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  • Ein Stahlungetüm bricht durch den Berg

    Cochem/Ediger-Eller - Es ist geschafft: Der 4242 Meter lange Kaiser-Wilhelm-Tunnel auf der Bahnstrecke zwischen Ediger-Eller und Cochem hat eine zweite Röhre: Um 12.57 Uhr krachten die letzten Reste der Betonverkleidung am Cochemer Tunnelausgang zu Boden, und die 1710 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine schraubte ihren Kopf aus dem Bergmassiv. Mithin ist eine wichtige Etappe des 200-Millionen-Euro teuren Bauprojekts auf der Moselstrecke zwischen Koblenz und Trier abgeschlossen.

    Krachend zerberstet die Betonwand, ehe sie mit einem dumpfen Knall zu Boden stürzt und eine große Staubwolke aufwirbelt. Jubel und Beifall branden auf - von Hunderten geladenen Gästen und Schaulustigen, die einen Blick auf das Jahrhundertereignis erhaschen wollen. Und dann, der erste Staub hat sich verzogen, ist der Blick frei auf den Kopf des tonnenschweren Stahlungeheuers. Seit dem 10. April vergangenen Jahres frisst es eine zweite Röhre für den Kaiser-Wilhelm-Tunnel zwischen Ediger-Eller und Cochem durch den Berg. Kurz zuvor war es noch zu hören gewesen, laut schabend und mahlend meißelte es sich die letzten 79,5 Zentimeter durch das Gestein.

    Viele Politiker, Vertreter der Bahn und der Medien und Hunderte Cochemer hören auf der anderen Seite, wie das Monstrum naht. Unter ihnen Roswitha Beck, Gattin des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck und Patin der neuen Röhre für den Kaiser-Wilhelm-Tunnel. "Ich habe großen Respekt vor Ihrer Leistung und gratuliere den Tunnelbauern und Mineuren dazu." In der Tat war es eine Meisterleistung, die Marco Reith vom österreichischen Bauunternehmen Alpine und sein rund 75 Mann starkes Team unter Tage vollbrachten. Schließlich fraß sich der mächtige Bohrer zum Teil nur rund drei Meter tief unter den Fundamenten der Häuser in der Cochemer Oberstadt hindurch. Da blieben kleinere Schäden in Form von Setzungsrissen nicht aus. Etwa zehn Häuser sind nach Bahnangaben davon betroffen.

    "Wir bedauern diese Schäden, die an den Gebäuden entstanden sind", sagt Dr. Jörg Sandvoß, Vertriebsvorstand der bauverantwortlichen DB Netz. "Ich weiß, dass das für die, die betroffen sind, keine kleine Geschichte ist." Deshalb werde man sich bemühen, die Schäden schnell zu regulieren. Sandvoß dankt allen Einwohnern von Cochem und Ediger-Eller für ihre Geduld und ihr Verständnis in den vergangenen 18 Monaten. Lärm, Schmutz und viele andere Unannehmlichkeiten hätten sie zu erdulden gehabt. Diesen Dank sprechen alle aus, die ans Rednerpult auf der neuen Brücke in Cochem treten, die eigens zur Nutzung der zweiten Tunnelröhre errichtet worden war.

    Es sind einige: Heike Raab (SPD), Staatssekretärin im Landesinnenministerium, spricht von einem wahrhaft "historischen Ereignis". Schließlich erhalte der mehr als 130 Jahre alte Kaiser-Wilhelm-Tunnel eine zweite Röhre. Dafür wurde es höchste Zeit, denn der alte Tunnel genügt aktuellen Sicherheitsstandards längst nicht mehr. "Heute müssen Tunnel ab einer Länge von einem Kilometer zwei Röhren haben", sagt Staatssekretär Peter Bleser (CDU), der im Auftrag von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in Cochem ist. Diese zweite Röhre hat nun auch der Kaiser-Wilhelm-Tunnel, einer der längsten Bahntunnel Deutschlands. "Er verkürzt den Fahrweg zwischen Ediger-Eller und Cochem von 30 auf 5 Kilometer", hält Bleser fest. Der Tunnel "erschließt den Westen Europas" für die Bahn, hebt Udo Wagner, Konzernbevollmächtigter der Bahn für Rheinland-Pfalz und das Saarland, hervor.

    Gewohnt humorvoll fasst Cochems Bürgermeister Herbert Hilken das "Jahrtausendprojekt" in Worte, vor allem "den arg gebeutelten Bewohnern der Oberstadt" dankend: Genau 79,5 Zentimeter stehe der Bohrer noch von der Durchschlagsstelle entfernt. "Das entspricht genau meiner halben Körpergröße", sagt Hilken lachend. Das bisschen Gestein dazwischen knackt die 90 Meter lange Bohrmaschine schnell. Ein kleiner Snack für sie, im übertragenen Sinne ein großer Happen für Cochem, Ediger-Eller und die Region. Da passt es, dass nach dem Durchbruch froh stimmende Blasmusik ertönt, gespielt vom Musikzug Rot-Weiß Ediger-Eller - Wohlklang statt Lärm.

    Von unserem Redakteur David Ditzer

    Bohrer bricht durch den Berg: Die zweite Röhre für den Kaiser-Wilhelm-Tunnel ist da
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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