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    Bendorf-SaynRadlerunfall bei Schlossparklauf in Sayn: Fürst angezeigt

    Gegen Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (71) wird wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt: Der Fürst soll beim Schlossparklauf am vergangenen Freitag, bei dem rund 160 Grundschüler durch den Sayner Park rannten, einen Ordner zu Fall gebracht haben, der den Schülertross auf einem Fahrrad begleitete.

    Der Schlossparklauf in Sayn am vergangenen Freitag - rund 160 Kinder waren auf einer gut 800 Meter langen Rundstrecke vor dem Schloss unterwegs. Am Rande kam es zum Sturz eines radelnden Ordners der Veranstaltung, an dem Fürst Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn nicht unbeteiligt war. Foto: Ditscher
    Der Schlossparklauf in Sayn am vergangenen Freitag - rund 160 Kinder waren auf einer gut 800 Meter langen Rundstrecke vor dem Schloss unterwegs. Am Rande kam es zum Sturz eines radelnden Ordners der Veranstaltung, an dem Fürst Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn nicht unbeteiligt war.
    Foto: Ditscher

    Von unserem Redakteur Tim Kosmetschke

    Der 28-jährige Radler hat - wie er bei der Polizei angab - bei seinem Sturz Schürfwunden davongetragen und musste vom DRK behandelt werden. Fürst Alexander schildert die Situation im Gespräch mit unserer Zeitung anders und spricht von Missverständnissen, die zu dem auch für ihn "extrem unangenehmen Vorfall" geführt haben.

    Nach RZ-Informationen kam es am Rande der Veranstaltung, die von den Bendorfer Schulen gemeinsam unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Michael Kessler organisiert wurde, zu dem Vorfall. Augenzeugen berichten, dass der Radfahrer an der Spitze einer Läufergruppe am Parkeingang nahe dem Schloss vorbeikam, wo sich Fürst Alexander aufhielt. Dann habe dieser angeblich dem Radfahrer in den Lenker gegriffen, woraufhin der Radler stürzte. "Es passte ihm wohl nicht, dass in seinem Schlosspark mit dem Fahrrad gefahren wurde", hieß es in einem anonym veröffentlichten Bericht im Internetnetzwerk Facebook, der inzwischen gelöscht wurde. Der Fürst sei fortgegangen, ohne sich um den Verletzten zu kümmern.

    Der junge Mann hat jedenfalls Anzeige bei der Polizei Bendorf erstattet, wie der stellvertretende Dienststellenleiter Jürgen Niemczyk der Rhein-Zeitung auf Anfrage bestätigte - natürlich ohne Bezug zu nehmen auf den prominenten Beschuldigten. Laut Niemczyk ist nun ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung anhängig. Die Ermittlungen steckten aber noch in den Anfängen, es sei noch zu keiner Vernehmung gekommen. Niemczyk bestätigte den Verlauf des Vorfalls, wie er vom Geschädigten bei der Anzeigenaufnahme beschrieben worden sei.

    Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn über den Vorfall im Schlosspark
    Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn über den Vorfall im Schlosspark
    Foto: picture alliance

    Sayn-Wittgenstein-Sayn holt ein wenig aus, als er der RZ per Telefon während einer Dienstreise in die neuen Bundesländer seine Version des Sturzes schildert. Seit den 60er-Jahren besteht demnach ein Vertrag zwischen ihm und der Stadt, in der die Verpachtung des Schlossparks geregelt ist. "Darin sind zwei wichtige Punkte festgeschrieben: Erstens dürfen keinerlei Fahrzeuge in den Park; sollte dies bei einer Veranstaltung dennoch nötig sein, sollen sie zumindest nicht auf der großen Wiese stehen. Und zweitens ist Radfahren im Park strengstens verboten." Schilder machen darauf aufmerksam - für Fürst Alexander stört Radverkehr die Ruhe der anderen Parkbesucher viel zu sehr.

    "Als ich nun am vergangenen Freitag von meinem Haus zum Schloss durch den Park ging, fand ich zunächst eine Großveranstaltung vor, von der ich nichts wusste", nennt er das erste "Kommunikationsdefizit", das das weitere Geschehen erst mit ausgelöst habe. Als er sah, dass es der auch im Fürstenhaus beliebte Schlossparklauf der Grundschulen war, konnte er sogar über die auf der Wiese geparkten Fahrzeuge hinwegsehen.

    "Am Hauptweg aber sah ich dann, wie ein Radfahrer in kompletter Montur samt Helm in Höchsttempo mitten durch die Menschen auf mich zujagte." Als Angehöriger der Organisation war er für den Fürsten nicht zu erkennen, wie er betont. "Da habe ich mich in den Weg gestellt, ihm mehrfach gerufen, er solle stehen bleiben, was er nicht tat. Ich bin dann mit ausgebreiteten Armen dageblieben, dann hat er mich berührt und ist dabei gestürzt." Er sei bei dem Radler geblieben, auch das DRK sei gekommen, gemeinsam habe man ihm hochgeholfen: "So weit ich es sehen konnte, hatte er aber keine Verletzungen."

    Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn bedauert den Vorfall, versichert, dass er sicher keinen Eklat auslösen wollte, sondern impulsiv gehandelt habe, weil er sich geärgert hat: "Ich habe den Mann für einen der Radler gehalten, die auf ihrer Tour die Abkürzung durch den Park nehmen - ohne Rücksicht auf die Fußgänger. Wenn ich gewusst hätte, dass er zur Organisation gehört, hätte ich sicher nichts getan."

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