40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Mittelmosel
  • » Freunde scheren sich nicht um die Herkunft
  • Aus unserem Archiv

    KaiserseschFreunde scheren sich nicht um die Herkunft

    Nur Jugendliche, die sich "durch herausragende ehrenamtliche Tätigkeit auszeichnen", können damit rechnen, zum Empfang bei Ministerpräsidentin Malu Dreyer eingeladen zu werden. Genau das trifft auf die Freunde Jana Weber (15), Maebel Haile (21), Abdulla Hajhashish (16), Shaghayegh Saroughi (14) sowie die Schwestern Mina (15) und Mohadese (16) Alizade zu. Dennoch war die Clique überrascht, dass sie aufgrund der Nachfrage des ehrenamtlichen Flüchtlingshelfers und Deutschlehrers Wolfgang Palm aus Kaisersesch zum Rheinland-Pfalz-Tag nach Alzey fahren durfte.

    Die Jugendlichen Abdulla aus Syrien, Maebel aus Eritrea, Jana aus Kaisersesch (vorn von links), Mohadese und Mina aus Afghanistan sowie Shagayegh (hinten von links) aus dem Iran sind dicke Freunde geworden.
    Die Jugendlichen Abdulla aus Syrien, Maebel aus Eritrea, Jana aus Kaisersesch (vorn von links), Mohadese und Mina aus Afghanistan sowie Shagayegh (hinten von links) aus dem Iran sind dicke Freunde geworden.
    Foto: Brigitte Meier

    Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meier

    Die Sechs finden nämlich, dass sie gar nichts Besonderes tun. Jana sagt: "Wir sind befreundet, und da ist es doch selbstverständlich, dass wir uns gegenseitig helfen." Wenn es nur das wäre, hätte Jana vielleicht Recht. Doch die Jugendlichen kümmern sich nicht nur umeinander, sondern auch um andere. Nach der Schule geben sie Deutschkurse für Flüchtlinge, die die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrschen. Die Schüler, die vor etwa einem Jahr aus Syrien, Eritrea, Iran und Afghanistan in die Verbandsgemeinde Kaisersesch kamen, sprechen bereits erstaunlich gut Deutsch, und sie möchten ihre Kenntnisse weitergeben.

    Die Jugendlichen sind den ehrenamtlichen Helfern sehr dankbar, dass diese sie bei ihren ersten unsicheren Schritten im fremden Land begleitet haben. Nun möchten sie nicht mehr "betreut" werden, sondern selbst zum friedlichen Zusammenleben der Flüchtlinge und der Einheimischen in der VG Kaisersesch beitragen. So kommen sie jeden Mittwoch zum Café International im Mehrgenerationenhaus, um mit den Menschen zu reden und zu schauen, wo sie helfen können. Insbesondere der praktisch veranlagte Maebel ist sofort zur Stelle, wenn es in Kaisersesch etwas zu tun gibt, berichtet Palm. Maebel selbst findet das so selbstverständlich, dass ihm Palms Lob peinlich zu sein scheint. Der junge Mann aus Eritrea packt derzeit beim Bühnenaufbau für die Aufführungen des Theatervereins mit an. Ob er auch gerne mal auf der Bühne stehen würde? Maebel lächelt verlegen: "Ja, vielleicht irgendwann, wenn ich noch besser Deutsch spreche." Vorerst möchte er lieber noch hinter den Kulissen mitmischen.

    Das Engagement der Jugendlichen hat Malu Dreyer wohl beeindruckt, freut sich Palm: "Die jüngeren Jugendlichen haben sogar eine Sondergenehmigung zur Teilnahme am Empfang bekommen, denn normalerweise müssen sie mindestens 16 Jahre alt sein." Die Schwestern Mina und Mohadese nutzten die Chance, der Ministerpräsidentin einen gemeinsam verfassten Brief zu überreichen. Darin schildern die Mädchen, wie belastend für die Familie aus Afghanistan der immer noch ungeklärte Aufenthaltsstatus ist: "Wir warten seit Monaten auf einen Termin zur Anhörung." Dass Dreyer das Verfahren beschleunigen kann, glauben Mina und Mohadese nicht. Doch sie sind dankbar, dass sie die Ministerpräsidentin kennenlernen durften und finden: "Sie ist sehr nett." Eine Antwort auf den Brief der Schwestern steht noch aus.

    Jana ist die einzige Deutsche unter den Freunden, bei denen seit ihrem Kennenlernen die Chemie stimmt. Jana sagt: "Ich glaube, die meisten Jugendlichen auf der ganzen Welt haben die gleichen Interessen. Wir möchten etwas lernen und in Frieden leben." Im Übrigen gestaltet der "internationale Sechserpack" seine Freizeit wie alle anderen Teenager: Quatschen über Gott und die Welt, Musik hören, ins Kino gehen, shoppen, Eis essen. Nur ungern gibt Jana zu, dass sie bei gemeinsamen Unternehmungen auch schon mal fremdenfeindliche Bemerkungen hören: "Das kommt aber nur ganz selten vor, und es ist uns auch egal. Uns interessiert nicht die Herkunft anderer Menschen, sondern einfach nur, wie wir uns verstehen können."

    Auch wenn die Zukunft der Flüchtlinge ungewiss ist, sind sie entschlossen, ihre Chance zu nutzen und zu lernen, und sie haben konkrete Berufspläne. Maebel möchte Automechaniker werden, Abdulla und Jana würden gern in der Alten- oder Krankenpflege arbeiten. Mina will Medizin studieren, Mohadese und Shaghayegh sehen sich bereits als erfolgreiche Zahnärztinnen. In der Tat, diese Clique hat "Biss".

    Cochem Zell
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Mittwoch

    16°C - 28°C
    Donnerstag

    14°C - 25°C
    Freitag

    17°C - 27°C
    Samstag

    18°C - 30°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige