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  • Cochem: Wie Vater Rhein seine Tochter Mosella bestraft

    Cochem. Während der Prunksitzung der Cochemer Karnevalisten gab's nicht nur viel zu lachen. Das Volk erfuhr auch, warum Vater Rhein seine Tochter Mosella ins Schnitzelparadies verbannt.

    Von David Ditzer

    Vater Rhein verbannt Töchterchen Mosella in Schnitzelparadiese und Schlagerhöllen. Fremdenverkehr beginnt in Cochem nicht erst, wenn der letzte Putzeimer Sangria geleert ist. Der göttliche Funke und das Feuer Brasiliens halten nicht nur die Cochemer Karnevals-Gesellschaft (CKG), sondern alle Anwohner des Moselkrampens jung. Das und mehr lernten rund 400 Jecken am Samstag bei der ersten CKG-Prunksitzung in der BBS-Turnhalle.

    Vater Rhein (gespielt von Stephan Hilken) trägt Toga, darüber einen blauen Umhang und ein Fischernetz. Er hält seine Tochter Mosella (Tanja Hartmann) für ein "spätpubertäres Miststück", dessen Divenhaftigkeit definitiv von der französischen Seite kommt. Darauf sie: "Du bist doch nur neidisch, weil Du nicht so schöne Kurven hast." Vater Rhein: "Papperlapapp, Du hältst jetzt mal den Pegel flach!" Mit viel Wortwitz agiert die Gruppe "Baddanouhdah" auf der rot und gelb geschmückten Bühne.

    Loreley-Zitat bringt Vater Rhein zum Überkochen

    Tobend konfrontiert der Übervater seine Tochter mit Kritik aus einem FAZ-Reisebericht, verfasst von Jakob Strobel y Serra. Cochems Stadtbild sehe aus, als bezöge es Hartz IV, und das Publikum wie RTL II-Zuschauer. "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten?", fragt Mosella, die ersten Verse aus Heines Loreleygedicht rezitierend. "Das ist schon dreimal nicht dein Text", empört sich Vater Rhein. Zur Strafe schickt er Mosella in Menschengestalt nach Cochem.

    Die in der FAZ erschienene Kritik an der Kreisstadt durchzieht nicht nur dreiteilige "Baddanouhdah"-Persiflage, sondern auch andere Vorträge. Das "Zumme-Clöwnchen" Jakob Heimes hält fest: "Et is' bekannt bei jedermann, Cochem, Mosel, Ballermann." Dabei besteht für den Nachwuchstrommler kein Zweifel: Millionen Stammgäste der Kreisstadt sind "auf Zack, die haben alle schwer Geschmack". Beifall.

    Zunder für die Christkindsräuber

    Auch Altbürgermeister Herbert Hilken schwingt als Krippenhirte den Stab gegen y Serra: "Dazu ich noch heute nur sagen kann: selber ballaballa, Mann." Eigentlich behandelt Hirte Hilken ein ganz anderes Thema: einen Fall "von Kindesentführung und Tierquälerei", wie Sitzungspräsident Jörg Eckerskorn unterstreicht. Schließlich stibitzten am 11. Dezember drei Räuber das Jesuskind und den Esel aus der Krippe an der alten Moselbrücke, setzten sich samt Esel in ein Taxi. Hilken: "Doch dann, es war wie ein Weihnachtswunder, bekamen die Räuber noch ordentlich Zunder." Schließlich fuhr ihr Taxi sie schnurstracks zur Polizei.

    Für Erfolge als Ermittler muss Männeragent Alexander Reitz da schon härter arbeiten: Beim Versuch, die Wellnesswelt der Weiblichkeit zu verstehen, macht er schmerzhaft Bekanntschaft mit seinem "Personal Trainer": "Olga ihr Name, von schöner Gestalt, war Offizier in Russland, das merkte ich bald." Einige Heißwachsenthaarungen und Thai-Massagen später muss Reitz einsehen: Mission gescheitert. Doch sein Debüt in der Bütt meistert er so bravourös wie einst James Bond seines als 007. Klasse auch, wie der Musikverein Cochem (Leitung: Jan Kokic) die Ein- und Ausmarschmelodie anpasst: Nix Narrhallamarsch, das Bond-Thema von Monty Norman und John Barry erklingt.

