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  • Ende einer Ära: Brück verlässt das Gymnasium

    Cochem. Eine Ära endet am Martin-von-Cochem-Gymnasium: Klaus Brück (64) wird heute als Schulleiter in den Ruhestand verabschiedet, am 29. Januar ist sein letzter Arbeitstag. Am 16. Juni 1997 hatte der Oberstudiendirektor, der 34 Jahre lang Lehrer war, die Leitung des einzigen Gymnasiums im Kreis übernommen. Im Gespräch mit der RZ spricht er sich gegen eine Verwässerung der gymnasialen Ansprüche und für eine Auflösung der Gemeinsamen Orientierungsstufe (GOS) aus. Brücks Nachfolgerin wird Michaela Koch, derzeit Konrektorin der IGS Zell.

    Er räumt am 29. Januar seinen Schreibtisch: Oberstudiendirektor Klaus Brück geht nach 34 Jahren als Lehrer in den Ruhestand. Foto: Thomas Brost
    Er räumt am 29. Januar seinen Schreibtisch: Oberstudiendirektor Klaus Brück geht nach 34 Jahren als Lehrer in den Ruhestand.
    Foto: Thomas Brost - ThomasBrost

    Herr Brück, welches sind die schönsten Dinge, die Sie in ihrer Zeit als Schulleiter in Cochem erlebt haben, welches die weniger schönen?

    Besonders schön empfinde ich die Dinge, die mit Erfolgen von Schülern und Schule verbunden sind. Dass wir hier im ländlichen Raum über die gesamte Zeit hinweg unsere Verpflichtung als Gymnasium voll erfüllen konnten. Wir haben einen geregelten, geordneten Zugang zu den Eltern. Und die Kollegen haben einen angemessenen, vernünftigen Umgang mit ihren Schülern. Erfreulich: Es gibt keine nennenswerte Gewalt an der Schule, keine Rauschgiftszene und keine Kriminalität. Die Welt ist hier in Cochem in Ordnung - wir sind aber keineswegs verschlafen.

    Das weniger Schöne liegt im verwaltungstechnischen Bereich. Der Job des Schulleiters ist überfrachtet mit Verwaltungsdingen. Die pädagogischen Aufgaben, die ein Schulleiter im Zusammenhang mit seinem Kollegium hat, kann er nur minimal ausüben, weil die Zeit fehlt. Und das leider zunehmend.

    Kaum ein Bereich der Gesellschaft ist in den vergangenen Jahren so umgepflügt worden wie die Schullandschaft. Wie sehen Sie die Strukturveränderungen im Land?

    Viele Dinge, die eingeführt worden sind, sind wenig effektiv. Stichwort Evaluation: Alles muss in immer kürzeren Abständen überprüft werden. Maßnahmen, die durchaus sinnvoll sind, werden schon nach einem Jahr evaluiert, das ist viel zu früh. Der Aussagewert lässt sich mitunter anzweifeln.

    Hat sich die Gemeinsame Orientierungsstufe (GOS), die das Gymnasium mit der Realschule plus in den Klassen 5 und 6 verbindet, aus Ihrer Sicht bewährt? Sollte es die GOS auch in Zukunft geben?

    Als diese GOS unter dem damaligen Schulleiter Werner Born eingeführt wurde, gab es in Rheinland-Pfalz 30 Schulen mit diesem System. Heute sind es nur mehr acht, eine weitere läuft aus. Ich zähle mich zu den 22, die lieber allein sind. Für Kinder, die fürs Gymnasium geeignet sind, hätte ein Übergang aufs Gymnasium pädagogische Vorteile. Vom ersten Tag an würden sie mit den gymnasialen Anforderungen konfrontiert. Wir versuchen dem nahezukommen, indem Gymnasiallehrer in der GOS unterrichten. Wir müssen uns aber nach unserer Kundschaft und ihrem Leistungsvermögen richten. Es wird in der Regel zurzeit nach unten nivelliert. Und das Gesamtniveau wird gedrückt. Die Auflösung der Hauptschulen hat für uns dazu noch einen Schub ins Negative gegeben. Trotz aller Bemühungen der Kollegen in der Realschule plus: Mit Förderstunden ist das nicht zu kompensieren.

    Bestünde nicht eine höhere Schwellenangst, wenn sich die Viertklässler und deren Eltern gleich für oder gegen das Gymnasium entscheiden müssten?

    Das sehe ich nicht so. Ein Indikator ist das Anmeldeverhalten der Eltern: Der Trend geht doch ganz klar und sichtbar in Richtung Gymnasium. Viele würden ohnehin gleich zu uns kommen. Ich rede dabei von Kindern, die gymnasial geeignet sind.

    Fehlt den Gymnasien der Bezug zur beruflichen Praxis?

    Die Gesamtsituation hat sich im Gegensatz zu früher erheblich geändert. Heute haben wir viel mehr Schüler, die in eine Ausbildung gehen wollen. Es gibt daher auch viel mehr Praxisbezüge im Gymnasium. In der Mittelstufe haben wir den naturwissenschaftlichen Unterricht, der praktisch und manuell geprägt ist. Da gibt es auch Berufsberatungsmodule. In der Oberstufe können alle Naturwissenschaften als Leistungskurse belegt haben. Wir haben zeitgemäße und gut ausgestattete Einrichtungen, wozu auch der Einsatz des Schulträgers (der Kreis) entscheidend beigetragen hat. Die Chemie ist saniert, jetzt kommt der Biologieraum an die Reihe. Wir fördern Talente und haben bereits mehrere Preisträger bei "Jugend forscht" gehabt. Wir vermitteln freiwillige Praktika und beurlauben dazu auch Schüler.

    Ab und zu hört man davon, dass Unterricht in verschiedenen Fächern in der Mittelstufe ausfällt. Wie gravierend ist dies in Cochem?

    In den jüngsten Jahren konnte der Unterrichtsausfall minimiert werden. Wir haben eine fast hundertprozentige Lehrerversorgung. Das schützt natürlich nicht vor dem krankheitsbedingten Ausfall eines Lehrers, dann tritt eine Umorganisation in Kraft. Wir können selbsttätig Vertretungskräfte generieren. Über diesen Weg fangen wir viel ab.

    War der Lehrerberuf als Abiturient Ihr Traum?

    Ja, ich wollte immer Lehrer werden. Ich habe dazu Biologie und Chemie und Pädagogik in Bonn studiert. Außerdem habe ich das Fach Informationstechnische Grundbildung unterrichtet.

    Wo sehen Sie die Institution Gymnasium in unserer Gesellschaft in 20 Jahren?

    Wenn der hohe Anspruch bleibt, ist die Zukunft des Gymnasiums sicher. Die hohe Zahl der Studienabbrecher, rund ein Drittel der Studierenden, zeigt, dass wir diese Arbeit nicht mehr so leisten können wie früher. Es gibt viele Gründe dafür. Einer ist: Die Schülerklientel ist verwässert, wir können unseren fachlichen Anspruch nicht mehr so hoch schrauben, wie es nötig ist. Wir entlassen eine zunehmende Zahl von Schülern, die das eigentliche Ziel, die Studierfähigkeit, nicht mitbringt.

    Wie gehen Sie Ihren Ruhestand an?

    Eventuell werden meine Frau und ich mehr reisen. An die Westküste von Nordamerika zu kommen, das ist ein Traum. Aber auch Südamerika bis hin in die Antarktis ist reizvoll für mich.

    Mit Schulleiter Klaus Brück sprach Thomas Brost.

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    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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