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    MayenJupp Wagner ist tot – Gourmet Wagner lebt

    Jupp Wagner ist tot - Gourmet Wagner lebt. Ganz in diesem Sinne haben sich die Mitarbeiter des weithin populären Mayener Kochs nach dessen Tod Ende Oktober daran gemacht, sein Lebenswerk fortzusetzen.

    Jupp Wagner (links) und sein Küchenchef Christian Jurecz im Februar 2013. Wagner (im Oktober 2015 verstorben) baute schon lange auf den Koch auf dem Westerwald und machte ihn 2012 zum Teilhaber. Foto: Peter Seydel
    Jupp Wagner (links) und sein Küchenchef Christian Jurecz im Februar 2013. Wagner (im Oktober 2015 verstorben) baute schon lange auf den Koch auf dem Westerwald und machte ihn 2012 zum Teilhaber.
    Foto: Peter Seydel

    Von Christian Lindner

    Christian Jurecz, seit 2012 Partner von Jupp Wagner und nun alleiniger Inhaber und Chef des bekannten Restaurants in Mayen sowie des gleichnamigen Cateringunternehmens, versichert in einem Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir werden Gourmet Wagner in der bekannten und bewährten Form weiterführen – so wie Jupp Wagner dies auch wollte.“

    Wir treffen Jurecz an einem frühen Nachmittag in seinem Restaurant. Er sitzt mit Serap Boos, Leitende Eventmanagerin bei Gourmet Wagner, am gemütlichen Tisch neben dem Tresen des bekannten Lokals in der Mayener Innenstadt. Restaurantleiterin Marjanne Wagner van Goor, seit 18 Jahre im Haus, deckt die Tafeln für den Abend ein, dabei unterstützt von Kellner Robert Zinck, vielen Stammgästen ebenfalls schon bestens vertraut. Ein Gärtner bringt Kisten voller tiefroter adventlicher Blumengestecke. Auf den Fensterbänken stehen mächtige Rotweinflaschen bekannter Winzer Spalier, etliche davon mit Etiketten, die die Unterschrift des in Mayen aufgewachsenen Schauspieler-Titanen Mario Adorf ziert. In der Küche arbeitet schon jetzt ein Teil der von Jupp Wagner und Christian Jurecz geformten Küchenbrigade, der „Gourmet Bande“, wie Wagner immer sagte. Es riecht nach guten Fonds und frischen Gemüsen. Alles ist wie immer. Einzig: Jupp Wagner ist nicht mehr da.

    In Restaurant, Küche und Catering bleibt es auch nach dem Tod von Jupp Wagner bei der bewährten Mannschaft. So wird Serap Boos (zweite von rechts) als Leitende Eventmanagerin weiterhin für die Caterings zuständig sein. Foto: Peter Seydel
    In Restaurant, Küche und Catering bleibt es auch nach dem Tod von Jupp Wagner bei der bewährten Mannschaft. So wird Serap Boos (zweite von rechts) als Leitende Eventmanagerin weiterhin für die Caterings zuständig sein.
    Foto: Peter Seydel

    Jupp Wagner - der Koch, der Entertainer, der Frontmann, der Dominante, das Original. Jupp Wagner –  das Gesicht, die Seele, die Konstante von Gourmet Wagner: Wie kann es dort ohne ihn weitergehen? Sein Nachfolger Christian Jurecz kennt diese Fragestellung. Sie ist für ihn aber nicht so neu wie für die meisten Gäste, die vom Tod des populären Kochs nach langem Kampf gegen den Krebs mit gerade mal 64 Jahren vielfach geschockt waren. Jurecz berichtet, dass Wagner sein Lebenswerk vor drei Jahren bewusst mit ihm geteilt hat, als er nach etlichen Jahren gemeinsamen Kochens das hinter Gourmet Wagner stehende Unternehmen „W & J Creatives Catering“ gründete und ihn zum Teilhaber machte. W stand und steht für Wagner, J für Jurecz. Mehr noch: Wagner hatte nach Jurecz Worten fest geplant, zum Jahreswechsel 2015/2016 auszusteigen und sein Unternehmen fortan nur noch „als Privatier mit beratender Funktion“ zu begleiten. Krankheit und Tod machten ihm einen finalen Strich durch diese Planung.

    Einige wenige Gäste reagierten verunsichert und stornierten Reservierungen oder gaben Gutscheine zurück. Jurecz und sein Team hingegen trauern zwar nach wie vor, sind aber nicht verunsichert: Sie wollen das Lebenswerk von Jupp Wagner in dessen Sinne bewusst weiterführen. Vieles bleibt so, wie es die Gäste und die Region kennen. „Wir halten an unserem gastronomischen Konzept fest“, erklärt Jurecz, „deutsch-französisch akzentuierte Küche mit vielen Produkten aus der Region“. Die Brigaden in Service und Küche (darunter zwei Küchenmeister und drei selbst ausgebildete Köche) bleiben, ebenso die Zielgruppen, („Jeder, der gutes Essen zu schätzen weiß“), die Öffnungszeiten - und auch die eifeltypische Größe der Portionen, die teils geschätzt werden, aber auch schon mal eine Herausforderung sind. Und der Name des Restaurants? Jurecz muss keine Sekunde überlegen: „Wir arbeiten weiter unter dem Namen Gourmet Wagner. Und auch die Gourmet-Bande wird es weiter geben.“

