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  • Kaiser-Wilhelm-Tunnel: Nur wenige bohrende Fragen zur neuen Röhre

    Cochem. Unaufhaltsam frisst sich der 1710 Tonnen schwere und 90 Meter lange Tunnelbohrer an die Stadtgrenze von Cochem heran. Von Ediger-Eller aus gräbt er eine zweite Röhre für den Kaiser-Wilhelm-Tunnel durch den Berg. 2321 von 4242 Metern sind geschafft. Im August soll er unter der Straße In der Märtschelt die Oberstadt erreichen.

    Noch gibt es nur einen Cochemer Tunnelmund, aus dem Züge kommen. Bald wird links daneben ein zweiter existieren.
    Noch gibt es nur einen Cochemer Tunnelmund, aus dem Züge kommen. Bald wird links daneben ein zweiter existieren.
    Foto: David Ditzer

    Von unserem Redakteur David Ditzer

    Dann wird's kritisch, weil die Deckschicht zwischen dem Bohrer und darüberliegenden Häusern auf den letzten Metern bis zum Durchbruch an der Endertstraße immer dünner wird. Mit einem Messsystem will der Bauherr, die Deutsche Bahn „ProjektBau“, kontrollieren, ob die Arbeiten unter Tage Schäden an Häusern und Straßen verursachen und, wenn ja, welche. Im Kapuzinerkloster erläuterten Fachleute jüngst vor rund 50 Gebäudeeigentümern die Pläne. Sie stellten auch das Versicherungskonzept vor, das in Schadensfällen greifen soll.

    Geht es nach dem Willen der Bahn, sacken im Sommer keine Häuser in der Cochemer Oberstadt ab, obwohl der Boden respektive Fels unter ihrem Fundament merklich dünner wird. „Aber garantieren können wir das natürlich nicht“, sagt Bodo Tauch, Projektleiter der Arge Neuer Kaiser-Wilhelm-Tunnel. Schließlich frisst sich der Tunnelbohrer in Extremlagen nur 3,50 Meter unter dem Fundament von Häusern durch den Berg. Deshalb sorgt die Bahn vor, und zwar so:

    Bohren im geschlossenen Modus: Wenn die gigantische Bohrmaschine unter der Märtschelt eingetroffen sein wird, wird das Unternehmen Alpine Bau sie kurzzeitig anhalten. „Wir warten und überholen sie dann noch einmal für die Arbeiten in der Oberstadt“, erläutert Mitarbeiter Marco Reith. Bis unter die Kelberger Straße gräbt das Gerät dann im offenen Modus weiter, danach im geschlossenen. Das heißt, in der Nähe des Bohrkopfs wird das Erdreich durch einen Erdbrei gestützt. Das ist nötig, weil im Gebiet Jahnstraße, Oberbachstraße, Auf dem Rähmchen bloß weiches Gestein zwischen Tunnelschacht und Erdoberfläche liegt. Der Abstand zu Hausfundamenten beträgt Reith zufolge in der Regel 10 bis 15 Meter, an den kritischsten Stellen jedoch nur 3,5 Meter. Sechs Wochen – von Mitte August bis Anfang Oktober – soll die Maschine für die rund 500 Meter lange Strecke durch die Oberstadt benötigen, im Tag- und Nachtbetrieb bohren. Dann soll sie aus dem Berg brechen.

    Beweissicherung: Von Dienstag, 14., bis Freitag, 17. Juni, sowie von Montag, 11., bis Freitag, 15. Juli, werden Fachleute des Ingenieurbüros „ifb Eigenschenk“ Rissmonitore, Beobachtungsmarken und andere Messinstrumente an Gebäuden in der Gefahrenzone anbringen. Dazu werden sie in den nächsten Wochen Termine mit insgesamt rund 60 Eigentümern vereinbaren. Zusätzlich registrieren Sonden während der Arbeiten Veränderungen im Erdreich, sodass Experten bei Bedarf jederzeit eingreifen können. Ein Teil der Messdaten wird, dank Internetverbindung ständig aktualisiert, auf einem Monitor im DB-Info-Center an der Endertstraße ablesbar sein. In einer zweiten Phase der Beweissicherung – einen Monat nach Ende der Bohrarbeiten – nehmen die Eigenschenk-Mitarbeiter mithilfe des Messsystems mögliche Schäden auf. „Und was ist mit Schäden, die später auftreten, zum Beispiel erst nach einem halben Jahr?“, will ein Teilnehmer des Infoabends wissen. Projektleiter Tauch antwortet: „Wir rechnen nicht damit, dass Schäden später auftreten.“ Und falls doch, sei das individuell zu prüfen.

    Schadensregulierung: Die Bahn richtet für Geschädigte ein Schadenregulierungsbüro ein. Dessen Kontaktdaten werden den Gebäudeeigentümern noch mitgeteilt.
    Flucht vor Lärm: Oberstadtbewohnern, die wegen Bohrlärms unter ihren Häusern nicht mehr schlafen können, bietet die Bahn an, für ein, zwei Nächte in eine Pension oder ein Hotel umzuziehen. Ob das auch für seine Gäste gelte, möchte der Inhaber der Pension Hendriks an der Jahnstraße wissen. Tauch scheint von der Frage überrascht. Für solch individuelle Regelungen solle man sich an Jürgen Heling vom Info-Center wenden. 

    Das Info-Center der Bahn, Endertstraße 8, ist dienstags bis freitags von 13 bis 19 Uhr geöffnet, Tel. 02671/603 060 

    Maschine nimmt Fahrt auf

    200 Millionen Euro kosten der Bau des neuen und die Sanierung des alten Kaiser-Wilhelm-Tunnels. 170 Züge pro Tag befahren den 1879 eröffneten alten Tunnel. Der Bohrer, der seit Juni 2010 eine zweite Röhre gräbt, stand jüngst für sechs Wochen still: Der Bohrkopf war verschlissen, und er hatte sich festgefahren. Inzwischen läuft er wieder, seit gestern Tag- und Nacht, macht im Schnitt mehr Meter pro Tag als zuvor (16 statt nur 11 Meter), weil ein Teil des Abraums per Bahn in eine Schotterdeponie bei Wittlich gebracht werden kann. Das Gros landet jedoch in einer Tongrube im Westerwald.dad

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    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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