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  • 60 Jahre Bundeswehr: 77 Rekruten legen Eid auf Andernacher Marktplatz ab

    Andernach. So viel Militär und Polizei wie am Mittwoch ist auf dem Andernacher Marktplatz selten im Einsatz. Die Bundeswehr hatte am frühen Abend zum öffentlichen Gelöbnis von 77 Rekruten aus drei Kompanien in Rheinland-Pfalz geladen. Die Einsatzkräfte der Polizei bewachten hauptsächlich etwa 40 Demonstranten in der Bahnhofstraße, die dort - ganz friedlich, wie Andernachs Polizeichef Björn Neureuter im Gespräch mit der RZ sagte - gegen das Gelöbnis protestierten.

    Von unserer Redakteurin Yvonne Stock

    Die Bundeswehr schlug mit dem Akt einen großen Bogen von ihrer Gründung 1956 bis heute. Am Nachmittag hatte sie mit rund 200 Ehrengästen in einem Militärzelt vor der sanierten Baracke auf dem Gelände der Krahnenberg-Kaserne das Museum "Die Wiege der Bundeswehr" eingeweiht. Ein Förderverein rund um den Pensionär Dieter Ulrich Schmidt, ehemaliger Oberstleutnant bei der Bundeswehr, hat dieses vor allem mit Erinnerungen von Zeitzeugen gestaltet (die RZ berichtete).

    Anton Steer gehörte vor 60 Jahren zu den ersten Rekruten

    Viele von ihnen saßen, Decken mit BUND-Schriftzug über den Beinen, im Zelt. Darunter auch Anton Steer, ehemaliger Generalmajor, der nach dem Lied Yesterday sprach: "Ich gehöre der vergangenen Generation an. Es ist schon richtig, dass man zu meinem Empfang Yesterday spielt", sagte er mit einem Augenzwinkern. Steer erzählte, wie er am 2. Januar 1956 mit dem Zug in Andernach ankam und die "harte Ausbildung" mit noch schlechter Ausrüstung in den schneebedeckten Hügeln in Andernachs Umgebung begann.

    Die jungen Männer hatten die Folgen einer Diktatur erlebt und wollten ihr Land "frei, stark und souverän sehen", sagte Steer. Deswegen hätten sie sich bei den neuen Streitkräften, die noch nicht Bundeswehr hießen, beworben. "Einige riefen uns ,Mörder‘ hinterher, aber das hat uns nicht irritiert", sagte der heutige Koblenzer.

    Erinnerungen an Kanzler Adenauer

    Ein besonderes Erlebnis sei für ihn der Besuch des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer gewesen - am 20. Januar 1956 - genau vor 60 Jahren. Damals gehörten Ernst und Reinhold Schüller, die fast ihr ganzes Leben in Andernach wohnen, zum Fanfarenzug und spielten zu seiner Begrüßung - an ihrem 20 Geburtstag. Am Mittwoch hörten sie, inzwischen 80-jährig, wie Mitglieder der Rot-Weißen Husaren zur Eröffnung des Museums mit dem schwarz-rot-goldenen Band davor genau dasselbe Stück spielten.

    "Es ist ein Tag der gelebten Erinnerung", sagte Clemens Hoch, Chef der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei. Vor 60 Jahren hätte man sich noch nicht vorstellen können, dass die neuen Streitkräfte der Bundesrepublik einmal in zahlreichen Krisenherden der Welt im Einsatz sind, meinte Markus Grübel, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium. Er vertrat die Ministerin, die im Ausland bei ihrer Truppe weilte.

    Justin Stegner wird vielleicht einmal zu denen gehören, die im Ausland für Deutschland im Einsatz sind. Elf Monate hat sich der 20-Jährige erst einmal verpflichtet, er kann sich aber vorstellen, länger zu bleiben. Der Kaiserslauterner gehörte zu den 77 Soldaten, die auf dem Andernacher Marktplatz bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einsetzendem Graupeln ihr Gelöbnis vor rund 150 geladenen Gästen in Zelten und zahlreichen Besuchern hinter den Metallabsperrungen ablegten. "Man ist schon geehrt, dass es unser Gelöbnis ist und es vor 60 Jahren genauso war", sagte Stegner.

    „Liebe Rekruten, liebe Rekrutinnen“

    "Augen links", "Truppenfahne marsch" - nach militärisch klaren Ansagen bewegte sich das Wachbataillon der Bundeswehr mit seinen Gewehren auf dem Marktplatz. Daneben die 77 Rekruten mit ihren roten Mützen und hinter dem Rücken verschränkten Armen. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer machte in ihrer Anrede "liebe Rekruten, liebe Rekrutinnen" deutlich, dass die Bundeswehr auch nach 60 Jahren noch männlich dominiert ist.

    Während der einzelnen Stücke der Gelöbnisformel, die die Soldaten laut wiederholten, herrschte auf dem Marktplatz absolute Stille. Nur von den Demonstranten mit Fahnen der Linksjugend, die sich gegen die "Militarisierung der Gesellschaft" einsetzten, schallten Musik, Pfiffe und die Worte "ohne Waffen" herüber. "Wer will denn den Kommunismus zurückhaben", brummte einer der Ehrengäste leise. Als zum Abschluss der Zeremonie aus den zahlreichen Kehlen und begleitet vom Heeresmusikkorps Koblenz - geleitet übrigens von einer Frau, Oberstleutnant Alexandra Schütz-Knospe - die Nationalhymne erklang, war in den Augen des einen oder anderen der Ehrengäste, die vor 60 Jahren in Andernach in die Streitkräfte eingetreten waren, doch etwas Rührung zu sehen.

    Fotos: Feierliches Gelöbnis der Bundeswehr in Andernach60 Jahre Bundeswehr in Rheinland-Pfalz: Anton Steer gehört zu den ersten Freiwilligen in AndernachSönke Neitzel im Interview: Zur Landesverteidigung nur bedingt abwehrbereit? 60 Jahre bundeswehr in Rheinland-Pfalz: Eine Chronik
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