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    Mit Tornado-Pilot Samuel im Gespräch: In Büchel breitet sich Anspannung aus

    Samuel N. legt die Stirn in Falten. "Wir müssen jetzt viel reden", sagt der erfahrene Pilot, der im Jargon Luftfahrzeugführer heißt. Bis zum Marschbefehl für ihn ins Krisengebiet von Syrien und dem Nordirak können es nur wenige Wochen sein. Zeit, um mit seiner Familie den Einsatz durchzuspielen. Und die Lieben daheim zu beruhigen.

    Fliegerärztin Miriam (links) und Pilot Samuel bei der Pressekonferenz im Fliegerhorst Büchel.
    Fliegerärztin Miriam (links) und Pilot Samuel bei der Pressekonferenz im Fliegerhorst Büchel.

    Von unserem Redakteur Thomas Brost

    Samuel N. ist ein erfahrener Pilot, hat mehr als 2500 Tornado-Flugstunden vorzuweisen. Jetzt übt er mit den Kameraden jeden Tag, vertieft "die fachliche Expertise", wie er es formuliert. Der Einsatz muss haarklein durchdekliniert werden. Bevor er abhebt, macht N. sein Testament und vergibt Vollmachten. Der Kommodore relativiert dieses Vorgehen. "Das ist so üblich, es wird routinemäßig eingesteuert", sagt Holger Radmann. Der Oberstleutnant ist überzeugt, dass Mensch und Material bestens vorbereitet sind. Die Anspannung sei gleichwohl zu spüren. "Das ist natürlich emotional. Denn wir bewegen uns über unbekanntem Gebiet." Deswegen sei es jetzt wichtig, dass man in den Familien enger zusammenrückt und elementare Dinge klärt.

    Wie sage ich es den Kindern? Um Piloten und die sie begleitenden Waffensystemoffiziere kümmert sich in diesen schwierigen Lebenslagen das Familienbetreuungswerk der Bundeswehr. "Und die Ehepartner haben das Anrecht, beraten zu werden", sagt Miriam I. Die 37 Jahre alte Fliegerärztin (seit Oktober) berichtet über ein psychosoziales Netzwerk, in dem Familien von Soldaten aufgefangen werden. Darin wirken Militärpfarrer, Psychologen, Ärzte und noch weitere Hilfskräfte.

    In Afghanistan, genauer gesagt in der Stadt Masar-e Scharif, hat sich René R. erste Sporen im Kampfeinsatz verdient. In einer Aufklärungsmission war der Waffensystemoffizier im Cockpit eines Tornado gesessen, kennt also Aufklärungsmissionen. Jetzt verspürt er eine "positive Anspannung", obgleich Syrien "viel komplizierter ist". Verknüpft ist die Erwartung mit der Genugtuung, "weil man das machen kann, wozu man ausgebildet ist", sagt er. Und, ein ganz wichtiger Aspekt für ihn: "Wir tun Sinnvolles und helfen anderen, denen es nicht so gut geht."

    Wird es einem mitunter nicht mulmig, wenn man an die komplizierte Gemengelage denkt? Das ficht René R. offenbar nicht an. Das Einsatzgebiet sei klar definiert "zwischen Syrien und denjenigen Ländern, die einen Einsatz genehmigen". Und der Irak, der ein unsicherer Kantonist zu sein scheint, weil er US-Spezialkräften den Zutritt verweigert? Da wird R. lakonisch: "Man hat in der Tat den Eindruck, dass es im Irak von der Tagesform abhängig ist, mit wem er koalieren möchte."

    Vom Stützpunkt in Incirlik werden die Bücheler Tornados knapp 30 Minuten benötigen, um ins Einsatzgebiet zu gelangen. Ihre Aufgabe: Für die Koalitionspartner müssen sie Ziele identifizieren, das kann, so Samuel N., "etwas strategisch wie taktisch Bedeutsames sein". Wie wenn der IS seine Truppen bewegt, zusammenzieht oder verlagert. Selbstbewusst stellt er fest: "Wir sind dort unten nicht Juniorpartner, sondern ein valider Partner." Was passiert, wenn ein Tornado vom feindlichen Radar erfasst oder gar in der Luft attackiert wird? Für diesen Fall besitzt der Kampfjet Selbstschussanlagen, zwei Raketen - und einen Täuschkörper. Wird Letzterer aktiviert, legt "sich quasi ein Vorhang" um das Flugzeug, betont Techniker Michael Q. Mit Alu beschichtete Plättchen werden ausgestoßen, das gegnerische Flugzeug wird in die Irre geführt.

    Sollte ein Tornado abgestürzt sein, greift eine Rettungskette. "Wir lokalisieren das Flugzeug und befreien die Crew aus dem Einsatzgebiet", sagt der Kommodore. Man stütze sich auf "die etablierten Verfahren unserer Koalitionspartner". Aber solche Gedanken schieben lieber alle "Büchelaner" erst mal weit weg.

    Erschwerte Bedingungen in der Türkei: Bücheler Soldaten kämpfen mit den Putsch-Folgen Interview mit Chef der Nato-Luftstreitkräfte in Incirlik: Infos für Familien sind sehr wichtigAuslandseinsatz: Büchel schickt weitere Soldaten in den Nahen OstenVideo: Start der Tornados aus BüchelErfolgreicher Start vom Fliegerhorst Büchel: Tornados haben Einsatz begonnen (Mit Video)weitere Links
    Cochem Zell
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