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  • Studenten in Koblenz planen neue Synagoge auf Stadtbadareal

    Koblenz. Synagoge statt Stadtbad: Das Areal, auf dem in der Weiser Gasse noch das marode Hallenbad der Stadt Koblenz steht, wäre als Gelände prädestiniert für ein neues jüdisches Gebetshaus und Gemeindezentrum.

    Seit Jahrzehnten ein Provisorium: Die Synagoge grenzt unmittelbar an den jüdischen Friedhof. Für orthodoxe Gläubige ist das eine schwierige Situation.
    Seit Jahrzehnten ein Provisorium: Die Synagoge grenzt unmittelbar an den jüdischen Friedhof. Für orthodoxe Gläubige ist das eine schwierige Situation.
    Foto: hoa

    Das jedenfalls finden Prof. Henner Herrmanns, Architekturprofessor an der Hochschule Koblenz, und eine Gruppe seiner Studenten. Alternativ böte sich zudem der Reichenspergerplatz für einen Synagogenneubau an. Für beide Standorte werden Studenten der Hochschule jetzt Konzepte erarbeiten.

    Zur Ist-Situation: Nach dem Krieg hat die jüdische Gemeinde in Koblenz die Trauerhalle am jüdischen Friedhof in eine Synagoge umgewandelt. Eine Notlösung, wie die Kultusgemeinde immer wieder betont. Denn die Nähe zum Friedhof ist vor allem für orthodoxe Gläubige ein Problem. Nachdem eine von der jüdischen Kultusgemeinde erhoffte Rückkehr in den Bürresheimer Hof, der bis zur Machtübernahme des Nazi-Regimes als Synagoge diente, durch den Verkauf des städtischen Gebäudes an die Görlitz-Stiftung nicht mehr infrage kommt, plädiert die Glaubensgemeinschaft nun auch für einen Neubau. Und wie ein Neubau an den Standorten Stadtbad-Areal und Reichenspergerplatz ausschauen könnte, dafür werden nun zehn Studenten der Hochschule im Rahmen eines Bachelor-Projektes Ideen erarbeiten. Ende November sollen die Entwürfe vorliegen.

    Herrmanns ist sich bewusst, dass diese Planungen zunächst einmal ein Wunschkonzert sind. "Es gibt zum Beispiel keinen finanziellen Rahmen, der den Studenten vorgegeben ist", räumt der Hochschullehrer ein. Dennoch: "Die Planungen der Studenten müssen aus städtebaulicher Sicht umsetzbar sein", betont Herrmanns. Deshalb hofft er auch, dass die Bachelorarbeiten seiner Studenten zumindest Impulse setzen und den städtischen Gremien als Anregungen dienen, wenn es künftig städteplanerisch Weichen zu stellen gilt. Vonseiten der Stadt, so Herrmanns, sei im Vorfeld auch eine Freifläche gegenüber der jetzigen Synagoge in unmittelbarer Nachbarschaft zur Berufsfeuerwehr ins Spiel gebracht worden. Zwar hatte der Professor seinen Studenten auch dieses Areal als mögliche Option für deren Planungen freigegeben. "Keiner der Studenten hat sich jedoch für diesen Standort entschieden, und auch die jüdische Kultusgemeinde lehnt ihn ab", erklärt der Professor. Der Grund liegt für Herrmanns auf der Hand: "Alleine der Name der Schlachthofstraße erscheint uns sehr unpassend." Außerdem gebe es durch die angrenzende Moselstaustufe bei Hochwasser eine enorm störende Lärmkulisse.

    Wichtig ist Herrmanns: Bei den Planungen für die zwei "im Rennen" verbliebenen Standortorte sollen sich die Nachwuchsarchitekten auch an den Vorgaben orientieren, die die jüdische Kultusgemeinde für ein solches Gemeindezentrum samt Synagoge macht. "Wichtig ist mir aber, dass kein reiner Funktionsbau geplant werden soll, sondern ein Eye-Catcher, der architektonisch auch einen städtebaulichen Beitrag leistet", unterstreicht Herrmanns. hoa

    Rituelles Bad und zwei Küchen für Fleisch und Milch: So soll ein jüdisches Zentrum aussehen

    In einem Gespräch mit den Architekturstudenten der Hochschule Koblenz hat Avi Avadiev, designierter Vorsitzender der Kultusgemeinde, erklärt, welche religiösen Vorgaben bei der Umsetzung zu beachten sind.

    Die Synagoge: über dem Gebetshaus darf sich kein zweites Stockwerk befinden. An der Ostwand der Synagoge, also in Richtung Jerusalem, muss ein spezieller Schrein integriert sein, in dem die Tora-Rollen aufbewahrt werden. Auch die Gläubigen sollen beim Gebet in Richtung Osten blicken. Für Frauen muss eine Empore eingeplant werden, da sie dort abgetrennt von den männlichen Gemeindemitgliedern beten. Pomp ist der jüdischen Kultusgemeinde nicht wichtig. "Der Baukörper und die Ausgestaltung können schlicht sein", erklärte Avadiev. Platz soll die Synagoge nach den Wünschen der Kultusgemeinde für etwa 100 Gläubige bieten, also für etwa 10 Prozent der Gemeindemitglieder.

    Gemeindesaal: Dieser soll Platz für 200 Menschen bieten und Ort für Feste und das jüdisch-kulturelle Leben sein. Darüber hinaus wünscht sich die Gemeinde noch mehrere kleine Schulungsräume, zum Beispiel für den Religionsunterricht, Musikunterricht oder für die Schachgruppe und die Sonntagsschule.

    Küche: Wichtig ist, dass es hier zwei separate Küchen gibt, für die "milchige" und die "fleischige" Küche, wie Avadiev erklärte. Die strikte Trennung bei der Verarbeitung von Lebensmitteln sei religiös vorge- geben.

    Mikwe: Dabei handelt es sich um ein rituelles Bad. Auch ein solches Tauchbad wünscht sich die Koblenzer Gemeinde in einer neuen Synagoge. "Das Wasser einer Mikwe muss lebendiges Wasser sein", betonte Avadiev. Zu lebendigem Wasser zählt etwa Grundwasser oder ein fließendes Gewässer. Möglich ist zudem die Nutzung von Regenwasser. hoa

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