40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Mittelmosel
  • » Konzert: Rauschhaft und leidenschaftlich wie die Liebe [Mit Video]
  • Konzert: Rauschhaft und leidenschaftlich wie die Liebe [Mit Video]

    Cochem. Die Liebe und das Leben in ihren Liedern gefeiert haben die Berliner Lara Maria Gräfen und Lutz Rode am Wochenende bei ihrem Konzert im Cochemer Kulturzentrum Kapuzinerkloster. Und auch wenn die in Cochem geborene Gräfen (26) in ihren Indiechansons oft eher schwermütige und zum Nachdenken anregende Seiten dieser Lebenslust anklingen ließ, die gut 200 Zuhörer im Pater-Martin-Saal hatten ihre Freude an dem, was sie zu hören bekamen.

    Foto: Kevin Rühle

    Von unserem Redakteur David Ditzer

    Manege, Pardon, Bühne frei für Lara Maria Gräfen, wobei die Musik in den zirkushaften Untertönen der Keyboardbegleitung an ein grandioses Vorbild erinnert: die von der Band The Doors stammende Version des Alabama-Songs. Auch der Text und Gräfens volle, dunkle und warme Stimme passen in diese Erinnerung: "Meine Damen, meine Herren, treten Sie ein, wenn es Ihnen gefällt, mein Kopf ist der einsamste Ort dieser Welt", singt Gräfen. Weitere Textzeilen lauten "Ich lausche der Stunde, lausche dem Tick und dem Tack" oder "Ich schlage die Zeit tot, doch sterben will sie nicht".

    Von dieser Melancholie ausgehend, ist der Weg nicht mehr weit in die nächste Whiskey Bar, wie ihn die Doors besingen. Die eher finstere Grundstimmung der vom Schicksal gezeichneten Frauen, die den Song in der Brecht/Weill-Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" singen, ist ebenfalls greifbar. Tatsächlich hat man in der Folge den Eindruck, als bliebe die Zeit stehen, als verfolgte man gefangen in ihr das, was sich auf der Bühne abspielt.

    Langsam breitet Gräfen, komplett schwarz gewandet, einen schwarzen Hut auf dem blonden Lockenkopf, die angewinkelten Arme aus, senkt den Kopf leicht und schaut verwegen unter der Hutkrempe her. "Die Blumen des Bösen verwelken nie./Wenn du mich willst, zeig' mir, wo sie blüh'n", singt sie dazu. "Wie die Spitze von Augustin Teboul kann deine Haut mich verführ'n." Mit seiner halbakustischen Gibson-Gitarre erschafft Martin Kloos eine zittrige Klangkulisse, die jeden Showdown eines Westerns bereichern würde. Von Liebe als einem erotischen Kriegsspiel der Geschlechter erzählt das Lied "Soldat".

    Kein spannendes Duell, dafür aber ein hochklassiges, munteres und vergleichsweise heiteres Duett liefern sich Gräfen und Lutz Rode im Song "Liebeskrieg". Wieder erklingt die Gitarre flirrend, aber Piano und Drums swingen leicht, lassen die Hörer hin- und herschwanken. Wunderbar harmonierend, nutzen Gräfen und Rode ein Mikro: "Schließ deine Augen, versprich mir kein Morgen! Liebe ist die schönste Art, sich zu ermorden", lassen sie wissen.

    Foto: Kevin Rühle

    So, als gäbe es kein Morgen, hat Rode mit einem Soloauftritt vor Gräfens erstem Chanson auch den Abend eröffnet. Langer, beigefarbener Zweireihermantel, abgesetzter brauner Kragen, eine reichlich abgenutzte Akustikgitarre im Anschlag, legt Rode ohne Umschweife los. Zu überwiegend rastlosen Rhythmen breitet er die Liebesgeschichte "von einem hübschen Mädchen" namens Mimi sängerisch aus. Seine vor allem in den Höhen rauchig-verkratzte, was die Töne angeht, jedoch immer treffsichere Stimme hat etwas vom frühen Westernhagen.

    Mimis Affäre bedient die unbekümmerte, leidenschaftliche und rauschhafte Seite einer jungen Liebe. Mimi nimmt mit ihrem Geliebten Reißaus, erliegt den vielfältigen Reizen einer neuen Stadt, "grünen Geistern" und "Pudernasen voller Schnee". Atemlos reihen sich Verse aneinander: "Du erlebst dein graues Wunder/in den Armen dieser Stadt/und dein Herz brennt ab wie Zunder/deine Augen seh'n sich nie mehr satt." Wobei auch Mimis rauschhafte Beziehung traurig endet. Tot liegt ihr Geliebter letztlich am Fluss. "Seine Haut ist kalt und grau,/er hat dich immer noch geliebt, ich weiß es genau", haucht Rode ins Mikro.

    Wahre Liebe hat eben immer auch etwas Zeitloses, Unvergängliches. Wie in Gräfens eingängigem, von einem Walzertakt getragenen Lied "Wein um mich", das abermals schwermütig beginnt: "Es ist Herbst, alle Blätter grübeln über den Tod/und erinnern dich wieder, meine Lippen sind rot./Sind deine Nächte so düster wie verweinter Kajal?/Verblassen meine Fotos in langsamer Qual?" Wie Gräfen vorab erläutert, handelt der Song von starken Frauen, die trotzdem auch starke Männer wollen.

    Zwischen den Traversen der Lichtanlagen flackern die Initialen "LMG" in blendend weißem Licht. Das gespiegelte M sieht aus wie eine Sanduhr, die auf der Seite liegt. Die Zeit steht still. Flott und fröhlich swingt sich Gräfens brandneues, bluesiges Stück "Die neue Boheme" ans Ziel. Beifall, Jubel. Furioses Finale. Soll's das schon gewesen sein. Nein, zum Glück gibt's noch zwei Zugaben. Wie konnte der Sand der Zeit nur so verrinnen?

    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

    Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Rhein-Zeitung Cochem/Zell bei Facebook
    Regionalwetter
    Sonntag

    12°C - 23°C
    Montag

    13°C - 23°C
    Dienstag

    15°C - 21°C
    Mittwoch

    17°C - 27°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige