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  • Im Treiser Kultur-Baumarkt gehen (vorerst) die Lichter aus

    Treis-Karden. Der Schritt kommt völlig überraschend und aus heiterem Himmel: Hans Peter Röhrig gibt seine Kulturbühne - sie ist bundesweit die einzige in einem Baumarkt - auf. Der Auftritt von Multiinstrumentalist Dirko Juchem mit der Band Invoyce aus der Region Mayen am nächsten Freitag, 20 Uhr, wird das vorerst letzte Ereignis im Röhrig-Forum sein.

    Gut gelaunte Künstler, applaudierende Zuschauer – das war ein gewohntes Bild, wenn der Treis-Kardener Unternehmer Hans Peter Röhrig (ganz rechts) zu Veranstaltungen auf seiner Kulturbühne rief. Doch jetzt zieht sich der 68-Jährige unwiderruflich zurück.
    Gut gelaunte Künstler, applaudierende Zuschauer – das war ein gewohntes Bild, wenn der Treis-Kardener Unternehmer Hans Peter Röhrig (ganz rechts) zu Veranstaltungen auf seiner Kulturbühne rief. Doch jetzt zieht sich der 68-Jährige unwiderruflich zurück.
    Foto: bro

    Von unserem Redaktionsleiter Thomas Brost

    Bedeutet dies auch nach 16 Jahren und mehr als 30 000 Zuschauern das Ende für den privaten Kulturbetrieb in Treis-Karden? Hans Peter Röhrig lässt zwei Hintertürchen offen.

    Feststeht, dass sich der 68-Jährige unwiderruflich zurückzieht. Zu den Gründen lässt er sich nicht aus. Nur so viel: "Es wäre schön, wenn wir jemanden finden würden, am besten aus der Familie, der das Projekt weiterführt", sagt Röhrig. Sein Sohn Volker, der Geschäftsführer des Baumarktes ist, würde, so versichert er, die Bühne weiterhin offenhalten. Ein zweites Modell: eine Kulturstiftung, von Hans Peter Röhrig ins Leben gerufen. "Mir liegt die Kultur auf dem Lande so sehr am Herzen, dass ich Gelder aus einer privaten Stiftung beisteuern würden", lässt der Kulturpionier durchblicken. Voraussetzung: Die Konzeption der künftigen Kulturmacher muss stimmig sein. Für diesen Fall könnte auch der Freundeskreis der Kulturbühne eine gewichtigere Rolle spielen, in dem zurzeit 120 Kulturfans registriert sind.

    Röhrig, der weiterhin Kulturveranstaltungen in der Region Koblenz mit Organisation und Marketing unterstützen wird, kann sich vorstellen, dass sich aus den losen Ideen ein Konzept schmieden lässt. "Ich bin auf glühenden Kohlen, um Lösungen zu finden", beteuert er. In den vergangenen 16 Jahren habe er viele wertvolle Kontakte aufgebaut, die er versuche zu nutzen. Leid tut ihm, dass es jetzt weniger Nachwuchskünstler schaffen würden, dauerhaft den Sprung auf die Bretter zu schaffen. "Die Talente fallen viel zu oft durch die Maschen", klagt Röhrig. Auch habe sich in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten so manche Rezipientengewohnheit gewandelt. Kam früher das Stammpublikum praktisch zu jeder Veranstaltung, so pickt es sich heute sein Genre, sei es Kabarett, sei es Chanson, heraus und besuche das Forum nur punktuell.

    Röhrig beklagt: Koordination der Kulturschaffenden fehlt völlig

    Die Zuschauerzahlen gehen zurück. Aber global gesehen, und das freut den 68-Jährigen wiederum, "ist das Angebot von Kultur auf dem Land deutlich größer als noch vor Jahren". Das Manko: Es gebe, beklagt er, "keinerlei Koordination der Kulturschaffenden". Weder auf Kreisebene noch darüber hinaus. Er habe versucht, dies mit seinem Kultur-Newsletter in den Griff zu bekommen, in dem auch auswärtige Events ihren Platz hatten. Vorzüglich habe dies mit einigen Veranstaltern im Kreis MYK und im Kreis Cochem-Zell funktioniert, praktisch gar nicht mit der Stadt Cochem. Und der Kreis selbst habe "wenig Zusammenarbeit im Kultursektor gefördert", weil dies ja auch keine Pflichtaufgabe ist.

    Aber auch der Zugang zur Kreisvolkshochschule und zur Kreismusikschule sei Kulturveranstaltern verschlossen gegeben, obwohl Röhrig gute Chancen zur gedeihlichen Kooperation erkennt. Man könne aus der Region "unheimlich viel machen", man müsse sich aber über Kirchturmdenken hinwegsetzen. Mit gutem Willen machbar ist aus seiner Sicht die Arbeit in einem Kulturforum, das sich nicht an Kreisgrenzen orientieren sollte, sondern die Kulturschaffenden aus einem Umkreis von rund 50 Kilometer unter einem Dach vereinen sollte. "Der Aufwand für ein Kulturforum muss nicht zu groß sein", sinniert Röhrig. So ganz werden die Lichter nicht nach der Show am 8. Januar gelöscht: Die "Weibsbilder" machen definitiv noch einmal die Kulturbühne unsicher - im September. Vielleicht wird die Zeit bis dahin nicht nur zum Nachdenken genutzt, sondern mit handfesten Konzepten für eine "neue" Kulturbühne gefüllt.

    • Der Offene Freundeskreis des Röhrig-Forums trifft sich am Freitag, 8. Januar, 18.30 Uhr, im Baumarkt.
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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