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    Cochem-ZellAus Gastarbeitern wurden Moselaner

    Heute pendeln viele Cochem-Zeller zum Arbeiten Richtung Köln, Mainz und Frankfurt. Doch es gab auch Zeiten, in denen Arbeitsmigranten von weit her sich die Mosel zum Ziel setzten: Vor 55 Jahren kamen die ersten Gastarbeiter nach Deutschland, auch nach Cochem oder Bullay, weil hier zu wenig einheimische Arbeitskräfte zur Verfügung standen.

    Sie kamen ohne Sprachkenntnisse, aber mit viel Mut: Wie Umberto Padovano (vorne im schwarzen Jackett) ließen die ersten Gastarbeiter in den 60ern ihre Familie in der Heimat zurück, um in Deutschland etwas Neues auszuprobieren. Die Fastnacht half dabei, sich flugs einzuleben.
    Sie kamen ohne Sprachkenntnisse, aber mit viel Mut: Wie Umberto Padovano (vorne im schwarzen Jackett) ließen die ersten Gastarbeiter in den 60ern ihre Familie in der Heimat zurück, um in Deutschland etwas Neues auszuprobieren. Die Fastnacht half dabei, sich flugs einzuleben.
    Foto: privat

    Cochem-Zell - Heute pendeln viele Cochem-Zeller zum Arbeiten Richtung Köln, Mainz und Frankfurt. Doch es gab auch Zeiten, in denen Arbeitsmigranten von weit her sich die Mosel zum Ziel setzten: Vor 55 Jahren kamen die ersten Gastarbeiter nach Deutschland, auch nach Cochem oder Bullay, weil hier zu wenig einheimische Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Ende Dezember 1955 schloss die Bundesrepublik Deutschland ein entsprechendes Abkommen mit Italien, ab 1960 folgten ähnliche Verträge mit Griechenland, der Türkei, Portugal und anderen Staaten. Einer der ersten türkischen „Gäste“ muss Ahmed Bulut gewesen sein, meint Tochter Meryem Aydin, die in Bullay lebt: „Er wurde am Bahnhof mit Trompete begrüßt.“

    Die heute großen Unternehmen der Region wie Glunz und Zeller Plastik brauchten damals zwar noch keine Gastarbeiter. Doch andere waren an der Mosel schon sehr aktiv und brauchten dafür Hilfe aus dem Ausland: In Bullay gab es nicht nur die Schokoladenfabrik Dr. Hans Imhoff, der später in Köln Stollwerck kaufte, sondern die Schwestern Schewe ließen auch Wäsche nähen. Beschäftigt waren zeitweise um die 100 Frauen, viele aus Portugal und Griechenland, sagt der Bullayer Bürgermeister Matthias Müller. Schon in den 60ern war der Kaiser-Wilhelm-Tunnel eine Baustelle, in der etwa Ahmed Bulut Wände mit Beton ausspritzte. Und natürlich gab es Tourismus und Gastronomie. Auch wenn die Einwohnermeldestatistik keine Auskunft darüber gibt, wovon wer hier lebte, lassen Zahl und Herkunft der gemeldeten Ausländer vermuten, dass viele von ihnen Gastarbeiter waren: 1961 lebten 365 Ausländer in Cochem-Zell, 1965 waren es 659, informiert das Statistische Landesamt. 1973 beschloss die Bundesrepublik einen „Anwerbestopp“, nach 1974 stieg die Ausländerzahl erst mal nicht mehr.

    Viele kehrten zurück, einige blieben und meisterten ein multikulturelles Leben an der Mosel, oft ohne Sprachkurs. „Sie haben sich integriert, obwohl man sich politisch nicht bemüht hat, sie einzubinden“, sagt Müller. Obwohl das Ziel der Gastarbeiter oft war, Geld für ein Haus in der Heimat zu verdienen, halten sie jetzt ihre hier aufgewachsenen Kinder hier. Die von Meryem Aydin sprechen beide Sprachen, chatten mit Freunden in der Türkei, wollen aber hier leben. Aydin zeigt sich ihnen gegenüber „entgegenkommend“. Sie weiß noch, wie es war, auf den Weinfesten nur in Begleitung ihres Bruders bleiben zu dürfen. Und wie viel es ihre Mutter Sise gekostet hat, sie überhaupt ausgehen zu lassen.

    Dorothea Müth

    Danke heißt: Tesekkür ederimSein Herz schlägt neapolitanischSo wird eine Familie deutsch-türkischMeryem Aydin lebt gern an der Mosel - mit allem PipapoVom Abkommen zum Anwerbestopp
    Cochem Zell
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