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  • Bestandsgaranten für Büchel? Tornados sollen länger fliegen

    Berlin/Büchel. Aufmerksam verfolgt man in der Eifel rund um Büchel jede Meldung, die sich auf den Bestand des Bundeswehrstandortes auswirken könnte. Jetzt gibt es Neues, was die Nutzungsdauer des dort stationierten Kampfjets Tornado angeht.

    Der Tornado ist das Symbol der aktuellen Leistungsfähigkeit des Fliegerhorstes Büchel. Dieses ausgemusterte Exemplar des Kampfjets wacht nun über den Eingang.
    Der Tornado ist das Symbol der aktuellen Leistungsfähigkeit des Fliegerhorstes Büchel. Dieses ausgemusterte Exemplar des Kampfjets wacht nun über den Eingang.
    Foto: Bundeswehr

    Von Dieter Junker

    In der Großen Koalition gibt es Überlegungen, die Nutzungsdauer des Tornados deutlich zu verlängern. nicht zuletzt, um auch die nukleare Teilhabe Deutschlands mit dem Waffensystem aufrechtzuerhalten. Entsprechende Absichten sind aus den Reihen der beiden Regierungsfraktionen gegenüber der Rhein-Zeitung bestätigt worden. Bisher hieß es, dass der Tornado bis zum Jahr 2025 genutzt werden solle. Bei der Opposition stoßen die jüngsten Pläne auf scharfe Kritik.

    "Ich kann bestätigen, dass es in der Luftwaffe Überlegungen gibt, den Tornado noch bis mindestens 2035 in Nutzung zu halten", heißt es vom zuständigen Fachreferenten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf eine Anfrage der RZ. Und aus der SPD-Bundestagsfraktion teilt der Referent der Arbeitsgruppe Sicherheits- und Verteidigungspolitik mit, dass es Überlegungen und unterschiedliche Szenarien gibt, wie es mit dem Tornado und dem Standort Büchel nach 2025 weitergehen kann.

    Eurofighter kann nicht all das, was der Tornado kann

    Grundlage für diese Überlegung ist die Tatsache, dass der Eurofighter nicht das gesamte Fähigkeitsspektrum des Tornados ersetzen kann. Konkret ausgedrückt: Das Nachfolge-Waffensystem des Tornado ist nicht als Trägersystem für nukleare Aufgaben ausgelegt. Ob die Aufrechterhaltung der nuklearen Teilhabe eine Rolle bei diesen Überlegungen spielt, beantwortet der SPD-Fachreferent mit einem klaren Ja.

    Die Diskussion über die Nutzungsdauer des Waffensystems Tornado läuft schon seit Längerem. Sie wird in der Eifel besonders aufmerksam verfolgt, da das System vor allem im Fliegerhorst Büchel stationiert ist. Derzeit werden die 85 Tornados, die die Bundeswehr im Dienst halten will, modernisiert. Das entsprechende Programm trägt die Bezeichnung "Avionic System Software for Tornado in Ada 3" (ASSTA 3).

    In reduzierter Stückzahl geht's über das Jahr 2025 hinaus

    In einem Bericht des Verteidigungsministeriums über die Zukunft des Waffensystems Tornado vom Oktober 2011 war mitgeteilt worden, dass der Tornado bis voraussichtlich 2025 unter anderem als Trägerplattform für die nukleare Teilhabe eingesetzt werden soll. In einer Antwort auf eine Anfrage im Deutschen Bundestag im September 2012 teilte der damalige Parlamentarische Staatssekretär Christian Schmidt mit, dass der Tornado in reduzierter Stückzahl auch über 2025 hinaus genutzt werden soll.

    Bei Bündnis 90/Die Grünen stoßen die jüngsten Pläne auf deutliche Ablehnung. "Überlegungen, die Laufzeit des Tornados zu verlängern, um weiterhin US-amerikanische Atomwaffen verbringen zu können, erteilen wir eine klare Absage", macht der Bundestagsabgeordnete Tobias Lindner unmissverständlich deutlich. Sicherheitspolitisch unnötig sei es aus Sicht der Grünen, neben dem Eurofighter den Tornado für die nukleare Teilhabe beizubehalten. Und im Übrigen, so Lindner, "pure Geldverschwendung". "Unsere Position ist in dieser Frage eindeutig: Die Bundesrepublik soll die nukleare Teilhabe schnellstmöglich beenden und das dafür vorgehaltene Gerät außer Dienst stellen", betont Lindner, der Mitglied im Verteidigungsausschuss ist.

