Foto: Kevin Rühle - ker

    Von unserer Mitarbeiterin Melina Kaucher

    Fahrlehrer Jo Einig, Bezirksvorsitzender des Fahrlehrerverbandes Rheinland-Pfalz, hat sich aus diesem Grund dazu entschieden, Kameras, sogenannte Dashcams, in seinen Autos zu installieren. Er begründet seinen Schritt damit, dass das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer gegenüber seinen Fahrschülern "rücksichtslos ist". Seine Fahrschule "Bon Jo Wi" in Polch will mit den Kameraaufnahmen helfen, Verkehrssünder ausfindig zu machen.

    Was sagen Fahrlehrer aus dem Kreis Cochem-Zell zu dieser drastischen Maßnahme? Sie kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eine Fahrschule aus dem Kreis - sie will nicht in der Zeitung genannt werden - fällt ein besonders negatives Urteil. Das Verhalten gegenüber den Schülern im Straßenverkehr sei in den vergangenen Jahren, so sagt der Chef, "immer schlimmer geworden". Gerade auf Autobahnfahrten seiner Schüler lauere "eine große Gefahr". Diese entstehe durch zu dichtes Auffahren und Einscheren vor den Fahrschulautos. "Solche Vorfälle sind doch Standard."

    Er bemängelt ebenfalls, dass sich andere Verkehrsteilnehmer zu häufig über Verkehrsregeln hinwegsetzen, gerade an Stoppschildern. Fahranfänger würden nicht damit rechnen, dass sich nicht jeder an Vorfahrtregeln hält, deshalb könne es schnell zu Unfällen kommen. "Es ist vor allem ein psychologisches Problem", glaubt der Fahrlehrer. Andere Verkehrsteilnehmer hätten wiederum das Bedürfnis, Fahrschulautos unbedingt überholen zu müssen, führen dabei aber selbst bedenkenlos. Frei nach dem Motto: Wer hält eigentlich noch an Stoppschildern?

    Ottfried Mühlenfeld, Fahrlehrer in Ulmen, vertritt eine andere Meinung. "Wir haben keine Probleme", sagt Mühlenfeld. Seine Fahrschüler würden auf der Straße wie alle anderen Verkehrsteilnehmer behandelt, nur ganz selten seien seine Schützlinge mal Autofahrern zu langsam, die dann etwas waghalsiger überholen würden.

    Fahrlehrer Alexander Lung aus Kaisersesch betrachtet das Thema mit Bedacht. Seine Fahrschule kennt das Problem, aber Lung meint: "Wir können damit umgehen." Trotzdem würden gerade junge Fahrer nur wenig Verständnis gegenüber den Fahrschülern zeigen. Wenn sich Fahrschüler exakt an alle Regeln halten, sei es bei Geschwindigkeitsbeschränkungen oder an Kreuzungen, dann stinke dies dem einen oder anderen. Alex Lung: "Wenn man es eilig hat, stört einen jeder." Er könne die Autofahrer sogar oft verstehen, kein Fahrlehrer wolle den Straßenverkehr unnötig aufhalten, aber es lasse sich nicht ändern. Der erfahrenen Fahrlehrer findet nicht, dass sich die Lage in den vergangenen Jahren verbessert oder verschlimmert hat, sie bleibe konstant. Er schätzt, dass etwa 50 Prozent der Autofahrer Verständnis haben, die restlichen 50 Prozent nicht.

    Der Kaisersescher berichtet von einschneidenden Erlebnissen. So habe einmal ein Wagen, der aus einem verkehrsberuhigten Bereich gekommen war, einem Fahrschüler die Vorfahrt genommen. Nur mit einer Vollbremsung des Fahrlehrers sei ein Zusammenprall verhindert worden. Die "gegnerische" Fahrerin sei daraufhin aus ihrem Auto ausgestiegen und habe Lung kritisiert, dass er als Fahrlehrer doch eigentlich wissen müsste, wie die Regeln sind. Auf die Erklärung hin, dass sie aus einem verkehrsberuhigten Bereich heraus auf die Vorfahrt achten muss, reagierte sie seinen Worten zufolge so: "Also Ahnung haben Sie auch keine."

    Zu kleineren Vorfällen komme es in der Tat fünf bis sechs Mal täglich. Lung: "Ich würde ja ständig auf der Wache sitzen, wenn ich alles zur Anzeige bringen würde." Bei schlimmeren Gefährdungen fängt er aber doch an darüber nachzudenken. Gerade ein Vorfall kommt ihm dabei in den Sinn: Ein Schüler hatte in einer Baustelle auf der Autobahn die erlaubten 60 km/h eingehalten. Ein Lastwagen sei zu dicht aufgefahren und habe auf einer Brücke einen Überholvorgang begonnen, wobei das Fahrschulauto immer weiter nach rechts in Richtung Brückengeländer gedrängt wurde. Der Fahrschüler wusste laut Lung in dieser Situation nicht, wie er reagieren sollte und wurde nervös. Der Fahrlehrer bremste ab, damit der Lkw vorbeifahren sollte. Beide Fahrer begaben sich auf den nächsten Parkplatz. Der Lkw-Fahrer stieg mit einer Eisenstange in der Hand aus und schimpfte: "Wegen solchen Idioten wie euch verlieren meine Mitarbeiter ihre Anstellung." Darauf sei er wütend weitergebraust.

    Solche Vorfälle gehören zwar nicht zum Alltag, es gibt sie aber auch. Fahrlehrer Lung appelliert darum, mehr Abstand zu den Fahrschulautos zu halten, um die Vielzahl kritischer Vorfälle zu verringern. Die Fahrer sollten sich zurückversetzen und daran denken, dass sie einst selbst in Fahrschulautos Platz genommen haben.

    Überwachungskameras in Fahrschulautos hält Lung "für keine gute Lösung". Er will nicht all seine Fahrschulautos mit Kameras ausstatten, um dann jeden Vorfall zu dokumentieren und ahnden. Denn man müsse sich zwar klarmachen, dass man eine Behinderung ist. Aber, so Lung, "das ist eben im Straßenverkehr eben eine unvermeidbare Behinderung."

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    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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