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    UrbarUrbarer berichten, welche Erinnerungen sie mit ihrer Pfarrkirche verbinden werden

    Ein Stück der bleiverglasten Fenster aus dem Altarraum hat er sich gesichert. "Das steht jetzt in meinem Büro und soll dort einen Ehrenplatz erhalten. Aber ich muss den Pfarrer auch noch fragen, ob ich es auch behalten darf.

    Das Eckfenster des Giebels über dem Altarraum steht im Büro von Dirk Korbach-Wirz. Bevor der Abriss der Kirche begonnen hat, musste das Glas auf seine Beschaffenheit untersucht werden. Der Architekt würde das Fenster aber auch gerne als Erinnerungsstück behalten.
    Das Eckfenster des Giebels über dem Altarraum steht im Büro von Dirk Korbach-Wirz. Bevor der Abriss der Kirche begonnen hat, musste das Glas auf seine Beschaffenheit untersucht werden. Der Architekt würde das Fenster aber auch gerne als Erinnerungsstück behalten.
    Foto: Annette Hoppen

    Von unserer Mitarbeiterin Annette Hoppen

    Ausgebaut wurde es zunächst, um die Beschaffenheit des Materials im Hinblick auf den Abriss zu untersuchen", sagt Dirk Korbach-Wirz. Dem Architekten aus Urbar, unter dessen fachlicher Regie der Rückbau der Pfarrkirche seiner Heimatgemeinde gestern begonnen hat, geht es bei dem Fenster allerdings nicht um ein berufliches Souvenir. Denn Korbach-Wirz verbindet mit dem Gotteshaus auch viel Privates - wie viele andere Dorfbewohner auch.

    "Ich bin hier zur Kommunion gegangen, ich habe in der katholischen Jugendarbeit in der Kirche gewirkt, 1989 habe ich in der Kirche geheiratet, meine beiden Kinder wurden hier getauft und gefirmt. Die Kirche begleitet mich also schon mein ganzes Leben - und davon wird in wenigen Wochen wenig übrig bleiben", berichtet der 55-Jährige. Dass die Kirche nun verschwindet, an diesen Gedanken musste sich auch Korbach-Wirz deshalb erst gewöhnen. "Aber der Prozess mit allen Entscheidungen innerhalb der zuständigen Gremien hat ja gut zwei bis drei Jahre gedauert", erinnert sich der Architekt. In dieser Zeit habe er quasi behutsam Abschied nehmen können von dem Bauwerk. Korbach-Wirz weiß, dass dies auch vielen anderen Urbarern mittlerweile gut gelungen ist.

    In diesem Abschied sieht Korbach-Wirz außerdem eine Chance: "Es entsteht ja etwas Neues, eine neue Mitte für den Ort. Auch das Weizenkorn muss sterben, damit etwas Neues entsteht."

    Viele persönliche Erlebnisse verbindet auch Herbert Sodian mit der Urbarer Pfarrkirche - vor allem solche musikalischer Natur, aber auch die Hochzeit und die Taufe von Sohn Ralf.

    Als Sänger des Urbarer Männerchores, so berichtet der 70-Jährige, ist er unzählige Male bei Konzerten in der Kirche aufgetreten. Ein anderes Mal war er Zuhörer, etwa als die Domkosaken in der Pfarrkirche sangen. "Das waren großartige Momente", schwärmt Sodian, der aber auch Bewegendes und Trauriges berichtet: "Eine Erinnerung, die ich immer mit der Kirche verbinden werde, ist aber die Trauerfeier für einen guten Freund von mir, die wir gemeinsam mit dem Polizeichor mitgestaltet haben. Das war sehr ergreifend. Die Bilder werde ich nie vergessen", erzählt Sodian.

    Doch auch einige Anekdoten, die ihn bis heute beim Erzählen schmunzeln lassen, fallen ihm ganz spontan ein, wenn er an die Pfarrkirche denkt. Auch in Urbar waren und sind immer wieder Missionare anderer Glaubensrichtungen unterwegs, wollen Menschen von ihrem Gott und ihrer "Wahrheit" in Sachen Bibelinterpretation und anderer Lehrschriften überzeugen. Bei Sodian bissen sie aber stets auf Granit.

    "Wenn an unserer Tür geklingelt wurde, dann habe ich gesagt, dass man mit seinem Nachbarn doch ein gutes Verhältnis haben sollte", erzählt er. Stets habe er für diese Aussage zustimmendes Nicken geerntet. "Ja, selbstverständlich. Das soll man!", war die Antwort, die ihm dann entgegen schallte. Sodann zeigte Sodian auf die Kirche, auf die er (noch) blickt, wenn er aus seiner Haustür schaut. "Dann habe ich zu den Bekehrern immer gesagt: Seht ihr, da drüben, genau gegenüber, da wohnt mein Nachbar. Und mit dem will ich es mir doch nicht verscherzen." Den Missionaren gebrach es dann ziemlich schnell an weiteren Argumenten, erinnert sich Sodian. "Die konnten dann nichts mehr sagen."

    Und jetzt? Dass die Kirche nun abgerissen wird, geht Sodian zwar schon ein Stück weit unter die Haut, gibt er zu. "Aber das ist eben so. Ich kann damit leben", sagt er. Viel schmerzlicher sei es für ihn gewesen, als vor einigen Jahren die alte Schule in Urbar dem Erdboden gleichgemacht wurde, wenngleich er den Neubau der Schule absolut gelungen findet.

    Das kann auch Korbach-Wirz sehr gut verstehen und nachvollziehen. Der Architekt weiß: "Für meine und die ältere Generation verschwindet mit der Kirche quasi das letzte Bauwerk unserer Jugend. Die alte Schule, das alte Bürgerhaus, alles ist mittlerweile verschwunden."

    Mit dem RZ-Copter über der Kirche in Urbar: Teil 2 Auslagerung des Urbarer Kindergartens St. Peter und Paul ist erfolgreichSchwierigster Teil des Kirchenabrisses in Urbar ist erledigt (Mit Video) Urbarer Kirche liegt in Trümmern Video aus der Luft: Mit dem RZ-Copter über der Kirche in Urbar weitere Links
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