    Wenn Bauarbeiter auf Betriebsausflug sind

    Weniger geheimnisumwittert geht's bei Heinz Becker zu, gespielt von Michael Reissmann. In einer Zeit, in der sich schwule Fußballer wie selbstverständlich outen, bekommt für ihn "der Begriff Manndecker eine ganz neue Bedeutung". Den Hausmeister mit dem derben Humor wundert nicht, dass es für seine Frau Hilde nicht zur Miss Germany reicht, sondern nur zur "Miss Glückt".

    Was ebenfalls missglückt, ist das herrlich komische Unterfangen der vier Bauarbeiter, bei einem Betriebsausflug ans Meer echte Entspannung zu finden. Michel (Michael Laux) verwechselt das Relaxen mit Flexen, und Intelligenzflüchtling Iggi (Christoph Marx) surft im Ganzkörper-Tanga dem weißen Hai (Stefan Marx) davon. Das löst beim Chef (Sebastian Nicolay) mehr als nur einen Tobsuchtsanfall aus.

    Die Ruhe zu bewahren, ist auch für CKG-Präsident Günter Hammes nicht leicht. Als er die Ehrengäste begrüßt, fährt ihm die vorlaute Mariechen (Melanie Herpel) dazwischen. Sie treibt ihn derart zur Verzweiflung, dass er fleht: "Kannst du nicht mal drei Worte sagen, die mich in den Himmel heben?" Sie: "Häng dich auf!" Dass ein echter Cochemer Stadtsoldat sich nicht an Kleinigkeiten aufhängt, sondern immer das große Ganze im Blick hat, nämlich das Wohl der Truppe, erörtert Markus Zenz. Veteran Flenz plaudert in der Bütt aus dem Nähkästchen, was nicht nur seine Kameraden zum Lachen bringt.

    Showtänze lassen den Atem stocken

    Aber auch tänzerisch haben die Stadtsoldaten viel auf dem Kasten, wie sie zu Guggenmusik zeigen. Die Ausrufezeichen in Sachen Akrobatik und Eleganz setzen die CKG-Prinzengarde, die Mädels des TV Cochem und die Tanzgruppe Moselglück. Göttergleich gewandet, von Feuerwerk unterstützt, wirbeln die TV-Mädels über die Bühne. Hüftenschwingen entfachen die "Möglüs" in grün-schwarzen Fransenhosen das Feuer Brasiliens. Ihre Hebe- und Wurffiguren lassen einem den Atem stocken.

    Und Mosella? Nach einer witzigen Odyssee durchs Schnitzelparadies kommen sie und Vater Rhein zu dem Schluss: "Cochem, wir kommen aus dir, Cochem, wir hängen an dir." Wie ein Schnitzel mitunter an der heißen Pfanne.

    Orden für viele Verdienste

    Den RZ-Orden verlieh die CKG an Sabine Eckerskorn, Heike Heigwer und Susanne Ostermann. Sie arbeiten seit Jahren bei vielen Veranstaltungen in der Maske. Eine großartige tänzerische Leistung zeigte das CKG-Solomariechen Michaela Maibauer, die von Katharina Burg trainiert wird. Mit ihren Tanzgruppen haben die Trainerinnen Karin Esper (Prinzengarde und TG Moselglück), Sonja Ohlberger (Stadtsoldaten), Nicole Fiedermann (TV Cochem) und Heike Wagner (TG Moselglück) Beachtliches geleistet – ebenso wie die Kostümschneiderinnen. dad

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