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  • Andernacher Eugen Schnurr (24) verschwand 2011 – Knochenfund löst Aufregung aus

    Andernach. An einem Donnerstagabend vor zwei Jahren verschwindet der damals 24-jährige Eugen Schnurr spurlos. Bis heute weiß niemand, was damals passiert ist. Vor wenigen Wochen werden  menschliche Knochen im Namedyer Wald gefunden.

    Eugen Schnurr ist seit 2011 vermisst.
    Eugen Schnurr ist seit 2011 vermisst.

    Von unserer Redakteurin Katrin Franzen

    An einem Donnerstagabend vor zwei Jahren verschwindet der damals 24-jährige Eugen Schnurr spurlos. Der Andernacher verlässt am 27. Oktober 2011 sein Elternhaus am Kirchberg, lässt Handy und Portemonnaie zurück - und kehrt nicht wieder heim. Bis heute weiß niemand, was damals passiert ist.

    Vor wenigen Wochen werden an Heiligabend menschliche Knochen im Namedyer Wald gefunden. Das Herz von Marita Sommer* beginnt, heftig zu schlagen. Die 27-Jährige denkt: "Es ist Eugen. Der Hellseher hatte doch recht."

    Marita Sommer gehört zum Freundeskreis von Eugen Schnurr. Die 27-Jährige hatte Eugen vor rund acht Jahren kennengelernt. "Ich mochte ihn von seiner Art sehr gerne. Er war ein sehr Lieber, jeder hat sich mit ihm verstanden."

    Eugen Schnurr litt an Depressionen, erlebte mal leichtere und mal schwierigere Zeiten. Er war sportlich und gerne in der Natur unterwegs. Er ging viel zwischen Weißenthurm und Andernach spazieren, immer am Rhein entlang, oder im Wald oberhalb des Kirchbergs und im Namedyer Wald. Als er an jenem Donnerstagabend nicht zurückkehrt, verschickt ein Kumpel eine SMS im Freundeskreis. "Der Eugen ist weg." Die Suche begann.

    Dass Eugen von jetzt auf gleich verschwand, beschäftigt Marita Sommer bis heute. Sie erzählt, dass sie immer wieder krampfhaft versuchte, nicht mehr darüber nachzudenken und mit der Ungewissheit zu leben. "Aber andererseits hofft man auch, dass es endlich Gewissheit gibt, vor allem für die Eltern." Als sie die Familie wenige Wochen nach dem Verschwinden Eugens besuchte, wirkten die Eltern sehr hilflos, schildert sie.

    Die 27-Jährige beginnt in den Monaten danach, im Internet zu recherchieren. Sie schaut sich in Foren über Parapsychologie um, in denen Menschen hellseherische Fähigkeiten anpreisen. Im Februar 2013 wendet sich Marita Sommer an einen Siegburger Hellseher, der sich auf Vermisstenfälle spezialisiert hat. "Er hatte schon einen Fall vorzuweisen, bei dem er erfolgreich war", sagt Marita Sommer. Das war ihr wichtig - und dass die Hilfe kostenlos ist. Ob sie ans Hellsehen glaubt? "Wenn die Polizei nichts mehr machen kann und nichts findet, versucht man, nach jedem Strohhalm zu greifen", sagt sie fast entschuldigend.

    Der Hellseher, der sich selbst als hellhörig bezeichnet, sagt, er bekomme seine Eingebungen von Gott. Marita Sommer schickt ihm viele Informationen über Eugen - und zwei Fotos. Der Siegburger betrachtet diese und erhält die Eingebung, dass Eugen Schnurr tot sei und am Fluss im Namedyer Wald liege. Er kontaktiert am 11. Februar 2013 mit dieser Eingebung und einer Karte, auf der er die Stelle markiert hat, die Polizei. Er bittet diese, dort zu suchen.

