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    Kreis MYKPreisdruck bei der Milch ärgert die Bauern im Kreis MYK

    Ein Liter frische Vollmilch im verschließbaren Tetrapack kostet beim Discounter heute 59 Cent. Darüber freut sich der Verbraucher. Doch der Landwirt als Erzeuger erhält von seiner Molkereigenossenschaft für einen Liter Rohmilch nur 31 Cent, Tendenz fallend.

    Zeitumstellung: Melkzeit wird angepasst
    Foto: DPA

    Von unserem Mitarbeiter Heinz Israel

    Durch die aktuelle politische Entwicklung öffnet sich die Schere zwischen den Erzeugerkosten und dem Erlös weiter. Sie bringt besonders die Bauern in arge Bedrängnis, die Entwicklungsschritte vollzogen und in ihren Betrieb investiert haben.

    Die derzeit herrschende Lage auf dem Milchmarkt ist gekennzeichnet durch den bevorstehenden Wegfall der Milchquote und das von Russland verhängte Importverbot für Milch aus der EU. Gerade Letzteres macht den Landwirten aktuell zu schaffen: Aufgrund der Ukraine-Krise hat die EU Sanktionen gegen Russland verhängt. Das reagierte seinerseits mit Importbeschränkungen für verschiedene Produkte, darunter Milch, und fällt somit als Abnehmer dafür aus. All dies wirke sich auf den Milchmarkt aus, erklärt Manfred Ludwig vom Schnürenhof bei Monreal.

    Sein Familienbetrieb hat 70 Milchkühe im Stall. "Das Überangebot an Milch wird von den wenigen Aufkäufern der Lebensmittelbranche gnadenlos ausgenutzt", ärgert sich Ludwig. So bewertet das auch Wolfgang Karbaum, Milchbauer aus Vallendar. Die Discounter gäben mit ihrem Verhalten das völlig falsche Signal. "Die Anliegen des Umwelt- und Tierschutzes und das Thema Nachhaltigkeit werden immer höher bewertet und im Gegenzug die Preise gesenkt, sodass das System nicht mehr funktioniert", gibt der Landwirt zu bedenken.

    Karbaum ist Vizekreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes und kennt die Sorgen seiner Berufskollegen. Der Verbraucher müsse sich doch fragen, wie es sein könne, dass trotz der hohen Anforderungen das Produkt Milch geradezu verramscht werde.

    "Kostendeckend ist das jetzt schon nicht mehr", stellt Manfred Ludwig fest. Betriebe, die nicht investiert hätten, kämen mit den Erlösen gerade noch zurecht, um die Tiefpreisphase zu überbrücken. Doch die meisten Betriebsführer hätten viel Geld in die Modernisierung gesteckt, und bei denen rechne sich das nicht mehr. Ein Auffangen der Defizite durch Erträge aus dem Ackerbau schied in diesem Erntejahr aus, weil die Preise für andere Agrarprodukte durchweg fielen und die Erträge, beispielsweise bei Getreide, wegen der nassen Witterung bis zu einem Drittel niedriger ausfielen.

    Manfred Ludwig sieht einen Hoffnungsschimmer für den Fall, dass die Importhürden Russlands fallen und der Bedarf wieder ansteigt. Er vergleicht die Marktsituation mit einem Autohändler, der mehrere Fahrzeuge im Hof stehen hat, die er unbedingt loswerden will. So etwas drücke auf den Preis. Wolfgang Karbaum meint, die Landwirte hätten nur geringe Chancen, der Entwicklung wirksam zu begegnen. Denn die Preise würden vom Markt und der Politik bestimmt. "Ich kann meine Kühe nicht gerade mal abschaffen", erklärt der Landwirt. "Wir müssen einfach weitermachen, denn die Erlöse bestimmen ja das Familieneinkommen und die Liquidität des Betriebes", sagt Karbaum. Bei einem bisher recht ausgeglichenen Markt habe die Russland-Krise das Fass zum Überlaufen gebracht. "Es ist schlimm, dass die Landwirtschaft eine politische Krise ausbadet", ärgert sich der Landwirt.

    Herbert Netter von der Geschäftsstelle des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, schätzt, dass die negative Preisentwicklung bei der Milch noch weitergeht. "Am 1. April fällt die Quote, und wir befürchten, dass dies der Handel nutzt und die Preise nochmals senkt", so der Pressesprecher des Verbandes.

    Mayen-Andernach
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