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    Dohr50 Grundschuljahre voller Geschichte(n)

    Es ist Mittwoch, 10 Uhr. In der Grundschule Dohr hat gerade die dritte Stunde begonnen. Frau Haase und ihre Schüler haben sich einen gern gesehenen Gast eingeladen: Peter Gärtner, der ehemalige Schulleiter, soll den Kindern Geschichten von früher erzählen. Am Samstag, 26. März, wird in Dohr nämlich 50-jähriges Jubiläum gefeiert und aus diesem Anlass setzen sich die Kleinen in verschiedenen Projekten mit der Geschichte der Schule auseinander.

    Lehrer und Freiwillige leiteten eine Projektwoche zum 50-jährigen Bestehen der Grundschule Dohr. Peter Gärtner (rechts) erzählte Schülern Geschichten von früher. In Händen hält er die Schulchronik, die er mitverfasst hat.
    Lehrer und Freiwillige leiteten eine Projektwoche zum 50-jährigen Bestehen der Grundschule Dohr. Peter Gärtner (rechts) erzählte Schülern Geschichten von früher. In Händen hält er die Schulchronik, die er mitverfasst hat.
    Foto: Anne Koark

    Dohr - Es ist Mittwoch, 10 Uhr. In der Grundschule Dohr hat gerade die dritte Stunde begonnen. Frau Haase und ihre Schüler haben sich einen gern gesehenen Gast eingeladen: Peter Gärtner, der ehemalige Schulleiter, soll den Kindern Geschichten von früher erzählen. Am Samstag, 26. März, wird in Dohr nämlich  50-jähriges Jubiläum gefeiert und aus diesem Anlass setzen sich die Kleinen in verschiedenen Projekten mit der Geschichte der Schule auseinander.

    Diese begann mit der Einweihung im Jahr 1961. Die alte Schule war so baufällig geworden, dass sich eine Renovierung nicht mehr lohnte. 96 Schüler aus Brauheck und Dohr, sowie drei Lehrer beherbergte das neue Gebäude im ersten Jahr. Bis 1970 wurden die Konfessionen dort getrennt unterrichtet: in einer zweiklassigen katholischen Volksschule und einer einklassigen evangelischen Volksschule. Ursprünglich hatte der Schulausschuss Albertus-Magnus als Namenspatron auserkoren, doch damit waren die evangelischen Eltern gar nicht einverstanden. „Es war allein eine Glaubensfrage, dass Protestanten keinen katholischen Heiligen sondern einen neutralen Namen haben wollten“, erzählt Gärtner. Und so gingen die Kinder aus Brauheck und Dohr seit 1961 schlicht zur  Verbandsschule Cochem-Dohr. Im neuen Gebäude standen drei von sechs Räumen zunächst leer, deshalb war  hier ein paar Jahre zusätzlich auch noch eine amerikanische Schule untergebracht, die von Kindern amerikanischer, in Brauheck  und Büchel stationierter Soldaten, besucht wurde.

    In Dohr gingen Mädchen und Jungen von Anfang an in die selbe Klasse. Schulstunden waren damals noch 60 Minuten lang. Unterrichtet wurden fast die gleichen Fächer wie heute. Neben Deutsch, Mathe und Sachunterricht gab es aber auch Handarbeiten für die Mädchen und Werken für die Jungs.

    1968 wurde in Cochem eine katholische Volksschule gegründet, die ein Jahr später zur christlichen Gemeinschaftsschule umfunktioniert wurde. Dies hatte zur Folge, dass Dohrer Schüler die 5.-8. Klasse von da an in Cochem absolvierten. Dadurch gingen die Schülerzahlen für ein paar Jahre etwas zurück, bis im Jahr 1972 mit 208 Kindern ein neuer Höchststand erreicht war. Der Grund: Weil die Grundschule Faid in diesem Jahr geschlossen worden war, kamen die Faider Kinder von nun an  nach Dohr.

    1972 war auch das Jahr, in dem Peter Gärtner nach Dohr wechselte. Seine alte Schule in Briedern, in der er acht Jahre lang Leiter gewesen war und als einziger Lehrer acht Jahrgangsstufen unterrichtet hatte, war ebenfalls geschlossen worden. Als Konrektor trat er zunächst die Nachfolge des verstorbenen Hans Palapies an. Zusammen mit seiner Familie bewohnte er das Erdgeschoss des angrenzenden Lehrerhauses. Oben drüber hatte Rektor Paul Fischer seine Wohnung. Der Schulleiter mochte es, wenn alles seinen geordneten Lauf nahm. Klassenfahrten zum Beispiel, konnte er gar nicht gut heißen. Das hielt Gärtner dennoch nicht davon ab, regelmäßig mit seinen Schülern für mehrere Tage wegzufahren, bevorzugt in Jugendherbergen. „Ich habe manchmal nächtelang nur eine Stunde geschlafen. Und morgens habe ich die Schüler dann mit der Trillerpfeife geweckt“, erinnert er sich. Aber auch Lesenächte in der Turnhalle veranstaltete er mit seinen Schülern.

    Als Rektor Fischer 1981 in Rente ging, wurde Gärtner dessen Nachfolger. Als Schulleiter erlebte er mit, wie seit 1989 immer mehr Aussiedler nach Brauheck und Umgebung zogen. Viele von ihnen schickten ihre Kinder an die kleine Grundschule. „Wir hatten Schüler aus den unterschiedlichsten Nationen, zum Beispiel aus Russland, Polen oder Kasachstan. Manchmal kamen jeden Tag neue Kinder, das war viel, viel Arbeit“, erinnert sich Gärtner. Weil die meisten von ihnen am Anfang kein Wort Deutsch sprachen, bekamen sie separaten Deutschunterricht. Und Gärtner besuchte sogar einen Russischkurs.

    Seit 2000 nahm die Zahl der Aussiedlerkinder langsam ab. 2003 ging der Schulleiter in Rente. Lehrersein beschreibt er noch heute als seinen Traumberuf. „Wenn ich noch einmal auf die Welt kommen würde, ich würde es wieder machen“, sagt er. Zu sehen wie die Schüler sich entwickeln, ihre Erfolge mitzuerleben, das war für ihn das Schönste.  

    In der Klasse von Frau Haase hat die Glocke mittlerweile das Stundenende angekündigt. Viele Geschichten von früher hat Herr Gärtner den Kindern der Projektgruppe erzählt. Doch auch die Schüler wussten einiges zu berichten, von den Anekdoten, die sie in den letzten Tagen gehört hatten. Etwa die Geschichte mit Fräulein Gärtner: Als Franz-Josef Sabel, Gärtners Nachfolger, den Englischunterricht von Frau Jung besuchen wollte, hatte diese ihren Schülern eingebläut, den Schulleiter bloß nicht mit „Good morning Mr. Gärtner“ zu begrüßen. Das haben die Schüler wohl ein wenig falsch verstanden. Denn als Herr Sabel die Klasse betrat, sagten sie im Chor: „Good morning, Miss Gärtner.“  

    50 Jahre Grundschule Dohr, 50 Jahre voller abenteuerlicher, lustiger aber auch nachdenklich machender Geschichten. Damit diese Erzählungen nie verloren gehen, wurden sie von den Schülern der Projektgruppe aufgeschrieben. Beim Schulfest am Samstag können sich Besucher die Ergebnisse anschauen und den Kindern dabei zuhören, was sie nun alles zu erzählen haben.

    Von unserer Mitarbeiterin Anne Koark

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