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    BassenheimBassenheim: Landarzt verzweifelt gesucht - Ochtendung ist momentan noch relativ gut bedient

    Gesucht wird ein Allgemeinmediziner mittleren Alters, der das Landleben mag und sich gern in einer eigenen Praxis verwirklichen möchte.

    Die komplett ausgestattete Praxis in der Mayener Straße in Bassenheim wäre für einen Nachfolger direkt bezugsbereit.
    Die komplett ausgestattete Praxis in der Mayener Straße in Bassenheim wäre für einen Nachfolger direkt bezugsbereit.
    Foto: Damian Morcinek

    So oder so ähnlich könnte die Stellenanzeige für die komplett eingerichtete Praxis in der Mayener Straße in Bassenheim lauten. Denn seit dem Tod von Dr. Hans-Walter Schürmann, der lange Jahre im Ort als Allgemeinmediziner praktiziert hat, sucht seine Frau händeringend nach einem Käufer für die Räumlichkeiten. Bleibt die Suche erfolglos, wird die Praxis geschlossen. Und dann "hat ein neuer Arzt keine Chance mehr, sich hier niederzulassen, weil die Praxis in den kassenärztlichen Bereich von Koblenz fällt und der dann für uns gesperrt ist", sagt Jürgen Häfner, der Ortsbürgermeister von Bassenheim im Gespräch mit unserer Zeitung. Für das Dorf wäre das ein Schlag, findet der Ortschef, denn: "Ältere Menschen müssten sich dann einen Arzt in Koblenz suchen. Aber die ärztliche Grundversorgung sollte doch im Ort gesichert sein."

    Interessenten gab es schon ein paar. Nur bleiben wollte bisher noch niemand. Auch Dr. Simon Grüß, der die Praxis zurzeit in Vertretung führt, will aus privaten Gründen nicht nach Bassenheim ziehen. Gemeinsam mit seiner Frau und den drei Kindern lebt er in Bonn. Seine Frau arbeitet an der Universität. Eine Verlagerung des Lebensmittelpunktes steht da nicht an. Dazu kommt für den Mediziner noch die enorme Verantwortung, die eine eigene Praxis mit sich bringen würde. "Der Lebenspartner müsste all das mittragen. Das kann sehr belastend sein", sagt Grüß. Zudem hat er Respekt vor all den anfallenden Aufgaben: "Wir sind Mediziner und keine Kaufleute." Die Nähe und das meist sehr persönliche Verhältnis zu den Patienten schätzt er dagegen sehr.

    Die Frist, bis die Praxis in neuen Händen sein muss, hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) auf das Jahresende gesetzt. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte KV-Pressesprecher Dr. Rainer Sauerwein, dass Ärzten innerhalb der ausgeschriebenen Bereiche nicht vorgeschrieben werden könne, wo sie sich niederzulassen haben. "Wir haben häufig das Problem, dass wir beschimpft werden, das wir nichts tun. Aber Ärzte schnitzen können wir auch nicht", erklärt der Sprecher. Wenn sich nicht etwas Grundsätzliches ändert, sieht er gerade auf die ländlichen Bereiche eine große Versorgungslücke zukommen. "Fakt ist: Es gehen mehr Ärzte aus dem Beruf raus, als unten nachrücken." Bei Bassenheim spricht er jedoch noch von einem Sonderfall: "Koblenz ist nicht weit, und dort ist die medizinische Versorgung breit abgedeckt."

    Mediziner Grüß spricht gerade in größeren Städten von einem Trend: "Viele gehen weg vom Einzelkämpfer hin zu Teamplayern. Auf dem Land ist das aber schwierig." Viele Ärzte schließen sich in Fachzentren zusammen und arbeiten dort als Angestellte. So etwas schwebt der Berliner Firma PatioDoc auch für Bassenheim vor. Das Unternehmen will die Praxis in Bassenheim kaufen und einen Mediziner dort anstellen. Projektleiter Michael Rauber erklärt, dass die Unterstützung und Versorgung in weniger gut versorgten Regionen ihre Kernaufgabe ist. "Wir betreiben auch in Koblenz ein medizinisches Versorgungszentrum." Das Unternehmen weiß aus Erfahrung: "Die Ärzte wollen nicht immer den Weg in die Selbstständigkeit wählen." In Bassenheim gab es bereits erste Gespräche mit dem Bürgermeister. Doch übernehmen kann das Unternehmen die Praxis laut KV erst dann, wenn ein Arzt gefunden wurde. "Wir versuchen einen angestellten Arzt zu finden, der dort praktizieren will", sagt Rauber und ergänzt: "Uns ist daran gelegen, dass wir eine Kontinuität haben, um Langfristigkeit zu gewährleisten, um im Sinne der Patienten Vertrauen aufzubauen."

    Ortschef Häfner spricht bei PatioDoc von einem Glücksgriff: "Der Vertreter war bereits zweimal da." Der Ort hat die Hoffnung auf einen neuen Landarzt noch nicht aufgegeben. Auch wenn der alte Arzt nicht einfach zu ersetzen ist, sagt Häfner: "Unser Dr. Schürmann war sehr sozial eingestellt. Er wollte über seinen Praxisdienst hinaus den Menschen helfen. Das macht natürlich nicht jeder."

    Von Damian Morcinek und Nina Borowski

    Ochtendung ist momentan noch relativ gut bedient

    Auch in Ochtendung sind Stimmen wahrnehmbar, die bemängeln, dass es zu wenig Ärzte im Ort gibt. "Ich allerdings bin froh, dass wir noch zwei Mediziner hier haben", sagt Ortsbürgermeisterin Rita Hirsch. Momentan sei Ochtendung noch relativ gut bedient, meint sie. Aber das Dorf sei groß und die ortsansässigen Allgemeinmediziner versorgten auch die nähere Umgebung. Die Situation auf dem Land müsse für Ärzte attraktiver gemacht werden, damit die Versorgung auch künftig gewährleistet ist, sagt Hirsch. afu

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