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  • Tierisch Hund war vermutlich illegal importiert worden

    Von Polizei auf B9 angeschossen: Hund überlebte, verlor aber ein Bein [Update]

    Andernach. Das Schicksal eines Hundes bewegt viele Menschen: An Schwerdonnerstag hat die Polizei nach mehreren Fangversuchen einen freilaufenden Hund auf der B 9 angeschossen. Der Chow-Chow hat überlebt, allerdings musste ihm ein Bein amputiert werden.

    Im Andernacher Tierheim erholt sich der Bea getaufte Chow-Chow von der Amputation seines rechten Vorderlaufs. Am Schwerdonnerstag hatte die Polizei ihn auf der B 9 mit einem gezielten Schuss gestoppt. 
    Im Andernacher Tierheim erholt sich der Bea getaufte Chow-Chow von der Amputation seines rechten Vorderlaufs. Am Schwerdonnerstag hatte die Polizei ihn auf der B 9 mit einem gezielten Schuss gestoppt. 
    Foto: Michael Fenstermacher

    Auf drei Pfoten humpelt Bea, so hat das Tierheim die Hündin getauft,  auf Sabine Poller zu und holt sich eine Streicheleinheit ab. Zu der erfahrenen Tierpflegerin im Tierheim Andernach hat die 14 Monate alte Chow-Chow-Hündin schnell Vertrauen gefasst, die seit Montagabend im Empfangsbereich der Einrichtung lebt und sich von den Strapazen der vergangenen Tage und der Amputation ihres rechten Vorderlaufs erholt. Durch den Schuss wurde der Vorderpfotenwurzelknochen zertrümmert und das Bein war nicht mehr zu retten.

    „Für sie ist es gut, dass sie jetzt bei uns ist – auch wenn sie an diesem Tag viel Pech hatte“, meint die Pflegerin. Während die Meldung unserer Zeitung zu dem Polizeieinsatz auf Facebook teils mit drastischen Worten geäußerte Kritik einzelner Kommentatoren am Verhalten der Beamten hervorrief, gibt Sabine Poller sich zurückhaltender. „Ich kann die Situation nicht beurteilen, hätte mir aber gewünscht, dass wir verständigt worden wären“, sagt sie. Sie selbst habe durch ihre Mitarbeit bei der Tierrettung Koblenz Erfahrung mit dem Einfangen von Tieren. „Dazu war keine Zeit, die Kollegen mussten die Gefahren abwägen und sich entscheiden“, entgegnet  Thomas Reuter, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Andernach. Zunächst hätten sie alles darangesetzt, das aufgescheuchte Tier einzufangen, dabei sei eine Polizistin sogar gebissen worden. Schließlich hätten die Beamten dann „einen Schlussstrich ziehen“ müssen, sagt Reuter. „Wenn so ein relativ großer Hund vor ein kleines Auto läuft, das mit hoher Geschwindigkeit unterwegs ist, kann das für den Fahrer gefährlich werden“, erklärt er. Auch einen schweren Auffahrunfall hätte man nicht ausschließen können, wenn der Hund an den im Rückstau stehenden Autos vorbei in den fließenden Verkehr geraten wäre. Bei der Polizei direkt habe sich im Übrigen niemand über deren Vorgehen beschwert, berichtet Reuter.

    Unterdessen geht die Polizei konkreten Hinweisen auf den Halter des Hundes nach, der für den Einsatz und die Kosten der Not-OP aufkommen müsste. Wohl deshalb habe sich der Mann aus Mülheim-Kärlich noch nicht dazu bekannt, dass es sich bei Bea um seinen Hund handelt, vermutet auch Thomas Reuter. Höchst verdächtig hatte sich der Mann aber kurz vor dem Einsatz durch einen Anruf im Tierheim gemacht, als er einen erst einen Tag zuvor gekauften Chow-Chow als vermisst meldete, berichtet Sabine Poller. „Wenig später rief er dann an und behauptete, er wisse nun, wo der Hund sei“, fügt sie hinzu. Gegen das Tierschutzgesetz habe der Mann zudem auch verstoßen, indem er Bea offensichtlich illegal kaufte. Denn sie ist laut der Pflegerin nicht geimpft, nicht registriert und nicht gechippt. „An ihrem Fell erkennt man, dass sie schon vorher in keinem guten Zustand war“, erklärt Poller
    Einen Hinweis auf Beas Herkunft erhielt das Tierheim von einer Tierschützerin aus der Region Siegen, die gegen die illegale Einfuhr und den Handel unregistrierter Rassehunde aus dem Ausland vorgeht. „Sie stammt aus Rumänien und hatte noch im Dezember einen Wurf“, ist sich die Frau, die anonym bleiben will, im Gespräch mit der RZ sicher. Über ein Kleinanzeigenportal im Internet sei Bea angeboten worden – für 200 Euro. „Dabei müsste ein Chow-Chow mit ordentlichen Papieren 2000 Euro kosten“, stellt die Tierschützerin klar. Bea, die sich schon relativ gut  erholt hat, darf unter der liebevollen Obhut Sabine Pollers nun weiter zu Kräften kommen. Vermittelt würde sie nur in ein absolut passendes Umfeld bei seriösen Liebhabern der chinesischen Rasse.

    Von unserem Redakteur Michael Fenstermacher

    [Update:] Da auch der aktuelle Artikel viel Aufmerksamkeit bekommen hat - vor allem im Internet - hat sich die Polizei Andernach am Donnerstagmorgen noch mal mit einer Pressemitteilung an die Bevölkering gewandt:

    Die Reaktionen im „Netz“ sind dabei überwiegend ermutigend und positiv. Die Menschen kennen an, dass ein Schusswaffengebrauch bei der Polizei Rheinland-Pfalz ein seltenes Ereignis darstellt. Dies auch, weil unsere Ausbildung gerade in diesem Bereich hervorragend ist und alles versucht wird, um den Einsatz dieses letzten Mittels zu verhindern. Eine vorsichtige Annäherung, das Einfangen mit Hundefangschlaufe und letztlich bloßes „Vertreiben“ des Hundes auf der B 9 - all das wurde versucht - ist aber nicht gelungen.

    Die vielen Menschen, die z.B. über die Facebook-Seite des Tierheims in Andernach diese Bemühungen honorieren, freuen uns. Und wir möchten diese Pressemitteilung auch dazu nutzen, uns bei den Menschen zu bedanken, die sich differenziert mit dieser schwierigen Einsatzlage auseinandersetzen. Zur Wahrheit gehört auch, dass wir auf unflätige Beleidigungen reagieren werden. Die Beleidiger, die uns teilweise darauf hinweisen, dass wir auch eine Anzeige erstatten können, werden bei Gelegenheit Post von der Polizei bekommen. In diesen Fällen zeigt sich, dass die digitale Welt durchaus mit der realen verbunden ist.

    Nach Schuss auf der B9: Hündin Bea hat ein neues ZuhauseAusgebüxt: Was tun, wenn der Hund plötzlich weg ist?Nach Schuss auf Hund: Mann beleidigt Polizisten bei Facebook - Strafverfahren eingeleitetHund legt Verkehr auf B 9 lahm: Polizei muss schießen
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