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  • Karneval in Not: Keine Narren für die Bütt gefunden

    Treis. Treis ist eine Karnevalshochburg im Kreis Cochem-Zell. Seit fast 50 Jahren sorgt hier der "Spokus" für närrische Stimmung. Eigentlich: Doch in diesem Jahr wird das närrische Treiben sehr spärlich ausfallen, denn die Treiser Kappensitzung, einer der Höhepunkte der Session, ist abgesagt worden. Der Grund: Es finden sich keine Narren mehr, die bereit sind, in die Bütt zu treten. Ein Problem, das im ganzen Land bekannt ist. 

    In Wolken, bei Koblenz, hat es im Jahr 2015 auch nur einen Redner gegeben. 
    In Wolken, bei Koblenz, hat es im Jahr 2015 auch nur einen Redner gegeben. 
    Foto: Sarah Kern

    Von unserem Mitarbeiter Dieter Junker

    Treis/Cochem-Zell. "Wir finden niemanden mehr, der noch Vorträge halten will. Und nur mit Tanzbeiträgen können wir keine Sitzung machen", bedauert Michael Thomas, der Vorsitzende des Karnevalvereins "Spokus" Treis. Und er macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. "Wir haben schon lange alles geplant, vorbereitet und organisiert, doch nun sind wir gezwungen, die Sitzung kurzfristig abzusagen", sagt er. Er kritisiert das fehlende Interesse, auch mitzuarbeiten und mitzuhelfen. "Die Belustigung ist gewollt, aber dahinter steckt auch Arbeit", betont Thomas. Doch im Fernsehen gebe es ein Überangebot an Karneval, und Jugendliche würden eher weiter weg fahren.

    Der Verein hofft, mit diesem Entschluss, die Sitzung abzusagen, im Ort auch einen Denkanstoß zu geben. "Vielleicht kommen jetzt manche doch ins Nachdenken, und wir können in zwei Jahren dann wieder eine Sitzung machen", meint der Spokus-Vorsitzende. In diesem Jahr werde es aber nun nur eine abgespeckte Session geben. Auch ohne Umzug, da in Treis seit Jahren immer abwechselnd in einem Jahr ein Umzug organisiert wird, im folgenden Jahr dann die Sitzung. Thomas: "Mir tut dabei auch das Prinzenpaar leid, denn gerade die Sitzung ist für die beiden ja auch ein Höhepunkt."

    Treis ist allerdings kein Einzelfall. "Die Situation unserer Vereine hat sich total gewandelt, aus allen Orten wird beklagt, dass sich immer weniger Menschen, vor allem Jüngere, finden, die sich in den Vereinen engagieren", meint Helmut Schmitt aus Ulmen. Und der Cochem-Zeller Bezirksvorsitzende der Rheinischen Karnevals-Kooperationen (RKK) fügt hinzu: "Das, was wir noch vor einigen Jahren mit Stolz präsentieren konnten, in fast jedem Ort eine Saal-Fastnacht und in sehr vielen Orten ein Karnevals- oder Rosenmontagsumzug, trifft heute nicht mehr zu."

    Traurige Narren: In Treis wird es in diesem Jahr keine Kappensitzung geben, auch in anderen Orten wird es immer schwerer, Helfer zu finden, die bei den Sitzungen oder Umzügen mithelfen.  Archivfoto: Kevin Rühle
    Traurige Narren: In Treis wird es in diesem Jahr keine Kappensitzung geben, auch in anderen Orten wird es immer schwerer, Helfer zu finden, die bei den Sitzungen oder Umzügen mithelfen. Archiv
    Foto: Kevin Rühle - Kevin Rühle

    Die Konsequenz: In vielen Orten wird die Zahl der Kappensitzungen reduziert, Möhnensitzungen ändern sich und Umzüge werden abgemeldet oder mehrere Vereine fusionieren, um alles auf die Beine stellen zu können. "Wenn ein Möhnenverein seine Sitzung auf einen Kaffeenachmittag für die Senioren reduzieren muss, weil man lieber den Weiberdonnerstag in Köln erleben will, darf man sich nicht wundern, wenn ein schönes Gemeindekulturgut wegbricht", macht Schmitt deutlich.

    Für ihn ist hier auch die Ortsgemeinschaft gefragt. Eine Sitzung brauche nicht nur Akteure auf der Bühne, sondern auch im Hintergrund viele ehrenamtlich helfende Hände. Und auch ein Umzug berge ein Kostenrisiko neben den organisatorischen Anforderungen. Wenn dass alles nicht gelinge, dann bleibe letztlich nur die Absage, bedauert der RKK-Vorsitzende. "Hier muss auch an das Wir-Gefühl einer Ortsgemeinschaft appelliert werden", betont Helmut Schmitt.

    Auch wenn in den vergangenen Jahren Vereine sich aufgelöst hätten oder Veranstaltungen abgesagt wurden, gebe es aber weiterhin im Kreis ein reges Karnevalstreiben, macht Schmitt deutlich. Auch in diesem Jahr sei er in Bezug auf Sitzungsbesuche und Ehrungen verdienter Karnevalisten in argen Terminnöten. Dennoch: "Das Brauchtum Karneval hat sich verändert, hier müssen die Zeichen der Zeit erkannt werden. Die Jugend bevorzugt die Karnevalsparty, das närrische Mittelalter und die Senioren genießen die Kappensitzungen in vollen Zügen." Und gerade der Kinderkarneval stehe sehr hoch im Kurs. "Tanzgruppen trainieren das ganze Jahr über, Kinder- und Jugendgruppen beginnen nach einer kurzen Verschnaufpause mit den Vorbereitungen für die nächste Session", berichtet er.

    Der Kinderkarneval wird auch in Treis in diesem Jahr gefeiert, macht Michael Thomas deutlich. Ebenso wird es eine Möhnensitzung geben. Und die Treiser Narren werden beim Müdener Umzug mit dabei sein. "Wir werden eine kleinere Session haben, aber natürlich feiern wir Karneval", betont der Spokus-Vorsitzende. Und eine besondere Veranstaltung gibt es auch: Am Karnevalssonntag wird in der Pfarrkirche "St. Johannes der Täufer" eine Fastnachtsmesse gefeiert.

    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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