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    Kruft/Paray-Vieille-PosteStädtepartnerschaft seit 50 Jahren: Freunde aus Kruft und Paray feiern Jubiläum

    Das Gastgeschenk aus Kruft – eine Glasstele, auf der französische Tricolore und Schwarzrotgold sich symbolisch vereinigen – ist bereits eingepackt. Am morgigen Freitag früh geht es, begleitet von einer gut 40-köpfigen Delegation aus Verwaltung, Rat und Partnerschaftsverein, auf die Reise nach Paray-Vieille-Poste. 50 Jahre Partnerschaft mit der Pellenzgemeinde, dieses Jubiläum wird am Wochenende in dem Ort, der direkt an den Flughafen Paris-Orly grenzt, gefeiert. Auch der Spielmannszug der Feuerwehr Kruft ist dabei.

    Eine Glasstele überreichen Günter Klein vom Partnerschaftsverein (rechts) und Ortschef Rudolf Schneichel in Paray als Gastgeschenk.  Foto: Fenstermacher
    Eine Glasstele überreichen Günter Klein vom Partnerschaftsverein (rechts) und Ortschef Rudolf Schneichel in Paray als Gastgeschenk.
    Foto: Fenstermacher

    Über Höhen und Tiefen der Partnerschaft hat die Rhein-Zeitung mit Beteiligten gesprochen und im Archiv gestöbert:

    Anfänge: Beruht eine der ältesten Partnerschaften im Kreis MYK auf einem Zufall? Winfried Schilberz, langjähriger Vorsitzender des Partnerschaftsvereins, kennt die Geschichte nur vom Hörensagen, die Beteiligten kann man nicht mehr fragen. Doch die Handballabteilung des TV Kruft soll sich Mitte der 60er-Jahre mit dem Bus auf dem Weg nach Burgund, der rheinland-pfälzischen Partnerregion, befunden haben. Nur versehentlich sei man auf der Suche nach Spielpartnern in Paray gelandet. Fest steht aber: Internationale Begegnungen zwischen dem TV Kruft um Abteilungsleiter Jacob Ferber und dem Sporting-Club Paray legten den Grundstein für die offizielle Freundschaft, die am 17. Juni 1967 in Kruft besiegelt wurde. Und nachdem Maire Pierre Bouguet und Ortsbürgermeister Kaspar Schmitz die Urkunde besiegelt hatten, gingen die Feierlichkeiten mit einem internationalen Handballturnier weiter.

    Ein Hoch auf die Freundschaft: Ortschef Paul Werner Kohns und Amtskollege Pierre Bouguet (3. und 4. von rechts) heben 1971 das Glas. Neben Kohns steht Fahrer Jügen Bartelt, der wenig später bei einem Autounfall ums Leben kommt. 
    Ein Hoch auf die Freundschaft: Ortschef Paul Werner Kohns und Amtskollege Pierre Bouguet (3. und 4. von rechts) heben 1971 das Glas. Neben Kohns steht Fahrer Jügen Bartelt, der wenig später bei einem Autounfall ums Leben kommt. 
    Foto: privat

    Schicksalsschläge: Den 17. November 1971 wird Paul Werner Kohns, seinerzeit Orts-, später VG-Bürgermeister, nie mehr vergessen. Denn er sitzt als Begleiter hinten in dem Auto, das Parays Bürgermeister Bouguet und seinen Dolmetscher nach einem Kruft-Besuch zum Flughafen Frankfurt bringen soll. Bei Bendorf, kurz vor der Autobahnauffahrt, verliert Jürgen Bartelt, seinerzeit ein bekannter Rennfahrer und für die Partnerschaft engagiert, am Steuer die Kontrolle über den Wagen, der sich überschlägt und total zertrümmert liegen bleibt. Bartelt und Dolmetscher Roger Adolphe-Bérard erliegen ihren schweren Verletzungen. Bouget und Kohns kommen ins Krankenhaus, sind zu schwer verletzt, um an den Beisetzungen teilzunehmen, was Kohns bis heute bedauert. Als enorm Trost spendend empfand er jedoch einen Brief, den Bouguet noch im Bendorfer Krankenhaus verfasste um für die Hilfsbereitschaft der deutschen Freunde zu danken. Ebenso Tragisches ereignet sich 15 Jahre später bei der gemeinsamen Ferienfreizeit von Kindern aus Kruft und Paray in den französischen Alpen. Ein zehnjähriges Mädchen fällt so unglücklich in eine Glastür, das es im Krankenhaus stirbt – für den damaligen Beigeordneten Schilberz „der schlimmste Tag in meiner ganzen Tätigkeit“, wie er später in einem RZ-Interview bekennt. Doch auch hier verbindet die gemeinsame Trauer: Noch immer besucht die Delegation aus Paray bei jedem Besuch das Grab mit Blumen.

    Heitere Stunden: Das gemeinsame Feiern und Genießen prägt von Beginn an die Freundschaft. Paul Werner Kohns erinnert sich an stundenlange mehrgängige Bankette in Paray, aber auch daran, dass ein weit weniger feudales Festessen, zu dem die Krufter eingeladen hatten, die Kommunalaufsicht wegen der Ausgaben auf den Plan rief. Weniger formell geht es bis heute vor allem bei zwei jährlichen Anlässen zu: dem Karneval in Kruft, bei dem stets eine Gruppe aus Paray tüchtig mitfeiert und dem Fest der Vereine in Paray: „An unserem Stand mit Bier aus der Eifel ist dort immer am meisten los“, berichtet Günter Klein, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins. Und dem tragischen Unglück vor mehr als 30 Jahren zum Trotz: Für die acht- bis zwölfjährigen Teilnehmer sind die zweiwöchigen Freizeiten in Mont Saxonnex, wo die Gemeinde Paray ein eigenes Ferienhaus betreibt, über Jahrzehnte ein großes Abenteuer. „Viele sind dann später gern als Betreuer mitgefahren“, sagt Ortsbürgermeister Rudolf Schneichel, der es besonders bedauerlich findet, dass die Freizeit nun im zweiten Jahr in Folge mangels Interesse ausfallen muss. Aber das Urlaubsverhalten von Familien habe sich eben geändert, die Bereitschaft, den Nachwuchs eine Zeit lang loszulassen sei kaum noch vorhanden.

    1977 bestaunen unter anderem Kohns, nun VG-Bürgermeister, und Nachfolger Franz Reiff (3. von rechts), ein Geschenk aus Paray zum Zehnjährigen der Partnerschaft. 
    1977 bestaunen unter anderem Kohns, nun VG-Bürgermeister, und Nachfolger Franz Reiff (3. von rechts), ein Geschenk aus Paray zum Zehnjährigen der Partnerschaft. 
    Foto: privat

    Perspektiven: Wie viele Vereine kämpft auch der Partnerschaftsverein mit einer Überalterung der Mitglieder. Dass kein Schüleraustausch möglich ist, weil es in Kruft an einer weiterführenden Schule fehlt, bedauert Günter Klein in diesem Zusammenhang, erkennt aber auch an, dass die meisten jungen Leute ganz selbstverständlich international denken. Um die Gefahr eines Krieges in Europa zu bannen, brauche es die Partnerschaft vielleicht nicht mehr, meint Klein. „Aber zu erkennen, das Leute, die eine andere Sprache sprechen, Freunde sein können, ist nach wie vor wichtig“, sagt Klein und sieht durchaus Parallelen zur aktuellen Flüchtlingsdebatte.

    Von unserem Redakteur Michael Fenstermacher

     

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