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  • Mosel/MittelrheinVerluste drohen: Späte Frostnächte stürzen Winzer in tiefe Sorgen

    So sehr sich die Winzer über den weit vorangeschrittenen Knospenaustrieb ihrer Reben freuen, so sehr treibt ihnen der späte Frost die Sorgenfalten auf die Stirn. Eisige Temperaturen in den frühen Morgenstunden bis fast drei Grad Minus richteten in den vergangenen Tagen vor allem an der Untermosel massive Schäden an. Am Mittelrhein hielten sich die Ausfälle in Grenzen. Ob es an speziellen Gegenmaßnahmen lag?

    Erfrorene Triebe an den Reben treiben dem Winninger Winzer Matthias Knebel Sorgenfalten ins Gesicht. Nach den Wetterkapriolen 2016 hofften die Winzer eigentlich auf ein entspanntes Weinjahr. 
    Erfrorene Triebe an den Reben treiben dem Winninger Winzer Matthias Knebel Sorgenfalten ins Gesicht. Nach den Wetterkapriolen 2016 hofften die Winzer eigentlich auf ein entspanntes Weinjahr. 
    Foto: Erwin Siebenborn

    Winzer Matthias Knebel aus Winningen fand seine Befürchtungen beim Gang durch die Wingerte jedenfalls bestätigt: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag fielen die Temperaturen in 20 Zentimetern Höhe über dem Boden von 0 Grad Celsius um Mitternacht auf minus 2,7 Grad Celsius um 7 Uhr. Das ganze Ausmaß des Schadens lässt sich noch nicht abschätzen, aber Knebel rechnet besonders im Winninger Hamm (gegenüber der Insel Ziehfurt) mit einem Ertragsverlust von nicht weniger als 40 Prozent.

    Er war sich zwar vorher der Frostgefahr in einigen Lagen durchaus bewusst, hatte aber eigentlich nur mit erhöhtem Risiko für Junganlagen im ersten bis dritten Standjahr gerechnet, erzählt er. Erleichtert ist er, dass die Top-Lagen Röttgen und Uhlen weitgehend verschont blieben, obwohl hier der Austrieb der Reben aufgrund der zuletzt sehr warmen Witterung schon weit fortgeschritten war. Auch In flacheren Lagen sind einige Bereiche recht glimpflich davon gekommen.

    Beim Austrieb ist die Rebe besonders empfindlich. Besonders in Bodennähe erfrieren grüne Triebteile. Die jungen Triebe werden zunächst schlaff, bald braunschwarz und vertrocknen. Austreibende Knospen sind innen dunkelbraun und treiben nicht aus. Besonders gefährdet sind Jungreben. Hier sind Totalausfälle möglich. Nach dem Frostereignis sind die wärmeliebenden Rebstöcke zunächst geschockt. Ein Neuaustrieb kann nach etwa zwei Wochen einsetzen. Dann kann es allerdings sein, dass sich keine Trauben mehr bilden.

    Auch Winzer Albrecht Gietzen aus Hatzenport stellte enorme Schäden fest. Zwar sind die Hatzenporter Weinberge durch den Außenbogen der Mosel klimatisch etwas besser geschützt als andere Bereiche, aber Minusgrade setzen auch hier den klimatisch anspruchsvollen Pflanzen zu. „Die Vegetation hatte es besonders in den guten Lagen extrem eilig“ stellt Gietzen fest. Jetzt wirkt sich das warme Frühlingswetter gegen Ende März und Anfang April für die Winzer als Bumerang aus. Deshalb gibt es kaum Rebflächen, die vom späten Frost nicht in Gefahr gebracht wurden. Der Weißburgunder hat sich noch gut aus der Affäre gezogen. Hier stellte Gietzen nur wenig Schaden fest. Auffälliger getroffen hat es allerdings die Sorte Spätburgunder. Diese ist in der Entwicklung schon weiter fortgeschritten und wurde der Kälte stärker ausgesetzt. Gietzen macht auch den Klimawandel für die Wetterkapriolen verantwortlich. Auch andere Weinorte an der Untermosel beklagen Schäden.

    Im Bopparder Hamm dagegen ist man knapp mit dem Schrecken davongekommen, analysierte Winzer Jürgen Volk die Situation. Es hat wohl Ausfälle gegeben, aber die Einbußen halten sich in seinen Weinbergen noch in Grenzen. „Das ganze Ausmaß der Ausfälle lässt sich erst nach einigen Tagen ermitteln, wenn wir die Rückmeldungen unserer Berater und Winzer haben“, betont Gerd Knebel, Geschäftsführer der Weinbauverbände Mosel und Mittelrhein. Die Winzer hofften nach den schwierigen Witterungsbedingungen im letzten Jahr auf ein entspanntes 2017. Matthias Knebel sagt jetzt: „Leider wird uns immer wieder vor Augen geführt, wie abhängig wir von der Natur sind. Das lässt mich demütig werden, aber auch etwas besorgt zurück.“

    Von unserem Mitarbeiter Erwin Siebenborn

    Frost: Mittelrheinwinzer schützen ihre Reben mit Kerzen

    Winzer sind den Launen der Natur meist schutzlos ausgeliefert. Spätfrost kann zu Ernteausfällen führen. Können sich die Winzer überhaupt davor schützen?

    Der Winzer Albert Lambrich hat zum ersten Mal Frostschutzkerzen (rechts) benutzt.  Foto: Suzanne Breitbach
    Der Winzer Albert Lambrich hat zum ersten Mal Frostschutzkerzen (rechts) benutzt.
    Foto: Suzanne Breitbach

    In regelmäßigen Rundmails erläutert Edgar Müller vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück Maßnahmen in Sachen Frostschutz. „Für Maßnahmen, die zu einer Entwicklungsverzögerung der Augenentwicklung führen sollen, ist es jetzt zu spät. Unstrittig sind die positiven Effekte der Luftverwirbelung mit dem Hubschrauber, mit der es bei Strahlungsfrösten möglich ist, in höheren Luftschichten befindliche wärmere Luft auf den Boden zu drücken“, erklärt Müller in seinem Rundschreiben. Unstrittig seien auch die Effekte einer Beheizung des Geländes, sofern die Quellen genügend Wärme entwickeln. „Dicht genug gestellt bieten sie Schutz.

    Auf Frostschutzkerzen setzte in der eisigen Nacht auf Donnerstag Albert Lambrich aus Oberwesel-Dellhofen. 250 Kerzen werden für einen Hektar Fläche benötigt. Gemeinsam mit seinem Sohn stellte er Frostschutzkerzen im Weinberg auf und entzündete diese mithilfe eines Gasbrenners gegen 3.30 Uhr. „Die Luft kam trotz Windstille in Bewegung, eine Rauchglocke bildete sich über dem Wingert“, sagt Lambrich, der zum ersten Mal Frostschutzkerzen einsetzte. Gegen 8 Uhr löschte er die Kerzen, die eine Gesamtbrenndauer von acht bis zehn Stunden haben. Ob er sie in den nächsten Tagen wieder brauchen wird? „Der Aufwand und die Kosten in Höhe von rund 1000 Euro für die 100 Kerzen haben sich gelohnt, wenn der Schaden auf 20 Prozent reduziert werden konnte und wir wieder ein paar Liter Wein mehr aus dem Weinberg holen“, sagt Lambrich. sub

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