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    AndernachÜberfall auf Spielothek in Andernach: Sechs Männer vor Gericht

    Der Überfall auf eine Andernacher Spielothek liegt fünf Monate zurück. Angeklagt sind sechs 17- bis 20-Jährige aus Koblenz, Neuwied und der VG Weißenthurm. Das Opfer, eine junge Kassiererin, sagte jetzt als Zeugin aus.

    Tatort: Mit Sturmmasken und Pistole überfielen junge Männer diese Spielothek in der Rheinstraße.
    Tatort: Mit Sturmmasken und Pistole überfielen junge Männer diese Spielothek in der Rheinstraße.
    Foto: Andreas Walz

    Der Überfall auf eine Andernacher Spielothek liegt fünf Monate zurück. Dennoch kann das Opfer, eine junge Kassiererin, diesen Samstagabend im März nicht vergessen. Zu sehr prägen die Folgen ihr Leben: Sie kann nicht mehr einschlafen, im Dunkeln fühlt sie sich verfolgt, sie nimmt Tabletten. Jetzt musste die zierliche 21-Jährige den jungen Männern erneut gegenüber treten. Jetzt sagte sie als Zeugin vor dem Koblenzer Amtsgericht aus.

    Angeklagt sind dort vor dem Jugendschöffengericht sechs 17- bis 20-Jährige. Sie stammen aus Koblenz, Neuwied und der Verbandsgemeinde Weißenthurm. Die mutmaßlichen drei Haupttäter (17, 19, 20 Jahre) sitzen in Untersuchungshaft. Den sechs Angeklagten wird gemeinschaftliche räuberische Erpressung vorgeworfen. Alle haben am ersten Prozesstag eine Beteiligung an dem Überfall eingeräumt. Unklar blieb am zweiten Verhandlungstag, wer den Tatplan gefasst hatte und wer wann von dem geplanten Verbrechen wusste.

    Einer der mutmaßlichen drei Haupttäter (20) belastete mit seiner Aussage die beiden anderen mutmaßlichen Haupttäter (17 und 19) schwer. Er schilderte am Dienstag, dass diese den Überfall ausgeheckt und ihn dann eingeweiht hätten. Er habe einen Fahrer und eine Waffe besorgen sollen - was er auch getan habe. Er berichtete, dass die drei zusammen aufgewachsen sind und in einer Straße gelebt hatten. Zuletzt hatten sie noch telefonisch Kontakt.

    Laut Anklageschrift fuhren die sechs jungen Männer am Samstag, 23. März, zusammen in einem Auto in die Andernacher Rheinstraße. Dort ging der 20-Jährige mit einem der anderen Angeklagten in die Spielothek, um diese auszukundschaften. Bei Gericht sagte er aus, dass er gucken wollte, ob dort eine Bekannte arbeitete. "Ich bin mir nicht sicher, ob sie in dieser oder einer anderen Spielothek arbeitet", sagte er. Er habe nicht gewollt, dass sie Opfer eines Überfalls wird. Sie sei aber nicht dort gewesen.

    Laut Anklageschrift verließen die beiden den Laden nach kurzer Zeit wieder. Im Anschluss betraten die zwei Jugendfreunde des 20-Jährigen (17 und 19) die Spielhalle. Beide hatten Sturmmasken auf, der 19-Jährige trug dabei eine Pistole. Sie stießen einen Kunden zu Boden und schlugen einem anderen ins Gesicht. Der 19-Jährige richtete seine Waffe auf die junge Kassiererin und forderte Geld. Insgesamt erbeuteten sie 2065 Euro. Die Summe wurde dann unter den Angeklagten aufgeteilt. Noch in derselben Nacht wurden die sechs festgenommen und vernommen.

    Hintergrund: Die Kassiererin hatte den 20-Jährigen, der die Halle ausgekundschaftet hatte, erkannt. Sie gingen auf dieselbe Schule. Die Polizei nahm den 20-Jährigen fest und stellte bei der Fahndung auch den Fluchtwagen mit Fahrer und anderen Beteiligten.

    Die beiden 17- und 19-Jährigen hatten am ersten Prozesstag angegeben, dass der 20-Jährige den Überfall geplant hatte. Der erzählte jetzt das Gegenteil: Er habe am Tattag seine Freundin in Koblenz besucht. Deren Halbbrüder waren auch dort. Gegen 17 Uhr kam ein Freund der Brüder mit dem Auto vorbei, und die drei wollten etwas zu essen holen. Der 20-Jährige fragte den Fahrer, ob er ihn nach Hause fahren kann. Unterwegs besorgten sie in Neuwied Marihuana. Als sie zurück über die Brücke Richtung Weißenthurm fuhren, sah der 20-Jährige seine beiden Jugendfreunde (17 und 19). Er rief sie an - und alle trafen sich unter der Brücke. Dort habe ihm sein 17-jähriger Kumpel auf Albanisch erzählt, man habe etwas vor und brauche einen Fahrer. "Ich sagte ihm, ich kläre das und melde mich", sagte der Angeklagte. Was genau geplant war, habe er da noch nicht gewusst. Er musste dringend nach Hause, weil Verwandte zu Besuch waren. Dies war auch der Grund, warum er nicht wusste, ob er am Abend das Haus verlassen könne. Später fragte er den Fahrer, ob dieser ihn abholen könnte und verabredete sich mit den beiden Jugendfreunden. Als der Fahrer kam, hatte er die Halbbrüder seiner Freundin dabei. Die Waffe will der 20-Jährige unter seinem T-Shirt getragen und sich nach hinten gesetzt haben. Dann habe man die anderen, die später den Überfall machten, abgeholt. Der 17-Jährige habe den Fahrer zur Spielothek navigiert.

    Der Fahrer und die Halbbrüder sagten aus, sie hätten erst bemerkt, dass es sich um einen Überfall handele, als der 17- und der 19-Jährige aus der Spielothek kamen und gerufen hätten: "Schnell weg." Die Tatwaffe wurde nicht gefunden. Die Angeklagten sagten übereinstimmend aus, dass es sich um eine Spielzeugpistole, eine Softairwaffe, handelte.

    Zwei der Angeklagten (19 und 20) wollten sich bei der Kassiererin entschuldigen. Sie wollte das nicht. "Nein. So etwas kann man nicht entschuldigen", sagte sie. Zudem ließ die Vorsitzende Richterin den Zeugentisch aus der Mitte des Raums von der Seite der Angeklagten wegrücken, weil die 21-Jährige sich in Anwesenheit der mutmaßlichen Täter sichtlich unwohl fühlte. Voraussichtlich wird das Urteil am Mittwoch, 28. August, gesprochen.

    Katrin Franzen

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