    Tatsächlich wird die Polizei am 20. Februar 2013 erneut tätig und sucht mit vier Spürhunden im Namedyer Wald nach Eugen Schnurr. Den Einsatz bestätigt das Koblenzer Polizeipräsidium auf RZ-Anfrage. Wie es zudem heißt, war die Stelle bereits kurz nach dem Verschwinden des Andernachers mit Mantrailerhunden abgesucht worden. Die Personenspürhunde können Fährten aufnehmen und riechen, welchen Weg ein Mensch gegangen ist. Die Spur führte unter anderem in den Namedyer Wald. Doch weder die erste noch die zweite Suche waren erfolgreich.

    Marita Sommer ist geknickt: "Ich war super enttäuscht, weil ich alle Hoffnung an ihn geheftet hatte." Dennoch ist sie überzeugt, dass es einen Versuch wert war. Sie versucht, die Geschichte zu vergessen. Es vergehen Monate. Und an Weihnachten, zehn Monate nach der Eingebung des Sehers und der Polizeisuche, schickt ein Freund ihr die Nachricht, dass im Namedyer Wald an einem Flussbett Knochen gefunden wurden. Alle Freunde sind wie gelähmt - und gleichzeitig aufgeregt. Wird das Rätsel um Eugen doch endlich gelöst? Marita Sommer ist erleichtert und zugleich traurig. Nun ist klar, dass Eugen tot ist - und der Hellseher sich nicht getäuscht hat ...

    Am nächsten Tag erfährt sie, dass es sich bei den Knochen um die Leiche der dementen Elena Wolf (63) handelt, die im September 2013 verschwunden war. Der Hellseher aber ist überzeugt, dass er an diesem Ort eine Leiche visioniert hatte. Der Fundort weicht 350 Meter von der Stelle ab, die er für Eugen Schnurr markiert hatte. Von ihm fehlt weiterhin jede Spur.

    *Name von der Redaktion geändert

    Interview: Muss die Polizei ausrücken, wenn ein Hellseher anruft?

    Die RZ hat mit dem Sprecher des Koblenzer Polizeipräsidiums, Helmut Zirfas, gesprochen.

    Rückt die Polizei aus, wenn ein Hellseher anruft?

    Wir verlassen uns auf Tatsachen und Fakten und nicht aufs Hellsehen. Wir gehen keinen Hinweisen nach, die nur durch Eingebung entstanden sind.

    Dennoch ist die zeitliche Nähe des Hellseher-Tipps und der erneuten Suche bemerkenswert.

    In Fällen, in denen Vermisste längere Zeit nicht aufgefunden werden, ist es absolut üblich, bestimmte Bereiche, Gebäude und Gebiete ein zweites, vielleicht auch ein drittes Mal abzusuchen. Es besteht die Möglichkeit, dass der Vermisste bei der ersten Suche nicht dort war, vielleicht aber zu einem späteren Zeitpunkt diesen Ort, zu dem er eine besondere Beziehung hat, aufsucht, um sich dort zu verstecken oder dorthin zurückzuziehen und, und, und. Selbstverständlich ist es so, dass man mit den Angehörigen von Vermissten in ständigem Austausch steht und jedem Hinweis der Angehörigen nachgeht, wo ein solcher Ort sein könnte, an den der Mann/die Frau sich zurückgezogen haben könnte. Bei dem Bereich Namedyer Werth handelt es sich nun mal um einen solchen infrage kommenden Bereich, der bereits unmittelbar nach Verschwinden von Eugen Schnurr abgesucht worden war und der jetzt erneut abgesucht wurde, da die Familie sich an uns gewandt hatte.

    Müssen Sie denn übersinnlich entstandenen Hinweisen nachgehen?

    Sie haben sicher Verständnis, dass ich Ihnen Ihre Fragen zu "übersinnlichen Hinweisen" nicht beantworte, da ich Ihnen keine seriöse Antwort darauf geben kann.

    Die Fragen stellte Katrin Franzen

    Noch keine Spur von vermisstem AndernacherKOPIE_ID_328486/Region: 24-Jähriger vermisst - Polizei bittet um Hilfe
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    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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