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  • Ärzte plädieren klar für natürliche Geburt - Kliniken in Andernach und Mayen nehmen Kaiserschnitte nur in begründeten Fällen vor

    Andernach/Mayen. Jedes dritte Kind im Land kommt mittlerweile per Kaiserschnitt zur Welt - damit belegt Rheinland-Pfalz bundesweit Platz drei. Ähnlich sieht es auch im Kreis Mayen-Koblenz aus.

    Wann immer möglich sollten Babys auf natürliche Art und Weise geboren werden. Bei Aufklärungsgesprächen wie hier im St. -Elisabeth-Krankenhaus Mayen mit einem Paar aus Ediger-Eller informieren zum Beispiel Dr. Kaweh Aghai und Hebamme Lisa Regolinski über die Vorteile der Spontangeburt. Kaiserschnitte sollten nur in medizinisch begründeten Fällen erfolgen.  Foto: Andreas Walz
    Wann immer möglich sollten Babys auf natürliche Art und Weise geboren werden. Bei Aufklärungsgesprächen wie hier im St. -Elisabeth-Krankenhaus Mayen mit einem Paar aus Ediger-Eller informieren zum Beispiel Dr. Kaweh Aghai und Hebamme Lisa Regolinski über die Vorteile der Spontangeburt. Kaiserschnitte sollten nur in medizinisch begründeten Fällen erfolgen.
    Foto: Andreas Walz

    Von unserer Mitarbeiterin Chantal Dötsch

    In beiden Krankenhäusern in Mayen und Andernach liegt die Kaiserschnittrate bei über 30 Prozent, allerdings mit unterschiedlicher Tendenz. Während im St.-Nikolaus-Stiftshospital Andernach bei den bis Ende Oktober registrierten 481 Geburten 35,1 Prozent - und somit genau zwei Prozentpunkte mehr als 2015 - Kaiserschnitte waren, steigt im St.-Elisabeth-Krankenhaus Mayen die Anzahl natürlicher Geburten wieder an. "In Mayen hatten wir im Jahr 2015 36 Prozent Kaiserschnittraten. In diesem Jahr liegt die Kaiserschnittrate bei 31 Prozent. Aufgrund unserer Zahlen können wir keinen Anstieg der Kaiserschnitt-Raten feststellen", berichtet Dr. Walter Ernst, Chefarzt der Frauenheilkunde und Geburtshilfe im St.-Elisabeth-Krankenhaus Mayen, und das obwohl hier bereits jetzt 42 Kinder mehr als im vergangenen Jahr geboren wurden.

    Doch beide Kliniken halten fest, dass es sich bei den erfolgten Kaiserschnitten zumeist um medizinisch begründete Fälle handelt. "Der Anteil an medizinisch indizierten Kaiserschnitten liegt bei uns bei nahezu 100 Prozent. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wir machen keinen Wunschkaiserschnitt im Sinne einer neumodischen ,Designer-Geburt‘", sagt Dr. Brigitta Naus, Chefärztin der Fachabteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am St.-Nikolaus-Stiftshospital Andernach. Das ist auch in Mayen zu beobachten, wo ein Großteil der Kaiserschnitte nicht von vornherein geplant ist. "In den meisten Fällen wird die Entscheidung zum Kaiserschnitt unter der Geburt getroffen, da Gefahr für das Kind beziehungsweise für die Mutter droht. In Mayen haben wir 60 Prozent sekundäre Kaiserschnitte, das heißt, die Entscheidung zum Kaiserschnitt fällt mit Beginn beziehungsweise unter der Geburt", erläutert Ernst.

    Die zunehmenden Kaiserschnittgeburten sieht Brigitta Naus unter anderem in den häufiger auftretenden schwierigen Schwangerschaften. "Ein Grund ist der spürbare Anstieg an medizinischen Indikationen. Wir haben beispielsweise zunehmend mehr Frauen mit Übergewicht oder Schwangerschaftsdiabetes und auch immer mehr sehr große und schwere Babys über vier Kilogramm."

    Auch die Durchführung eines Kaiserschnitts bei einem Kind in Beckenendlage sei zur Risikominimierung mittlerweile die Regel, was die Chefärztin jedoch auch kritisch sieht. "Dieser Trend wirkt selbstverstärkend: Jungen Hebammen und Ärzten fehlt die Gelegenheit, vaginale Beckenendlagengeburten zu erlernen. Ein Kaiserschnitt wird in diesen und ähnlichen Fällen somit in Zukunft unabwendbar."

