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    RZ-Adventskalender: Heute das neunte Türchen

    Im März feiert die Pfarrgemeinde Kärlich ihr 800-jähriges Bestehen seit der ersten urkundlichen Erwähnung ihrer Kirche im Jahr 1217. Eine lange Zeit, in der so einige Erzählungen um St. Mauritius zusammengekommen sind - wie Lothar Spurzem und Winfried Henrichs wissen, die uns die Pforte zu der katholischen Pfarrkirche öffnen.

     

    Vermutlich wenig bekannt, aber nach Ansicht des geschichtskundigen Lothar Spurzem der vielleicht baulich schönste Teil von St. Mauritius ist die Taufkapelle, die Mitte oder Ende des 15. Jahrhunderts in gotischem Stil an den aus der Zeit um 1200 stammenden Ostchor angebaut wurde. Bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1976 kamen die wahrscheinlich ursprünglichen Malereien im Kapellengewölbe zum Vorschein sowie Reste einer kleinen Apsis, die laut Spurzem Rückschlüsse auf den einstigen Grundriss des Gebäudes zulassen. Zudem zeigte sich nach Norden hin eine Tür, die notdürftig zugemauert war.

    Alte Kärlicher, sagt Lothar Spurzem, erzählten sich oft, dass diese Tür in der Zeit um 1910 bis etwa 1920 dem Lehrer Johann Hensgen als Eingang zur Kirche diente. "Das Original von Schulmeister kam nämlich fast regelmäßig zu spät zur Messe. Und um wenig aufzufallen, nahm er fast unauffällig den für ihn kürzesten Weg durch das Kürchen, wie die Taufkapelle neben dem Chor damals genannt wurde", berichtet Spurzem. Der einzige, der dies bemerkte, war der Organist, der daraufhin während seines Spiels aus dem Scherzlied "Seist de wohl, do kümt e" improvisierte und so die Ankunft des Lehrers meldete.

    Dieses Gemälde aus Schloss Bürresheim bei Mayen zeigt die Kärlicher Pfarrkirche auf der Anhöhe links hinter dem Kurfürstlichen Schloss zu Kärlich. Dass es einen Tunnel zwischen beiden Gebäuden gegeben haben soll oder Kurfürst Clemens Wenzeslaus die Kirche durch eine eigens für ihn geschaffene Kapellentür betreten haben soll, daran zweifeln Mülheim-Kärlicher Geschichtskundige. 
    Dieses Gemälde aus Schloss Bürresheim bei Mayen zeigt die Kärlicher Pfarrkirche auf der Anhöhe links hinter dem Kurfürstlichen Schloss zu Kärlich. Dass es einen Tunnel zwischen beiden Gebäuden gegeben haben soll oder Kurfürst Clemens Wenzeslaus die Kirche durch eine eigens für ihn geschaffene Kapellentür betreten haben soll, daran zweifeln Mülheim-Kärlicher Geschichtskundige. 
    Foto: GDKE, Jürgen Hocker/D. Morcinek

    Lage und Stil besagter Tür führte zudem zu der Annahme, dass sie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eigens für den Kurfürst und sein Gefolge gebrochen wurde. So hätte Clemens Wenzeslaus auf schnellstem Weg über den Garten seines knapp 250 Meter entfernten Jagdschlosses die Kirche betreten können. Der bereits verstorbene Pfarrer Josef Schmitt bezeichnete die Taufkapelle aus diesem Grund gern auch als Kurfürstenkapelle. "Das ist jedoch mit Vorsicht zu genießen", sagt Spurzem. Denn ob der Kurfürst jemals die Kärlicher Kirche besucht und im Raum Platz genommen hat, ist nicht nachgewiesen.

    "Der Kurfürst hatte eine eigene Kapelle im Schloss, was soll der bei den einfachen Leuten gemacht haben?", sagt Winfried Henrichs, der die Geschichte ebenso anzweifelt wie jene von einem unterirdischen Tunnel zwischen Schloss und Kirche. Den soll Wenzeslaus einem Gerücht zufolge genutzt haben, um die Kirche unbemerkt betreten zu können. Der vermeintliche Tunnel kam einst bei Straßenbauarbeiten zum Vorschein. Wie Henrichs betont, handelte es sich dabei aber eher um eine alte Wasserleitung, die unmittelbar an der Kirche vorbei und das Wasser von einem Wasserhaus oberhalb der Kirche über ein natürliches Gefälle Richtung Schloss leitete. "Die Wasserrohre waren für Menschen einfach nicht groß genug", betont der Mülheim-Kärlicher Chronist.

    Von unserem Redakteur Damian Morcinek

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