    Auch nach dem Tod von Jupp Wagner wird bei Gourmet Wagner vieles beim Gewohnten bleiben. Christian Jurecz (Mitte), dort lange Jahre Küchenchef, ist jetzt alleiniger Inhaber und Chef von Restaurant und Catering. Restaurantleiterin Marjanne Wagner van Goor (links) und Kellner Robert Zinck (rechts) werden weiter das Restaurant in Mayen prägen, ebenso die gewohnte Küchenbrigade. Foto: Peter Seydel
    Auch nach dem Tod von Jupp Wagner wird bei Gourmet Wagner vieles beim Gewohnten bleiben. Christian Jurecz (Mitte), dort lange Jahre Küchenchef, ist jetzt alleiniger Inhaber und Chef von Restaurant und Catering. Restaurantleiterin Marjanne Wagner van Goor (links) und Kellner Robert Zinck (rechts) werden weiter das Restaurant in Mayen prägen, ebenso die gewohnte Küchenbrigade.
    Foto: Peter Seydel

    Auch in puncto Michelin-Stern denkt Jurecz ganz in der Tradition von Jupp Wagner. Der hatte sich Anfang der 80er-Jahre einen Stern erkocht, diesen zehn Jahre lang ebenso lässig wie engagiert verteidigt. Dann hatte er genug vom damit verbundenen Druck, auch ging ihm der elitäre Feinschmecker-Zirkus auf die Nerven. Er teilte dem Feinschmeckerführer Guide Michelin mit, dort nicht mehr aufgeführt werden zu wollen - und konnte fortan deutlich fröhlicher und entspannter kochen. Jurecz will dies ebenso halten: „Wir haben kein Interesse an einem Stern. Wir könnten uns ganz sicher einen erkochen, müssten dann aber die Preise anheben, um ihn verteidigen zu können.“ Jurecz trinkt seinen Espresso aus und fügt hinzu: „Ich möchte aber unser Restaurant für alle offenhalten, auch für junge Leute, die gerne gut essen.“

    Hinzu kommt, dass das Restaurant für das Image des Unternehmens zwar wichtig, aber nicht dessen wirtschaftliche Basis ist: Gourmet Wagner macht 200 bis 250 Caterings pro Jahr - und damit etwa 70 Prozent des Umsatzes. Dafür kann Jurecz mit seinen Köchen seit September eine neue, noch gemeinsam mit Jupp Wagner projektierte und geplante Halle mit Produktionsküche im Mayener Industriepark nutzen - und die Taktzahl beim Catering noch einmal erhöhen. Unverändert betrachtet Jurecz das Mayener Restaurant aber auch als „Kreativschmiede“, in dem Innovationen fürs Catering erdacht und im Kontakt mit den Gästen ausprobiert werden.

    Das neue Gesicht von Gourmet Wagner

    Eins aber wird sich für Christian Jurecz ändern: Lange Jahre stand er bei Gourmet Wagner mehr am Herd als an der Gästefront - wo Jupp Wagner in seiner unnachahmlichen Form präsent war. Schon jetzt erlebt die Region, dass Jurecz nun im Restaurant wie im Catering das neue Gesicht von Gourmet Wagner ist - wie etwa jüngst bei der Gala der mittelrheinischen Wirtschaft bei BMW Hanko in Koblenz. „Und wie liegt Jurecz das?“, fragen wir. „Machen Sie sich nun auf, Jupp Wagner kopieren zu wollen?“ „Definitiv nicht“, betont der Koch, der nun alleine die Verantwortung für 17 Festangestellte und bis zu 40 Aushilfen trägt. „Jupp Wagner kann man nicht nachahmen. Ich habe meinen eigenen Stil. Ich werde nicht der Entertainer wie Jupp Wagner sein. Ich möchte aber wie er ein perfekter Gastgeber sein.“

    Souschef Rémy Hennerici, Commis de cuisine David Cichon und ihr Chef Christian Jurecz. Foto: Peter Seydel
 
    Souschef Rémy Hennerici, Commis de cuisine David Cichon und ihr Chef Christian Jurecz. Foto: Peter Seydel  

    Und wie sehr ist der mit Gourmet Wagner seit langem verbundene Promi-Faktor sein Ding? Auch davor ist Jurecz, Boos und Wagner van Goor nicht bang: „Mit Thomas Anders hatten wir in der Küche schon viel Spaß - und Mario Adorf wird garantiert nicht woanders essen, wenn er wieder in Mayen ist.“ Wichtiger aber als Prominenz ist Christian Jurecz die Verpflichtung, die er spürt: „Jupp Wagner hat die Schienen gelegt. Wir werden weiter darüber fahren.“ Ganz in diesem Sinne haben Jurecz und sein Team auch fest vor, die Tradition der legendären Januar-Partys von Jupp Wagner und seiner Schwester Hedy Twardy fortzusetzen - als Charity-Veranstaltung und zum Andenken an Jupp Wagner. Essen und Trinken, Feiern und Tanzen und dabei in froher Runde auch an die vielen Jahre mit Jupp denken: Nicht nur Jurecz ist davon überzeugt, dass Jupp Wagner genau das gefallen würde.

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