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    KoblenzRestaurant Bombay war Treff von Schleuserbande

    Unter welchen Voraussetzungen gelten Papiere als gefälscht? Diese Frage stand im Mittelpunkt des zweiten Tages im Prozess gegen eine mutmaßliche Schleuserbande. Drei Männer sollen laut Anklage indische und pakistanische Landsleute mithilfe gefälschter litauischer und lettischer Ausweise nach Koblenz gebracht haben.

    Nur einer der drei Angeklagten war vor der neunten Strafkammer des Landgerichtes zur Aussage bereit. Der Inder gab zu, an der Schleusung von drei Personen beteiligt gewesen zu sein. Allerdings sei er davon ausgegangen, dass die eingesetzten litauischen Dokumente echt waren. "Gefälscht ist für mich ein Ausweis dann, wenn ich ihn selbst zu Hause drucke", erklärte der 41-Jährige. Bei den Papieren aus dem Baltikum habe es sich aber um Ausweise gehandelt, die unter Bestechung von Beamten ausgestellt worden waren. Ins Rollen gekommen war die Schleuseraktivität des Angeklagten, der 1992 selbst auf Umwegen über Polen, Serbien und Holland nach Deutschland eingereist war, 2009. In einem indischen Restaurant in Tübingen lernte der Mann den Mitangeklagten K. kennen. Dieser habe ihm vorgeschlagen, Aufenthaltsgenehmigungen für Landsleute zu organisieren. "Er hat mir versichert, illegal sei nur, dass die Leute nicht vor Ort sind, wenn die Pässe in Litauen ausgestellt werden", erklärte der geschiedene Mann, der ein Bleiberecht hat, weil er mit Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Kind zusammenlebt. 12 000 Euro habe ein Inder gezahlt, um mit litauischen Papieren dauerhaft in Deutschland bleiben zu können. Für 7000 Euro sei ein weiterer Landsmann über Litauen nach Koblenz geschleust worden.

    Im Januar 2010 besorgte der Angeklagte ein fingiertes Einladungsschreiben einer litauischen Firma und ermöglichte gegen 8000 Euro einem dritten Inder die Einreise. "Die Kontakte zu den litauischen Beamten hatte K. Ich war zweimal dabei, um mich zu vergewissern, dass die Ausweise wirklich von der Behörde ausgestellt werden, also echt sind", berichtete der Angeklagte. 2009 habe K. das inzwischen wieder geschlossene Restaurant Bombay in Koblenz neu eröffnet. Dort habe es weitere Kontakte zu Einreisewilligen gegeben. "Einem Bekannten, der bei der Einrichtung des Lokals geholfen hatte, habe ich einen lettischen Führerschein besorgt", so der Angeklagte. Er habe keinerlei Entgelt erhalten.

    Aufgeflogen war das Schleusertrio im Dezember 2010. Bei einer Verkehrskontrolle war der gefälschte Führerschein eines illegal eingereisten Inders, der auch keine Aufenthaltsgenehmigung besaß, aufgefallen. Dieser hatte gegenüber der Polizei den Angeklagten ins Spiel gebracht, der noch am selben Tag verhaftet wurde. Bei seiner Vernehmung packte der Inder aus. "Ich war völlig überrascht, dass er alles offenlegte", erklärte der vernehmende Polizist im Zeugenstand. Motiv für den Angeklagten, auch die Hintermänner zu benennen, sei die Angst um seinen Sohn gewesen, den er vor K. schützen wollte. "Er hat mehrfach um Schutz gebeten", so der Bundespolizist. "Heute weiß ich, dass es illegal war, aber ich habe mir damals keine Gedanken gemacht", beteuerte der Angeklagte. Der Prozess wird fortgesetzt.

    Katharina Demleitner

    Koblenz
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