    Dass die Entscheidung für einen Kaiserschnitt vom Alter der Mutter abhängt, können beide Krankenhäuser nicht bestätigen. Naus fällt jedoch eine Verunsicherung einiger Frauen durch die Medien auf. "Viele Erstgebärende entwickeln aufgrund von unausgewogenen Vorinformationen über Spontangeburten diffuse Bedenken." Diese ließen sich aber meist nach ausführlichen Beratungsgesprächen zu einer natürlichen Geburt motivieren.

    Denn diese ziehen die Ärzte dem Kaiserschnitt im Hinblick auf Mutter und Kind deutlich vor. "Die natürliche Geburt ist das Normale und Natürlichste. Bestehen keine Risiken für Mutter und Kind, sollte immer die Spontangeburt angestrebt werden", hält Chefarzt Ernst aus Mayen fest, denn ein Kaiserschnitt birgt Risiken für die werdende Mutter, wie er erläutert: "Es handelt sich um eine Operation, und es kann zu Wundinfektionen kommen, zu verstärkten Blutungen und zu Verwachsungen." Doch nicht nur deshalb rät Dr. Walter Ernst Frauen zur natürlichen Geburt, auch das emotionale Geburtserlebnis spielt seiner Erfahrung nach eine große Rolle: "Es sollte nicht unterschätzt werden, dass bei einer natürlichen Geburt die Frau ein Geburtserlebnis in einer angenehmen Atmosphäre im Kreißsaal hat und nicht wie beim Kaiserschnitt ihr Kind im OP zur Welt bringt."

    Und auch die Gesundheit des Kindes wird durch eine spontane Geburt positiv beeinflusst, erklärt Chefärztin Naus aus Andernach. "Die Wehen bereiten Kinder auf den Geburtsstress vor. Dies soll dazu führen, dass sie auch im späteren Leben besser mit Stress umgehen können. Beim Kaiserschnitt entsteht ohne Vorbereitung eine enorme Stressreaktion für das Baby, was dazu führen kann, dass das Kind auch später bei Stress überreagieren kann." Außerdem seien sie weniger anfällig für Atemwegserkrankungen.

    Deshalb motivieren beide Krankenhäuser ihre Patientinnen in einem umfassenden Beratungsangebot zur natürlichen Geburt. Eine Strategie, die laut Dr. Ernst aus Mayen dank seiner regelmäßigen Schwangerschaftssprechstunden aufgeht: "Entscheidend ist, ob Schwangere frühzeitig Kontakt mit Hebammen aufnehmen, geburtsvorbereitende Kurse besuchen und in der Schwangerenvorsorge bei den niedergelassenen Gynäkologen gut beraten werden. In unserer Klinik sehen wir, dass durch entsprechendes Management die Sectio-Rate gesenkt werden kann", erklärt er.

    Dr. Brigitta Naus kommt zu einer anderen Prognose, da Risikoschwangerschaften und Kaiserschnittnachfragen ihrer Erfahrung nach steigen. Eine Umkehr des Trends erreiche man demnach nur durch Aufklärung. "Der Weg zurück zur natürlichen Geburt gelingt nur, wenn wir deutlich die Nachteile eines Kaiserschnittes thematisieren und den Fokus auf die Vorteile der normalen Geburt - insbesondere die positiven Folgen für das Kind - setzen."

    Doch auch wenn sich beide Krankenhäuser mehr natürliche Geburten wünschen, letztlich ist es für die Ärzte entscheidend, dass die Geburt für Mutter und Kind bestmöglich verläuft, egal auf welche Weise. Dr. Naus sagt daher: "Selbstverständlich wünschen wir uns mehr spontane Geburten. Das Wichtigste für uns sind allerdings gesunde Mütter und gesunde Babys sowie eine Atmosphäre von Geborgenheit und Sicherheit in unserer Geburtsstation."

    Informationsabend gibt interessante Einblicke

    Welche Gebärmöglichkeiten bietet das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, St. Elisabeth Mayen? Welche Unterstützung erhalten junge Familien vor, während und nach der Geburt? Antworten auf diese und andere Fragen bekommen werdende Eltern am Mittwoch, 30. November, 19.30 Uhr, beim Informationsabend in der Cafeteria des St.-Elisabeth-Krankenhauses. Im Rahmen dieser kostenfreien Veranstaltung werden wichtige Informationen zum Thema Schwangerschaft und Geburt gegeben, aber auch individuelle Fragen der Besucher beantwortet. Chefarzt Dr. Walter Ernst, Hebammen sowie Pflegepersonal stehen hierfür zur Verfügung. Im Anschluss gibt es eine Führung durch den Kreißsaal und die Mutter-Kind-Station mit Neugeborenenbereich.

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