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    RegionReisebürochefin aus dem Kreis MYK gesteht: Ich war sehr kriminell

    Eine ehemalige Reisebürochefin (45) aus dem Kreis Mayen-Koblenz haute jahrelang alle übers Ohr - ihre Kunden und Reiseanbieter wie Alltours, Air Berlin oder Tuifly.

    Reisebüro
    Symbolbild
    Foto: dpa

    Sie könne das alles nicht glauben. Schon gar nicht könne sie erklären, wie das alles geschehen konnte. Sie könne nur sagen: "Das war schon sehr, sehr kriminell, wenn ich das von außen betrachte." Eine ehemalige Reisebürochefin (45) aus dem Kreis Mayen-Koblenz haute jahrelang alle übers Ohr - ihre Kunden und Reiseanbieter wie Alltours, Air Berlin oder Tuifly. Sie soll zwischen 2009 und 2011 mit einem illegalen Schneeballsystem rund 100 000 Euro Schaden verursacht haben. Jetzt steht sie wegen Betrug und anderer Straftaten vor dem Schöffengericht Koblenz.

    Es war im Sommer 2011: Eine Familie hatte bei der 45-Jährigen einen Pauschalurlaub gebucht und flog mit Schauinsland-Reisen nach Antalya. Alles lief prima - aber die Reise wurde bis heute nie bezahlt. Als die Familie längst aus dem Urlaub zurück war, beschwerte sich ein Mann bei dem Reiseanbieter. Grund: Die 2000 Euro für den Trip nach Antalya wurden mit seiner Kreditkarte bezahlt - obwohl er die Familie gar nicht kennt.

    Im Prozess erklärte die Reisebürochefin, wie es dazu kam: Die Familie hatte ihren Urlaub bei der 45-Jährigen bezahlt - die aber leitete das Geld nicht an den Reiseanbieter weiter. Damit die Familie dennoch nach Antalya fliegen konnte, griff die 45-Jährige zu einem dreisten Mittel: Sie bezahlte die Reise über das Konto des völlig unbeteiligten Mannes. Der war einst ihr Kunde, sie hatte sich dessen Kreditkartendaten notiert und missbrauchte sie jetzt für ihre Zwecke. Der Mann bekam sein Geld später zurück, der Reiseanbieter blieb auf dem Schaden sitzen.

    Was machte die Angeklagte mit den 2000 Euro? Und was mit den restlichen etwa 100 000 Euro, die sie sich laut Anklage ergaunerte? "Ich weiß es nicht", behauptete sie im Prozess. "Ich war sicher gern mal shoppen, mit der Familie essen oder im Skiurlaub." Doch im Grunde habe sie mit dem Geld krampfhaft versucht, ihr Reisebüro am Leben zu halten.

    Die 45-Jährige verfügte wie eine Gutsherrin über das Geld ihrer Kunden und Geschäftspartner. Laut ihrer Aussage begann alles mit einer Rückforderung des Finanzamtes. Sie hatte jahrelang keine Steuererklärung abgegeben und musste innerhalb von zwei Jahren 20 000 Euro zurückzahlen. Darum zweckentfremdete sie im Jahr 2009 erstmals das Geld, das ihr ein Kunde für eine Reise gab. Dessen Reise bezahlte sie später mit dem Geld, das ihr ein anderer Kunde gab - und so ging es immer weiter. "Ich war im Schneeball drin, aber ich fand die Bremse nicht", erklärte die Frau.

    Mitte 2011 schloss sie ihr Reisebüro und erklärte an Eides statt, dass sie kein Geld mehr hat. Heute arbeitet sie erneut in einem Reisebüro, allerdings als Angestellte. Ihr Vater soll inzwischen ein Darlehen über 60 000 Euro aufgenommen haben und einen Teil ihrer Schulden beglichen haben. Der Prozess geht am Dienstag weiter.

    Hartmut Wagner

    Koblenz
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