    Nassauer: "Luftwaffe kann die Nutzungsdauer selbst steuern"

    Dass 2025 garantiert nicht das Ende der Fahnenstange bei der Nutzung des Tornados ist, davon ist Otfried Nassauer überzeugt. Der Leiter des Berliner Informationszentrums für transatlantische Studien (Bits) ist ausgewiesener Fachmann für sicherheitspolitische Fragen. Er verweist darauf, dass die Luftwaffe die Nutzungsdauer des Tornados selbst steuern könne, da die garantierte Mindestlebensdauer von Flugstunden bei Weitem noch nicht erreicht sei.

    "2030 ist kein Problem, wenn es bei den bisherigen Flugstundenplanzahlen bleibt, die, falls weitere Modernisierungen durchgeführt werden, in den Modernisierungszeiträumen ja noch einmal sinken werden", rechnet er vor. Garantiert werde eine Mindestlebensdauer von fast 8000 Flugstunden, derzeit hätten erst wenige Tornados 5000 Flugstunden überschritten. Wenn man dann aus Jagel und Büchel, den beiden deutschen Tornado-Standorten, einen Standort mit reduzierter Flugzeugzahl mache, könne man sogar gen 2040 denken, erläutert Nassauer.

    Flugstundenbelastung für einzelne Maschinen gering

    Seinen Informationen zufolge will die Luftwaffe ihre Tornadoflotte pro Jahr insgesamt für 11 500 bis 13 310 Flugstunden nutzen, womit auf jedes Flugzeug durchschnittlich rechnerisch zwischen 135 und 157 Flugstunden jährlich entfielen. Allerdings weist Nassauer darauf hin, dass die Luftwaffe noch keine detaillierten Untersuchungen über Modernisierungsmöglichkeiten des Tornados nach 2025 angestellt habe.

    Und die Bundesregierung? Dass immer wieder Möglichkeiten durchgeplant würden, bestätigt ein Sprecher des Presse- und Informationszentrums der Luftwaffe in Berlin, doch an Spekulationen werde man sich nicht beteiligen, erklärt dazu ein Sprecher des Verteidigungsministeriums gegenüber der RZ.

    Neuer „Torwächter“ am Haupttor des Fliegerhorstes in Büchel

    Seit vielen Jahren zieren Exemplare aller drei bislang auf dem Fliegerhorst Büchel beheimateten Kampfjets als „Traditionsmaschinen“ den Eingangsbereich hinter der Hauptwache. Seit wenigen Tagen hat auch der erste für die Luftwaffe in Serie gefertigte Tornado mit der Kennung „43 + 01“ dort ihren Platz gefunden.

    Noch kurz vor seiner Außerdienststellung Mitte 2013 war das traditionsreiche Luftfahrzeug mit einer aufwendigen Sonderlackierung zum 55-jährigen Geschwaderjubiläum versehen worden. Beim Familientag auf dem Fliegerhorst punktete der Tornado in der Luft und am Boden als Publikumsmagnet und taugte auch andernorts als begehrtes Fotomotiv.

    Technische Gruppe bereitet den "schwarzen Vogel" auf

    Mit Ablauf der letzten Flugstunde verschwand der „schwarze Vogel“ zunächst in den Hallen des Fliegerhorstes Büchel. Er wurde durch Personal der Technischen Gruppe für seine neue Aufgabe vorbereitet. Wie bei allen „abgeflogenen“ Flugzeugen wurden Kraftstoffreste, Öl und Hydraulikflüssigkeit restlos abgelassen und entsorgt, Triebwerke, Schleudersitze und weitere Teile ausgebaut und verwertet. Anschließend wurde der Jet auf seine neue Aufgabe als „Gateguard“ („Torwächter“) vorbereitet.

    Um nestbauwilligen Vögeln den Zugang zu erschweren, wurden Öffnungen verschlossen, und die Außenhaut wurde gegen Witterungseinflüsse konserviert. So vorbereitet, konnte die Maschine jetzt an die Wache geschleppt und mit einem Schwerlastkran auf ihren Sockel gehoben werden. Dort schließt sie die Lücke zwischen der ersten im Verband geflogenen Maschine, der F-84 F „Thunderstreak“, und deren Nachfolger, der F-104 G „Starfighter“. red

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