40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Koblenz
  • » Stomatag am Kemperhof: Wohl und Wehedes künstlichen Darmausgangs
  • Stomatag am Kemperhof: Wohl und Wehedes künstlichen Darmausgangs

    Koblenz. Wer auf einen künstlichen Darmausgang angewiesen ist, ein sogenanntes Stoma, braucht vielfältige medizinische Unterstützung. Im Kemperhof gab es nun Informationen auf gebündelte Weise.

    Auch Hersteller von Hilfsmitteln waren beim Stoma-Tag vertreten. So konnten sich Betroffene und Interessierte, darunter auch Patienten, denen einen Stoma-OP bevorsteht, darüber informieren, wie die Handhabung eines künstliches Darmausgangs funktioniert.
    Auch Hersteller von Hilfsmitteln waren beim Stoma-Tag vertreten. So konnten sich Betroffene und Interessierte, darunter auch Patienten, denen einen Stoma-OP bevorsteht, darüber informieren, wie die Handhabung eines künstliches Darmausgangs funktioniert.
    Foto: Annette Hoppen

    Von unserer Mitarbeiterin
    Annette Hoppen

    Für Außenstehende bleibt die Beeinträchtigung oft unerkannt, Betroffene aber leiden nicht selten sehr: Mehr als 100 000 Menschen in Deutschland leben mit einem Stoma, einem künstlichen Darmausgang. Bei welchen Krankheitsbildern ein solches Stoma gelegt werden muss, wie das chirurgisch überhaupt geht, vor allem aber, wie Betroffene mit einem künstlichen Darmausgang ein möglichst uneingeschränktes und unbelastetes, sorgenfreies Leben führen können, darum ging es am Wochenende beim „Stomatag“ im Gemeinschaftsklinikum Standort Kemperhof.

    Selbsthilfegruppen, Hersteller von Hilfsmitteln und nicht zuletzt das multiprofessionelle Team des Kemperhofs, bestehend aus Ärzten, Pflegespezialisten, Physiotherapeuten, Diätassistenten, Sozialpädagogen und Fachkräften der Psychoonkologie, standen als Gesprächspartner zur Verfügung.

    Wann und warum eine Stomaanlage notwendig wird, darüber referierte zunächst Dr. Moritz Schad. Als Beispiele nannte der Mediziner etwa Entzündungen des Darms, ein Darmverschluss oder tief sitzender Mastdarmkrebs. Nicht immer müsse ein künstlicher Ausgang indes lebenslang bestehen bleiben. Wird beispielsweise bei einer entzündlichen Darmerkrankung wie dem Morbus Crohn ein Stück Darm quasi „stillgelegt“, um eine bessere Heilung zu ermöglichen, wird das Stoma oft nur vorübergehend angelegt. Als dauerhafte Lösung ist ein Stoma indes zum Beispiel notwendig, wenn der Schließmuskel nicht mehr richtig funktioniert und Stuhlgang unkontrolliert austreten kann.

    Obwohl ein Stoma gerade in einer solchen Situation eigentlich auch seelisches Leid lindern kann, sehen sich Betroffene dennoch mitunter stigmatisiert, sorgen sich um ihre Lebensqualität, darum, wie ihr Lebenspartner mit dem ästhetischen Aspekt des künstlichen Darmausgangs zurecht kommt oder wie sich die Handhabung des Stomas mit der Arbeit vereinbaren lässt. Denn die Beutel, die über den künstlichen Darmausgang geklebt werden, müssen regelmäßig geleert werden.

    Damit die Patienten mit diesen Sorgen nicht allein gelassen werden, steht am Kemperhof ein interdisziplinäres Team an Helfern bereit, wie Ursula Maurer erklärte. Die Stoma-Therapeutin berichtete, dass allein am Koblenzer Klinikum im Jahresschnitt rund 70 bis 100 Patienten einen künstlichen Darmausgang erhalten. Ganz gleich ob dieser dauerhaft getragen werden muss oder irgendwann wieder entfernt wird: „Die Handhabung müssen erst einmal alle Patienten erlernen“, erklärte Maurer. Dabei unterstützen Maurer und ihre Kollegen die Betroffenen, denn das ganze Prozedere sei einfach viel mehr „als nur Beutel kleben“.

    Neben den Pflegekräften stehen den Patienten am Koblenzer Gemeinschaftsklinikum zudem Psychologen zur Seite. Und: „Es gibt auch eine Ernährungsberatung, die mit den Patienten zusammen einen Speiseplan entwickelt, damit es möglichst wenige Komplikationen gibt“, erläuterte Maurer weiter.

    Wichtig sei für diejenigen Betroffenen, die den künstlichen Darmausgang nur vorübergehend erhalten, außerdem ein regelmäßiges Beckenbodentraining, um die Funktion des Schließmuskels zu erhalten, damit dieser, wenn das Stoma wieder entfernt wird, nach wie vor richtig funktioniert.

    Lexikon: Was ist ein Stoma?

    Ein Stoma ist ein künstlicher Darmausgang. Über eine Öffnung im Bauchraum wird der Stuhlgang in einen Plastikbeutel ausgeführt und dort gesammelt. Rund 70 bis 100 Patienten im Jahr müssen allein im Koblenzer Gemeinschaftsklinikum am Kemperhof einen solchen künstlichen Darmausgang erhalten, etwa wegen eines Mastdarm-Tumors, der entfernt werden muss, oder auch wegen der Darmentzündung Morbus Crohn. 

    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

    Mail

    epaper-startseite
    Rhein-Zeitung Koblenz bei Facebook
    Wetter
    Dienstag

    11°C - 22°C
    Mittwoch

    13°C - 23°C
    Donnerstag

    14°C - 25°C
    Freitag

    12°C - 21°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Bildergalerie: Fotos unserer Leser
    Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

    Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

    Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
    Koblenzer Stadt-Geschichten

    Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf

    Anzeige