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  • Stabiles Stromnetz: Koblenz koordiniert Verbindungen für 225 Kommunen

    Koblenz. 15 Millionen Haushalte waren betroffen, bis zu 120 Minuten ging in weiten Teilen Europas nichts mehr. Und das nur, weil eine Querverbindung ausgeschaltet wurde, um ein Schiff aus der Meyer-Werft in Papenbug durchzulassen. Viele werden sich noch an den großen "Blackout" vom 4. November 2006 erinnern. Damit große Störungen die absolute Ausnahme bleiben, gibt es Leitstellen. Auch in Koblenz. Dort laufen die Fäden für insgesamt 225 Kommunen im Norden des Landes zusammen.

    Manfred Stein (links) und Gerd Müller haben das ganze Versorgungsgebiet im Blick und können bei Problemen sofort handeln. Im Hintergrund: Horst Söhn, Leiter der Netzleitstelle.
    Manfred Stein (links) und Gerd Müller haben das ganze Versorgungsgebiet im Blick und können bei Problemen sofort handeln. Im Hintergrund: Horst Söhn, Leiter der Netzleitstelle.
    Foto: Reinhard Kallenbach

    Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

    Ein Gong ertönt: Gerd Müller und Manfred Stein zeigen in einer Simulation, wie sie mehrere Störungen über die Leitstelle in den Griff bekommen. Mithilfe riesiger Bildschirme analysieren sie die Lage, in der Regel kann das Problem in wenigen Minuten quasi automatisch behoben werden. Und wenn dies nicht möglich ist, haben die beiden Schaltmeister einen kurzen Draht zu den speziell ausgebildeten Monteuren. Sie sind Teil eines großen Teams, das sich um die Sicherheit der Stromversorgung in der ganzen Region kümmert. Die Koblenzer Leitstelle der Energienetze Mittelrhein ist das Herzstück eines hochkomplexen Systems, das wiederum Teil eines europaweiten Netzes ist. Gravierende Störungen sind die absolute Ausnahme. Sie ereignen sich in der Regel nach Unwettern, wenn in waldreichen Gebieten Bäume auf die Mittelspannungsleitungen stürzen.

    "Wenn es zu Störungen kommt, sind sie meistens so kurz, dass sie Verbraucher gar nicht bemerken", erklärt Peter Wiacker, zuständiger Bereichsleiter in der EVM-Gruppe, zu der die Netzgesellschaft gehört. In Zahlen heißt das: Etwa sechs Minuten waren die Menschen im Geschäftsbereich an Rhein und Mosel, in der Eifel und im Westerwald 2014 ohne Strom. Neuere Daten gibt es noch nicht, doch geht das Unternehmen davon aus, dass das Jahr 2015 ähnlich lief. Der Koblenzer Netzbetreiber ist damit deutlich besser als die meisten Mitbewerber. Der Bundesdurchschnitt liegt bei rund zwölf Minuten. Damit das so bleibt, wird kräftig in das unternehmenseigene Netz investiert: Allein 2015 waren es 10,5 Millionen Euro.

    "Technisch haben wir alles unter Kontrolle. Allerdings wird der Aufwand für uns immer größer", bilanziert Christian Schröder. Der Unternehmenssprecher verweist auf die rasanten Veränderungen der vergangenen Jahre. Denn die Energiewende stellt auch neue Herausforderungen an die Netze, die intelligent werden müssen. Das Nebeneinander von konventionellen Kraftwerken, Fotovoltaikanlagen und Windrädern hat zu starken Schwankungen im Netz geführt. Um eine gleichbleibende Versorgungsqualität zu gewährleisten, müssen Schaltstationen umgerüstet und die Kommunikationsgeschwindigkeit über Glasfaser erhöht werden, weil immer mehr Informationstechnik im Spiel ist. Allein in den Ausbau der Breitbandversorgung investiert die Netzgesellschaft 25 Millionen Euro.

    Dennoch ist die Energiewende aus Unternehmenssicht kein Irrweg, sondern eine Entwicklung, die große Potenziale birgt. Denn allein die Fotovoltaikanlagen, die in Deutschland montiert sind, könnten unter Höchstlast 20 Kernkraftwerke ersetzen. Theoretisch. Praktisch ist es so, dass die Sonne nicht rund um die Uhr scheint und der Wind nicht immer weht, so müssen die normalen Kraftwerke die Grundlast erbringen und damit die Versorgung rund um die Uhr sicherstellen. Das ist vor allem für die energieintensive Industrie wichtig, weil es noch keine Möglichkeit gibt, Strom in großen Mengen preiswert zu speichern. Peter Wiacker und Christian Schröder weisen darauf hin, dass die Technik zwar bereits da ist, sich aber fast alles noch in der Projektphase befindet.

    Anders sieht es bei Privathäusern aus. Hier gibt es bereits eine wirtschaftlich vertretbare Kombination von Fotovoltaik auf dem Dach und Speichern im Keller. Schon jetzt ist es möglich, einen Haushalt auf diesem Weg bis zu 80 Prozent autark zu machen.

    Für die Netzbetreiber bedeutet dies alles, dass sie alte und neue Systeme im Blick haben müssen. Horst Söhn, Leiter der Netzleitstelle, weist darauf hin, dass die Energienetze Mittelrhein für das Mittel- und Niederspannungsnetz in der Region zuständig sind. Darüber hinaus stehen die Stromexperten im intensiven Kontakt zu den großen Betreibern der großen Überlandleitungen. Denn auf lokaler Ebene lässt sich gegensteuern, vor allem dann, wenn zu viel Spannung im Netz ist.

     

    Rund um die Uhr im Dienst

    Die Stromleitungen der Energienetze Mittelrhein haben eine Gesamtlänge von rund 6700 Kilometern. Die Netzgesellschaft gehört zur Unternehmensgruppe Energieversorgung Mittelrhein (EVM). Betreut werden Mittel- und Niedrigspannungsleitungen. Für eine sichere Verteilung sorgen 1800 Netzstationen. In der Koblenzer Leitstelle laufen die Fäden zusammen. Hier wachen insgesamt sieben Schaltmeister, die Schichtdienst leisten, rund um die Uhr über die Versorgungssicherheit. Sie sind eng mit 60 spezialisierten Monteuren vernetzt, die Schäden schnellstmöglich beheben. Größere Baumaßnahmen erfolgen in Zusammenarbeit mit Bauunternehmen. ka

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    Nina Borowski

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    Chef v. Dienst

     

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